Ambulantisierung in O&U: Zukunftsmodell MVZ?

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Gut besucht war auf der diesjährigen VSOU-Tagung die berufspolitische Session zum Thema MVZ. Mit dem Publikum diskutierten die Referenten die Vor- und Nachteile einer Tätigkeit im MVZ und die Risiken durch die Möglichkeit von Investorenbeteiligungen.

„Ambulantisierung und kein Ende?“ fragte Prof. Reinhard Hoffmann, Chefarzt Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie der BG Unfallklinik Frankfurt am Main in seinem Vortrag und verwies auf die den ständigen Anstieg des ambulanten Behandlungspotenzials und die immer noch starken Sektorengrenzen. Hoffmann sieht die Kliniken „nach wie vor schlecht vorbereitet auf die Ambulantisierung“.

Ein Modell der ambulanten Versorgung, das in der Wahrnehmung zunehmend in den Vordergrund rückt, sind Medizinische Versorgungszentren (MVZ) – ein Markt in den neben privaten Klinikkonzernen, Ärzten und Ärztinnen als Betreibern auch zunehmend fachfremde Investoren drängen. Nicht nur für Kongresspräsident Dr. Johannes Flechtenmacher sieht diese Entwicklung problematisch. Wie schon in der feierlichen Kongresseröffnung hob er den Wert des freien Arztberufes hervor und verwies darauf, dass das selbstbestimmte Arbeiten für mehr Zufriedenheit sorge: „Angestellter im MVZ statt Angestellter im Krankenhaus – ist das tatsächlich eine Alternative?“, fragte Flechtenmacher und hob die Folgen eines Praxisverkaufs an Investoren hervor: „Wenn man den Kassensitz abgibt, ist er weg – nicht nur für sich selbst sondern auch für nachfolgenden Generationen.“ Das habe auch Folgen für die Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung, wenn in Vertreterversammlungen der Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen Angestellte von MVZs im Besitz von Investoren sitzen anstatt freiberuflicher Ärzte.

Dr. Gerd Rauch wandte ein, dass es gerade „auf dem platten Land“ schwierig sei einen Praxisnachfolger zu finden, dann sei ein MVZ eine Lösung. Über die Vorteile und den Ablauf eines solchen Verkaufs an einen Investor sprach Volker Heuzeroth, Leiter der Unternehmensentwicklung der Kinios GmbH, die Praxen kauft und im Netzwerk weiterführt. Man lege Wert auf partnerschaftlichen Umgang mit Ärztinnen und Ärzten und kümmere sich um Administration und Bürokratie, „damit der Arzt mehr Zeit hat Arzt zu sein“. Allerdings gibt es nicht nur Vorteile, wie nach der Frage aus dem Publikum nach dem „Haken“ deutlich wurde. Ärzte tauschen mit dem Verkauf die Freiberuflichkeit gegen einen Arbeitsvertrag mit entsprechenden Regularien, die für Angestellte gelten, beispielsweise was Urlaubsregelungen angeht. Heuzeroth verwies aber auch auf die Sicherheitsaspekte im Angestelltenverhältnis.

Das Konzept vom Arzt nicht als Angestellter, sondern als Mitgesellschafter mit variablem Gehalt stellte Martin von Hummel, CEO von Atos vor. Hier sehe man Ärzte als Partner in einem Spezialisten-Netzwerk und „auf Augenhöhe“. Von Hummel hob besonders die freien Entfaltungsmöglichkeiten für Ärzte hervor: „Bei uns gibt es nicht ein Konzept, sondern sehr viele.“

Als Vortrag vorgesehen war auch der Blickwinkel des privaten Klinikkonzerns Helios – allerdings musste der Referent Enrico Jensch, COO von Helios Gesundheit kurzfristig absagen. Wie er in seinem Fachbeitrag zum geplanten Vortrag ausführt, ist das Potenzial für das das ambulante Operieren „noch nicht ausgeschöpft“. Jensch betont die Notwendigkeit, die die „Ambulantisierung auf dem operativen Sektor mit großen Schritten“ voranzutreiben. Der Klinikkonzern übernehme auch ambulante Versorgung in O&U.

Für Dr. Jörg Ansorg, Geschäftsführer des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) sind MVZ-Strukturen grundsätzlich eine interessante Alternative für die rechtssichere Tätigkeit niedergelassener Vertragsärzte im Krankenhaus beziehungsweise von Krankenhausärzten im niedergelassenen Bereich. Ansorg hob aber auch die Risiken investorengeführter MVZs hervor. Wie Flechtenmacher sieht der BVOU-Geschäftsführer hier auch eine Gefahr für die ärztliche Selbstverwaltung und ein Risiko für die Freiberuflichkeit des Arztberufes. Zudem bestehe die Gefahr von Über- oder Fehlversorgung und Einfluss der Investoren auf ärztliche Entscheidungen. (ja)