American Stroke Association veröffentlicht neue Leitlinie29. Januar 2026 In ihrer aktuellen Leitlinie gibt die American Stroke Association erstmals auch Empfehlungen zur Akuttherapie des kindlichen Schlaganfalls. (Foto: © chathuporn – stock.adobe.com) Die American Stroke Association (ASA) hat im Vorfeld der Internationalen Schlaganfallkonferenz 2026 ihre Leitlinie zur Schlaganfallbehandlung für Erwachsene erweitert und gibt erstmals Empfehlungen für die Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern. Die aktualisierten Empfehlungen wurden im Fachjournal „Stroke“ veröffentlicht. Die neue Leitlinie für die Frühbehandlung von Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall (AIS) ersetzt die Ausgabe von 2018 und deren Aktualisierung von 2019. Sie umfasst unter anderem erweiterte Indikationen für die Thrombektomie, neue Erkenntnisse zum Einsatz des Thrombolytikums Tenecteplase und die Einführung mobiler Stroke-Units. Erstmals enthält die Leitlinie auch detaillierte Empfehlungen für die Diagnose und Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern. „Diese Aktualisierung bringt die wichtigsten Fortschritte der vergangenen zehn Jahre in der Schlaganfallversorgung direkt in die Praxis“, erklärte Dr. Shyam Prabhakaran, M.S., FAHA, Vorsitzender der Arbeitsgruppe für die Leitlinie und James Nelson und Anna Louise Raymond Professor für Neurologie und Vorsitzender der Abteilung für Neurologie an der University of Chicago Medicine. „Die neuen Empfehlungen in der Leitlinie erweitern den Zugang zu modernsten Behandlungen, wie Verfahren zur Entfernung von Blutgerinnseln und Medikamenten, vereinfachen die Anforderungen an die Bildgebung, sodass mehr Krankenhäuser schnell handeln können, und führen erstmals Leitlinien für den pädiatrischen Schlaganfall ein.“ Erste Leitlinie für Schlaganfälle bei Kindern Laut ASA wurden die derzeit verfügbaren Instrumente zur Schlaganfall-Früherkennung für Erwachsene entwickelt, sodass sie Schlaganfälle bei Kindern nicht sicher von Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen unterscheiden können. Als Beispiele für eine solche Mimikry nennt die Gesellschaft Migräne, Krampfanfälle, traumatische Hirnverletzungen oder Hirntumore. Die Leitlinie empfiehlt die schnelle Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT) und einer Angiographie (MRA), um Gefäßblockaden zu identifizieren, arterielle ischämische Schlaganfälle von hämorrhagischen Schlaganfällen zu unterscheiden und Mimikry bei pädiatrischen Schlaganfällen auszuschließen. Laut der Leitlinie ist eine Computertomographie (CT) sinnvoll, wenn eine MRT nicht rechtzeitig verfügbar ist. Zur Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls bei Kindern sieht die Leitlinie vor, dass das intravenös (IV) verabreichte Gerinnselauflösungsmittel Alteplase innerhalb von 4,5 Stunden bei Kindern im Alter von 28 Tagen bis 18 Jahren mit behindernden Defiziten in Betracht gezogen werden kann. Darüber hinaus kann die mechanische Thrombusentfernung durch erfahrene Neurointerventionisten bei großen Gefäßverschlüssen bei Kindern ab sechs Jahren innerhalb von sechs Stunden wirksam sein und ist bis zu 24 Stunden nach Auftreten der Symptome sinnvoll, wenn die Bildgebung rettbares Hirngewebe zeigt. „Diese Empfehlungen stellen einen wichtigen Schritt in Richtung einer standardisierten, evidenzbasierten Versorgung von Kindern dar“, erklärte Prabhakaran. „Sie zeigen auch, wie viel wir noch über Schlaganfälle bei Kindern lernen müssen.“ Die wichtigsten Empfehlungen im Überblick Die intravenöse Thrombolyse (IVT) kann unter Verwendung von Alteplase oder Tenecteplase innerhalb des 4,5-stündigen Zeitfensters erfolgen. Darüber hinaus betonen die Leitlinienautoren die Bedeutung einer schnellen thrombolytischen Behandlung bei geeigneten Patienten mit behindernden Defiziten, unabhängig vom NIHSS-Score (National Institutes of Health Stroke Scale), innerhalb des 4,5-Stunden-Fensters ohne fortgeschrittene bildgebende Auswahl. Zudem unterstützen die Leitlinien eine verlängerte Thrombolyse für ausgewählte Patienten mit Schlaganfall unbekannten Beginns oder 4,5 bis 9 Stunden nach Beginn unter Verwendung fortgeschrittener Bildgebungskriterien (z. B. diffusionsgewichtete Bildgebung – fluid attenuated recovery oder perfusionsbasierte Mismatch). Bei Patienten mit nicht behindernden Defiziten (z. B. isoliertes sensorisches Syndrom) innerhalb des 4,5-Stunden-Fensters wird eine duale Thrombozytenaggregationshemmung empfohlen. Adjuvante antithrombotische Medikamente wie Argatroban und Eptifibatid zur Verbesserung der Ergebnisse der Thrombolysetherapie nicht empfohlen. Die endovaskuläre Therapie (EVT) hat sich als Standardbehandlung für Patienten mit AIS mit großer Gefäßokklusion (LVO) etabliert. Aktuelle Erkenntnisse sprechen für eine Ausweitung der EVT auf Populationen, die bisher als nicht geeignet galten. Insbesondere weisen mehrere Studien darauf hin, dass die EVT einigen Patienten mit größeren ischämischen Kerninfarkten, wie sie durch diagnostische Bildgebung festgestellt wurden, zugute kommt. Die Leitlinien enthalten auch eine starke Empfehlung für die EVT bei Patienten mit Basilararterienverschluss, die innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn und einem NIHSS-Score ≥10 vorgestellt werden. Eine intensive Blutzuckerkontrolle im Bereich von 80 bis 130 mg/dl wird nicht mehr empfohlen, da sie das Risiko einer schweren Hypoglykämie erhöht. Eine intensive Senkung des systolischen Blutdrucks auf <140 mm Hg wird selbst bei vollständiger Reperfusion (z. B. Thrombolyse bei zerebralem Infarkt, Grad 3) nicht mehr empfohlen.
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