Angiogener Marker mit erhöhtem Risiko für Totgeburten assoziiert

Symbolbild © _KUBE_/stock.adobe.com

Totgeburten stellen insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiterhin eine große Herausforderung dar. Eine Fall-Kontroll-Studie aus Bangladesch zeigt, dass ein erhöhtes mütterliches sFlt-1:PlGF-Verhältnis mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit für eine Totgeburt assoziiert ist.

Ein Ungleichgewicht angiogener Faktoren mit erhöhten Konzentrationen der löslichen fms-like Tyrosinkinase 1 (sFlt-1) und verminderten Werten des Plazentawachstumsfaktors (PlGF) wird mit einer gestörten Plazentafunktion in Verbindung gebracht. Ob auch ein erhöhtes sFlt-1:PlGF-Verhältnis mit Totgeburten assoziiert ist, wurde bislang nur unzureichend untersucht.

Erhöhte Odds bei hohem sFlt-1:PlGF-Verhältnis

In die Studie, die in „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde, wurden 125 Schwangere aus zwei Gesundheitszentren des Dhaka Community Hospital Trust im ländlichen Bangladesch eingeschlossen. Die Frauen waren mindestens 18 Jahre alt und wiesen eine sonografisch bestätigte Einlingsschwangerschaft auf. 39 Teilnehmerinnen hatten eine Totgeburt, 86 Frauen dienten als Kontrollgruppe und hatten ein termingerecht geborenes lebendes Kind.

Nach Adjustierung für den Propensity Score war ein sFlt-1:PlGF-Verhältnis von mehr als 38 signifikant mit höheren Odds für eine Totgeburt verbunden (OR 13,44; 95%-KI 2,03–88,89). Auch bei einem Grenzwert von mehr als 85 zeigte sich ein ähnlicher Zusammenhang (OR 12,95; 95%-KI 1,57–106,64).

In der untersuchten Kohorte lag der positive Vorhersagewert eines sFlt-1:PlGF-Verhältnisses von mehr als 38 bei 88,9 Prozent und bei einem Grenzwert von mehr als 85 bei 85,7 Prozent. Die negativen Vorhersagewerte lagen dagegen nur bei 73,3 beziehungsweise 72,0 Prozent. Ein niedriges sFlt-1:PlGF-Verhältnis konnte eine Totgeburt somit nur eingeschränkt ausschließen.

Möglicher Marker für Schwangerschaftskomplikationen

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem erhöhten sFlt-1:PlGF-Verhältnis und Totgeburten. Die Autoren leiten daraus ein etwa 13-fach höheres Risiko ab.

Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial angiogener Marker als mögliche Indikatoren für Schwangerschaftskomplikationen, insbesondere in Regionen mit begrenzten diagnostischen Ressourcen. Größere prospektive Studien sind erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen und den klinischen Nutzen zu bewerten.

(lj/BIERMANN)