Potenzielle neue Therapie gegen Endometriose1. Oktober 2026 Symbolbild © chrupka/stock.adobe.com US-amerikanische Forschende haben eine neue Therapie gegen Endometriose entwickelt, bei der ein Nanotransporter den Wirkstoff gezielt zum Krankheitsherd bringt. In präklinischen Tests zeigte die Behandlung Wirkung. Die gezielte Nanotherapie – entwickelt von einem Wissenschaftlerteam der Washington State University (WSU) – reduzierte in einem Mausmodell sowohl die Symptome als auch das Fortschreiten der Endometriose bereits nach einer einzigen Dosis. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Advanced Healthcare Materials“ veröffentlicht; die Forschenden hoffen, das Medikament künftig auch am Menschen testen zu können. Das Behandlungsverfahren zielt darauf ab, eine mit Endometriose assoziierte Zellpopulation mithilfe eines bereits verfügbaren Medikaments zu behandeln, das durch ein winziges Nanopartikel an seinen Bestimmungsort transportiert wird. Nanotherapie als möglicher neuer Therapieansatz „Wir hatten die krankheitsspezifische Immunzelle identifiziert und verfügten über ein geeignetes Medikament, konnten die Zelle jedoch nicht allein mit dem Wirkstoff gezielt erreichen“, erklärt Kanako Hayashi, Professorin an der School of Molecular Biosciences (College of Veterinary Medicine) der WSU und korrespondierende Autorin der neuen Publikation. „Deshalb setzten wir einen Nanotransporter ein, der das Medikament gezielt an den Krankheitsherd bringt.“ Endometriose ist eine stark beeinträchtigende Krankheit, von der weltweit rund 190 Millionen Frauen betroffen sind. Zur Linderung der Symptome werden zwar Hormontherapien eingesetzt, doch diese sind mit zahlreichen Nachteilen verbunden, etwa Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Knochendichte der Patientinnen. Junge Frauen, die sich einer solchen Behandlung unterziehen, leiden häufig unter Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Unfruchtbarkeit. Zwar lassen sich die Gewebeherde operativ entfernen, doch der Behandlungserfolg ist oft nur von kurzer Dauer. Krankheitsassoziierte Makrophagen als Angriffspunkt Die aktuelle Endometriose-Forschung konzentriert sich unter anderem auf Fehlfunktionen des Immunsystems, insbesondere auf Makrophagen. In einer früheren Studie identifizierten die Forschenden der WSU eine spezifische Population dieser Immunzellen, die mit Endometriose assoziiert ist. Diese Zellen tragen vermehrt den Folat-Rezeptor β (FRβ) auf ihrer Oberfläche. Genau diesen Rezeptor nutzten die Forschenden nun als Andockstelle: Sie versahen den Nanotransporter mit Folsäure, die an FRβ bindet und dadurch die Aufnahme des Transporters in die entsprechenden Makrophagen ermöglicht. Im Mausmodell sammelte sich der Transporter daraufhin gezielt in den Endometriose-Läsionen an und wurde dort von FRβ-positiven Makrophagen aufgenommen. Niclosamid als Wirkstoff für den Nanotransporter Im nächsten Schritt beluden die Forschenden den Nanotransporter mit Niclosamid, einem Wirkstoff, der derzeit zur Behandlung von Bandwurminfektionen zugelassen ist. Das Medikament wird auf eine Reihe weiterer potenzieller Einsatzgebiete hin untersucht, darunter die Krebsbehandlung; zudem hat Hayashis frühere Forschung gezeigt, dass es Endometriose-Läsionen verringern kann. Allerdings weist das Medikament erhebliche Nachteile auf, insbesondere seine geringe Löslichkeit: Patienten müssen große Mengen einnehmen, damit es wirkt, was die Dauer der sicheren Anwendung einschränkt. Bei einer Krankheit, die eine jahre- oder gar jahrzehntelange Behandlung erfordert, stellt dies eine wesentliche Einschränkung dar, so Hayashi. Einmalige Dosis reduzierte Läsionen und Schmerzempfindlichkeit Das Team der WSU entwickelte ein Molekül im Nanobereich – ein sogenanntes Dendrimer –, das sich an Niclosamid bindet und den Wirkstoff in einer besser löslichen Form verabreicht. In einem Experiment mit einem Mausmodell stellten sie fest, dass eine einzige Injektion bei verschiedenen Symptomen Wirkung zeigte; dazu gehörten eine Verringerung von Größe und Anzahl der Läsionen sowie eine verminderte Schmerzempfindlichkeit. „Auch wenn wir noch mehrere Phasen durchlaufen müssen, zeigt diese Studie eine hohe Wirksamkeit; zudem ist dieser Nanotransporter bislang über einen Zeitraum von zwei Wochen stabil – und wir gehen davon aus, dass wir diesen Zeitraum noch verlängern können“, sagt Hayashi. „Die Idee dahinter ist: Wenn das Mittel einen Monat lang stabil bleibt, könnte man einmal im Monat zum Arzt gehen, sich die Spritze – entweder intravenös oder intramuskulär – verabreichen lassen und anschließend nach Hause gehen.“ (lj/BIERMANN) Das könnte Sie zum Thema Endometriose ebenfalls interessieren: Neuer Bluttest für Endometriose basierend auf hormonellen Unterschieden Endometriose: Symptome reichen weit über Schmerzen hinaus
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