ANIM 2026: Haben Komapatienten mehr Bewusstsein als gedacht?23. März 2026 Ein internationales Symposium auf der ANIM 2026 in Dortmund beleuchtete aktuelle Erkenntnisse zur Komaforschung. (Foto: ©Helge Schubert/Conventus) Was können Menschen mit schweren Hirnschäden noch wahrnehmen? Neue Forschungsergebnisse zum Thema Koma nach akuter Hirnschädigung wurden auf der Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin ANIM 2026 in Dortmund präsentiert. Was geht im Gehirn von Komapatienten vor sich? Aktuelle Studien geben Hinweise darauf, dass es bei einigen mehr sein kann, als viele Jahre lang angenommen wurde: dass ihre Gehirne tatsächlich weiter kognitiv arbeiten und eine cognitive-motor-dissociation (CMD) vorliegt – ein verborgenes Bewusstsein, das mit Hilfe von Bildgebung sichtbar gemacht werden kann. Internationale Experten diskutierten neueste Erkenntnisse zum Thema „Coma: Inside and outside the box“ bei der ANIM 2026, der 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI). Hinweise auf erhaltenes Bewusstsein bei einem Teil der Komapatienten Erst seit kurzem werden komatöse Patienten mit CMD beschrieben, die nicht auf äußere motorische Reize reagieren, bei denen es aber Hinweise auf ein erhaltenes Bewusstsein gibt. Dieses CMD-Phänomen, das von internationalen Forschungsteams beschrieben wird, wurde in dem Symposium ausführlich beleuchtet und diskutiert. Aufsehen erregte eine große, über mehrere Jahre durchgeführte und 2024 im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie. 25 Prozent der untersuchten Komapatienten zeigten auf die Anweisung, sich vorzustellen, eine Hand zu öffnen und zu schließen oder eine Sportart auszuführen, minutenlang entsprechende Hirnaktivitäten. Aufnahmen funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) und Elektroenzephalographie (EEG) belegten die Reaktionen bei 60 von 241 Teilnehmenden. Während das Koma bisher als ein Zustand kompletter Bewusstlosigkeit definiert wurde, zeigen neuere Studien, dass einige Komapatienten zwar nicht mit Sprache oder Bewegung auf verbale Anweisungen reagieren, diese aber hören und verstehen können. Prof. Kirsten Möller, Kopenhagen (Dänemark), geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der Komapatienten bei Bewusstsein sind, dies aber nicht mitteilen können. Mit Hilfe von EEG und anderen computergestützten Techniken zur Hirnüberwachung identifiziert Dr. Jan Claassen von der Colombia University in New York (USA) Patienten mit schweren Hirnverletzungen, die bewusstlos wirken, deren Hirnaktivität aber einen wachen Zustand zeigt. Ziel der Studien ist es, diejenigen herauszufinden, die ihr Bewusstsein wiedererlangen können. Offene Forschungs- und ethische Fragen Es sind noch viele Fragen offen. Haben Komapatienten mit verborgenem Bewusstsein eine höhere Chance wieder aufzuwachen? Ist es vorstellbar, dass Patienten mit Bewusstseinsstörungen so klar und wach sind wie ein gesunder Mensch? Die aktuellen Studien deuten darauf hin, dass mehr bewusstseinsgestörte Patienten als gedacht etwas von dem mitbekommen, was um sie herum vorgeht. Das wirft ein neues Licht auf die zentrale ethische Frage, wie lang eine Therapie bei Komapatienten fortgeführt werden sollte. Wird die Behandlung abgebrochen und das Beatmungsgerät abgeschaltet, so stirbt der Patient. Die internationale Diskussion wird mit aktuellen Erkenntnissen fortgeführt auf dem Fachkongress ANIM 2027, der vom 21. bis 23. Januar 2027 in Berlin unter Kongresspräsident Prof. Thomas Westermaier stattfindet.
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