Antidepressivum hemmt Coronavirus18. Juni 2020 Chemische Formel von Fluoxetin (Foto: ©Zerbor – stock.adobe.com) Ein gängiges Medikament gegen Depressionen bietet sich möglicherweise auch als Mittel zur Behandlung von COVID-19 an. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universität Würzburg, die jetzt auf einem Preprint-Server veröffentlicht wurde. Seit mehr als vier Jahrzehnten wird der Wirkstoff Fluoxetin beim Menschen zur Behandlung von Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen eingesetzt. Jetzt könnte das Medikament auch im Kampf gegen COVID-19 zum Einsatz kommen. Wie eine Studie von Virologen und Chemikern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zeigt, hemmt Fluoxetin die Vermehrung der Viren vom Typ SARS-CoV-2 deutlich. Nach Ansicht der Wissenschaftler bietet es sich deshalb vor allem zur frühen Behandlung von infizierten Patienten an, die einer der bekannten Risikogruppen angehören. Wirkstoffsuche unter Zeitdruck Bei der Behandlung schwer erkrankter COVID-19-Patienten ist Remdesivir immer noch das einzige Medikament, das gezeigt hat, dass es den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Weitere, im Idealfall besser wirksame Substanzen sind deshalb dringend gesucht, und weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck an dieser Aufgabe. Das Problem dabei: Bevor neue Wirkstoffe beim Patienten zum Einsatz kommen, müssen sie diverse Stufen klinischer Studien durchlaufen, die sehr zeitaufwändig sind. Weil diese Zeit fehlt, haben die Würzburger Wissenschaftler einen anderen Weg gewählt: „Wir haben uns in unseren Untersuchungen auf bereits zugelassene Medikamente konzentriert und erforscht, ob diese sich als wirksame Inhibitoren von SARS-CoV-2 eignen“, erklärt Prof. Jochen Bodem vom Institut für Virologie und Immunbiologie der JMU. Ein Medikament zeigt Wirkung Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) standen im Mittelpunkt einer ihrer Studien. Im Labor haben die Wissenschaftler nun menschliche Zellen mit dem Wirkstoff Fluoxetin in Konzentrationen in Kontakt gebracht, die üblicherweise bei der Therapie von Depressionen erreicht werden. Anschließend wurden die Zellen mit SARS-CoV-2 infiziert. Nach einigen Tagen wurde die Auswirkung auf das Virus kontrolliert. Die Ergebnisse sind vielversprechend: „Fluoxetin hemmt SARS-CoV-2 bereits in einer sehr geringen Konzentration“, sagt Bodem. Eingriff in die Proteinexpression Verantwortlich dafür scheint allerdings nicht die eigentliche Aufgabe von Fluoxetin zu sein – der Eingriff in den Serotin-Wiederaufnahme-Prozess. Dafür spricht unter anderem die Tatsache, dass in der Studie andere Medikamente aus der Gruppe der SSRI wie Paroxetin und Escitalopram die Vermehrung von SARS-CoV-2 nicht behinderten. Die antivirale Wirkung hängt also nicht mit dem Serotonin-Wiederaufnahme-Rezeptor zusammen. Stattdessen hemmt Fluoxetin die Proteinexpression in dem Virus, wie Untersuchungen mit Immunfluoreszenz an einem vom Patienten gewonnenen Antiserum zeigten. Was die Studie ebenfalls belegt: Fluoxetin wirkt sehr speziell auf Viren vom Typ SARS-CoV-2. Bei anderen Viren, wie etwa dem Tollwutvirus, dem Humanen Respiratorischen Synzytial-Virus, dem humanen Herpesvirus 8 oder dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, konnten die Wissenschaftler keine Effekte beobachten. „Es spricht also alles dafür, dass Fluoxetin virusspezifisch wirkt, dennoch muss die Wirkung im Erkrankten bestätigt werden“, so der Virologe. Seit mehr als 40 Jahren im klinischen Einsatz, gut erforscht, das Patent längst abgelaufen, von verschiedenen Firmen erhältlich und relativ günstig. Aus Sicht der Wissenschaftler spricht danach vieles dafür, Fluoxetin bei der frühen Behandlung von SARS-CoV-2-infizierten Patienten in Heilversuchen und Studien einzusetzen, zumal bekannt ist, dass Fluoxetin die Zytokin-Ausschüttung stark vermindert und somit einen zusätzlichen Nutzen für Erkrankte hätte. Originalpublikation:Zimniak M et al. The serotonin reuptake inhibitor Fluoxetine inhibits SARS-CoV-2. Posted June 14, 2020.
Mehr erfahren zu: "Menopause hinterlässt molekularen Fingerabdruck mit möglichem Hinweis auf Demenzrisiko" Menopause hinterlässt molekularen Fingerabdruck mit möglichem Hinweis auf Demenzrisiko Eine neue US-amerikanische Studie zeigt, dass Veränderungen bestimmter Proteine während der Menopause mit einem erhöhten Demenzrisiko im späteren Leben assoziiert sind.
Mehr erfahren zu: "Pränatale Depressionen erhöhen das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen" Pränatale Depressionen erhöhen das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen Kinder, deren Mütter vor der Geburt unter Depressionen leiden, zeigen häufiger bestimmte neurologische Entwicklungsstörungen – unabhängig davon, ob sie im Mutterleib Antidepressiva ausgesetzt waren. Dies geht aus einer Studie hervor, […]
Mehr erfahren zu: "Trotz rückläufigem Trend: Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter häufigste Todesursache" Trotz rückläufigem Trend: Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter häufigste Todesursache Eine gute und eine schlechte Nachricht: Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren laut der neuesten Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes auch in 2025 die häufigste Todesursache. Seit dem Jahr 2022 sinken die Fallzahlen aber deutlich.