Antihypertensive Behandlung bei leichter Hypertonie1. April 2019 © eyetronic – fotolia.com Wie sinnvoll ist eine blutdrucksenkende Behandlung bei Patienten mit niedrigem Bluthochdruck und geringem Risiko für Mortalität und kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD)? Auch wenn manche Leitlinien dies empfehlen, so ist die Evidenz dazu doch nicht schlüssig, da frühere Studien eine zu geringe statistische Power hatten. Eine aktuelle Analyse ergab jetzt keine Evidenz, die dafür spricht. Hingegen gab es Anzeichen für ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Ereignisse. Daher sollten Ärzte Vorsicht walten lassen, wenn sie sich an Leitlinien halten, die die Ergebnisse von Studien, die an Hochrisiko-Patienten durchgeführt wurden, auf diejenigen mit geringerem Risiko verallgemeinern, mahnen Dr. James P. Sheppard von der University of Oxford und seine Kollegen. Sie haben für ihre longitudinale Kohortenstudie Daten aus dem Clinical Practice Research Datalink von 01.01.1998–30.09.2015 für Patienten von 18–74 Jahren mit leichter Hypertonie (unbehandelt 140/90–159/99 mmHg) und ohne vorherige Behandlung extrahiert. Dabei schlossen sie Personen mit einer Vorgeschichte von CVD oder CVD-Risikofaktoren aus. Patienten schieden aus der Kohorte aus, wenn Unterlagen zur Nachbeobachtung nicht mehr zur Verfügung standen oder ein Endpunkt von Interesse eintrat. Wie die Autoren berichten, wurden 19.143 behandelten Patienten (Durchschnittsalter [SD] 54,7 [11,8] Jahre; 10.705 [55,9 %] Frauen; 10.629 [55,5 %] weiß) 19.143 ähnliche unbehandelte Patienten (54,9 [12,2] Jahre; 10.631 [55,5 %] weiblich; 10.654 [55,7 %] weiß) zugeordnet. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,8 Jahren (Interquartilsabstand 2,6–9,0 Jahre) wurde kein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen blutdrucksenkender Behandlung und Mortalität (Hazard Ratio [HR] 1,02; 95 %-KI 0,88–1,17) oder CVD (HR 1,09; 95 %-KI 0,95–1,25) gefunden. Jedoch war die Behandlung mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen verbunden, einschließlich Hypotonie (HR 1,69; 95 %-KI 1,30–2,20; Number-Needed-to-Harm nach 10 Jahren [NNH10] 41), Synkopen (HR 1,28; 95 %-KI 1,10–1,50; NNH10 35), Elektrolytabnormalitäten (HR 1,72; 95 %-KI 1,12–2,65; NNH10 111) und akuter Nierenschädigung (HR 1,37; 95 %-KI 1,00–1,88; NNH10 91). (sf) Fazit Der Nutzen einer antihypertensiven Behandlung ist bei Patienten mit niedrigem Bluthochdruck und geringem Risiko für Mortalität und CVD fraglich. Autoren: Sheppard JP et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Benefits and Harms of Antihypertensive Treatment in Low-Risk Patients With Mild Hypertension Quelle: JAMA Intern Med 2018;178(12): 1626–1634. Web: dx.doi.org/10.1001/jamainternmed.2018.4684
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