Myopie bei Kindern: Atropin-Augentropfen in niedriger Dosierung sind sicher und wirksam15. Juni 2026 Symbolbild:©vitalis83-stock.adobe.com Atropin-Augentropfen in niedriger Konzentration zeigten sich in der Behandlung von Myopie bei Kindern im Vereinigten Königreich als sicher und wirksam. Das legt eine im „BMJ“ veröffentlichte klinische Studie nahe. Die Studie zeigt, dass Augentropfen im Vergleich zu Placebo zu einer geringen, aber signifikanten Verlangsamung des Myopie-Fortschritts bei Kindern führten. Damit könnten sie den Studienautoren zufolge eine lohnende Ergänzung zu den derzeit verfügbaren optischen Maßnahmen zur Behandlung von Myopie bei Kindern im Vereinigten Königreich darstellen. Myopie bei Kindern erhöht das Risiko für langfristige Augenkomplikationen Die Myopie-Raten bei Kindern steigen weltweit an. Gleichzeitig stehen sie im Zusammenhang mit höheren Gesundheitskosten und langfristigen Augenkomplikationen. Atropin-Augentropfen werden weltweit zur Behandlung von Myopie bei Kindern eingesetzt. Die Forscher rekrutierten zwischen Juni 2019 und Februar 2022 insgesamt 289 kurzsichtige Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Das Durchschnittsalter lag bei 9,3 Jahren. 72 Prozent der Kinder gaben eine weiße ethnische Herkunft an und 56 Prozent waren Mädchen. Die Teilnehmer stammten aus fünf Augenabteilungen von National Health Service-Krankenhäusern und akademischen Einrichtungen. Alle Kinder trugen Standardbrillen zur Korrektur ihrer Kurzsichtigkeit. Insgesamt erhielten 192 Kinder zwei Jahre lang täglich 0,01-prozentige Atropin-Augentropfen und 97 Kinder ein Placebo, zusätzlich zu ihrer Standardbrille. Alle sechs Monate wurde das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit, das Augenwachstum, die Sicherheit und die Verträglichkeit dokumentiert. Endgültige Ergebnisse lagen für 230 Kinder vor (151 für Atropin und 79 für Placebo). Niedrig dosiertes Atropin verzögert die Myopieprogression und senkt das Augenwachstum leicht Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, ethnischer Zugehörigkeit und einer familiären Vorbelastung durch Kurzsichtigkeit zeigte sich ein geringer Effekt der Atropin-Behandlung. Kinder, die Atropin-Augentropfen erhielten, wiesen im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine leicht verlangsamte Entwicklung der Kurzsichtigkeit und ein geringeres Augenwachstum auf. Konkret führte die Atropin-Behandlung im Vergleich zu Placebo zu einer durchschnittlichen Verringerung des Brechungsfehlers um 0,38 Dioptrien und der zentralen Achsenlänge um 0,14 mm – zwei Schlüsselparameter der Kurzsichtigkeit. Der Pupillendurchmesser war der einzige weitere Endpunkt mit einem nennenswerten Unterschied (0,36 mm größer in der Atropin-Gruppe). Es wurden keine Unterschiede bei der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen oder bei der Verträglichkeit festgestellt, wie zum Beispiel Augenbrennen, verschwommenes Sehen, Juckreiz oder Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Die Forscher räumen mehrere Einschränkungen der Studie ein, wie beispielsweise die Übertragbarkeit der Ergebnisse außerhalb einer klinischen Studienumgebung und den potenziellen Einfluss der Covid-19-Pandemie, die während des Studienzeitraums auftrat. Dennoch kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass Atropin-Augentropfen mit niedriger Konzentration eine lohnende Ergänzung zu den derzeit verfügbaren optischen Interventionen zur Behandlung von Kurzsichtigkeit bei Kindern im Vereinigten Königreich darstellt. (sas/BIERMANN)
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