Antikörper- und Hormontherapien: Bald Tabletten statt Spritzen?

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Gute Nachricht für Patienten, die auf Injektionen angewiesen sind: Forschende haben ein neues System entwickelt, das orale Therapien mit Antikörpern oder Wachstumshormonen ermöglichen könnte.

Während bereits viele Medikamente in Form von Tabletten eingenommen werden können, können Medikamente, die aus Proteinen bestehen – wie Antikörper, bestimmte Hormone und andere Peptide – nicht oral eingenommen werden, da sie im Magen verdaut würden. Dazu zählen Immuntherapien in der Krebsbehandlung, die Behandlung mit Wachstumshormonen, sowie das Diabetes- und Gewichtsmanagement.

Für diese Therapien sind Injektionen derzeit die einzige Möglichkeit, sie zu verabreichen. Das ist für Patienten oft unangenehm, schmerzhaft und unpraktisch. Nicht selten lassen sie deshalb manchmal Dosen aus, insbesondere wenn sie an chronischen Erkrankungen leiden.

Bakterieller Mechanismus nachgeahmt

Forschende der University of Bath, Großbritannien, haben unter der Leitung von Prof. Randy Mrsny einen Weg gefunden, wie Proteine durch die Darmwand in den Blutkreislauf transportiert werden können, womit die Medikamente auch oral eingenommen werden könnten.

Das neu entwickelte System ahmt einen natürlichen Mechanismus von Darmbakterien nach. Das Forschungsteam verknüpfte das Wirkstoffmolekül – in diesem Fall das menschliche Wachstumshormon – mit einem ungiftigen Trägermolekül, das aus dem Vibrio cholerae Bakterium gewonnen wurde, dem Erreger der Cholera. Dieses Trägermolekül bindet an einen Rezeptor auf der Oberfläche von Darmzellen und transportiert das Wirkstoffmolekül durch die Zellen. Anschließend wird das Medikament sicher in den Blutkreislauf freigesetzt.

Klinische Studien in Planung

Das System wurde bisher in Ratten getestet, wo konstant circa vier Prozent des Wirkstoffs in den Blutkreislauf abgegeben wurden. Deshalb arbeiten die Forschenden nun mit Pharmaunternehmen an der weiteren Optimierung. Erste Tests in Menschen könnten innerhalb von zwei Jahren beginnen.

„Dieser Mechanismus ist gut erforscht und wurde aus Prozessen im menschlichen Darm abgeleitet. Daher wissen wir, dass er bei Patienten funktionieren wird. Im Gegensatz zu früheren Systemen schädigt unsere Methode nicht das Epithel und kann eine große Bandbreite an Medikamenten abdecken, die derzeit nur injiziert werden können, wie Hormone und manche Krebsmedikamente. Damit könnte das Leben von Patienten, die sich derzeit täglich Medikamente spritzen müssen – wie zum Beispiel Kinder, die Wachstumshormone einnehmen müssen – potenziell verbessert werden“, fasst Mrsny abschließend zusammen.

(mkl/BIERMANN)