App zum Umgang mit chronischen Schmerzen: Ausgezeichnet mit dem Förderpreis für Schmerzforschung

Die „MyBrainCity“-App soll die Nachsorge von Kindern und Jugendlichen im Anschluss an eine stationäre Schmerztherapie verbessern. (Symbolfoto: ©Louis-Paul Photo)

Für die Entwicklung einer App-gestützten Nachbehandlung chronischer Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen wurde die Doktorandin Amelie Schmidt der Universität Witten/Herdecke mit dem Förderpreis für Schmerzforschung ausgezeichnet.

Schmidt erhielt den mit 7000 Euro dotierten Förderpreis für Schmerzforschung der Deutschen Schmerzgesellschaft in der Kategorie „Klinische Forschung“. Ausgezeichnet wurde ihre wissenschaftliche Publikation zur App-gestützten Nachbehandlung von Kindern und Jugendlichen mit schweren chronischen Schmerzen. Die Preisverleihung fand am 22. Oktober auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim statt. Schmidt promoviert in der Arbeitsgruppe von PD Dr. Julia Wager am Lehrstuhl für Kinderschmerztherapie und Pädiatrischer Palliativmedizin unter der Leitung von Prof. Boris Zernikow.

App unterstützt Kinder und Jugendliche bei Rückkehr in den Alltag

Mehr als 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Betroffene Kinder und Jugendlicher sind erheblich eingeschränkt. Viele können nur noch unregelmäßig die Schule besuchen, ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück oder leiden unter Schlafstörungen.

Am Deutschen Kinderschmerzzentrum der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln werden jährlich mehr als 300 junge Patientinnen und Patienten mit schweren chronischen Schmerzstörungen stationär behandelt. Nach der dreiwöchigen Therapie stehen die Betroffenen vor der Herausforderung, das Erlernte im Alltag anzuwenden. Hier setzt das Forschungsprojekt „Feed-bApp“ an: Schmidt untersuchte, wie eine App Kinder und ihre Eltern nach dem Klinikaufenthalt bei der Schmerzbewältigung unterstützen kann.

Persönliche Betreuung verbessert Behandlungsergebnisse

Im Rahmen des mit mehr als zwei Millionen Euro aus dem Innovationsfonds geförderten Projekts nutzten die Teilnehmenden die „MyBrainCity“-App über einen Zeitraum von sechs Monaten. Dabei erhielten sie unterschiedlich intensive Formen der Unterstützung – von einfachem Feedback und Tipps, bis hin zur aktiven Begleitung durch eine Schmerzpsychotherapeutin. Die Ergebnisse zeigen: Kinder und Jugendliche, die über die App von einer Schmerzpsychotherapeutin begleitet wurden, zeigten größere Verbesserungen ihrer Alltagsfunktionalität als diejenigen, die ausschließlich automatisierte Nachrichten erhielten.

Auch innerhalb der Gruppe derer, die von einer Schmerzpsychotherapeutin begleitet wurden, konnte Amelie Schmidt Unterschiede feststellen: „Nur Kinder, die regelmäßig und aktiv von der Therapeutin kontaktiert wurden, statt dass diese auf eine Kontaktaufnahme durch die Kinder wartete, zeigten auch Verbesserungen in den Bereichen Depressivität und Angst“, so Schmidt, „Die aktive Ansprache der Kinder ist entscheidend bei der Entwicklung einer Schmerz-App“.

App könnte Schmerztherapie ergänzen

Die Erkenntnisse können dazu beitragen, digitale Nachsorgeangebote für junge Schmerzpatienten gezielter zu entwickeln. „Digitale Anwendungen können die Versorgung sinnvoll ergänzen. Voraussetzung ist allerdings, dass ihre Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist“, betont Zernikow, Leiter des Forschungsprojekts.

An dem von der PedScience Vestische Forschungs-gGmbH geleiteten Projekt waren neben der UW/H und dem Deutschen Kinderschmerzzentrum die Krankenkassen Barmer und Techniker Krankenkasse sowie klinische Partner in Garmisch-Partenkirchen, Stuttgart und Augsburg beteiligt.