Armlähmung bei Kindern: Kliniken in Halle bündeln Expertise14. März 2024 Dr. Tobias Esser (l., BG Klinikum Bergmannstrost Halle) und Prof. Martin Kaiser (Universitätsmedizin Halle) kooperieren ab April in der Kinderchirurgie. (Foto: Universitätsmedizin Halle) Mediziner des BG Klinikums Bergmannstrost Halle, der Universitätsklinik und Poliklinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie sowie der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Halle bilden ab April 2024 ein hochspezialisiertes Team zur Behandlung der kindlichen Plexusparese. Bei Unfällen oder bei Geburten kann es vorkommen, dass Nerven, die die Bewegung des Arms steuern, verletzt werden und eine kindliche Plexusparese auftritt, die physiotherapeutisch oder chirurgisch behandelt werden muss. Facharzt Dr. Tobias Esser vom BG Klinikum Bergmannstrost Halle ist einer von wenigen Chirurgen in Deutschland, die über eine große Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen. Gemeinsam mit der Universitätsklinik und Poliklinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie sowie der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Halle bildet er ab April 2024 ein hochspezialisiertes Team. Damit ist das Universitätsklinikum Halle (Saale) eigenen Angaben zufolge die einzige Einrichtung in Mitteldeutschland mit dieser Expertise. „Als führende Einrichtung für Kinderchirurgie sind wir auf die komplette Diagnostik und Therapie von chirurgischen Erkrankungen und Unfallverletzungen im Kindesalter spezialisiert“, erklärt Prof. Martin Kaiser, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Halle. „Mit Herrn Esser konnten wir einen erfahrenen Spezialisten für die operative Behandlung der kindlichen Plexusparese gewinnen und das Profil der Kinder- und Jugendmedizin im südlichen Sachsen-Anhalt so zusätzlich schärfen.“ Ursachen der Armlähmung bei Kindern Eine Plexusparese kann bei Kindern auftreten, wenn der Plexus brachialis stark überdehnt wird. Dies kann bei schweren Unfällen, aber auch bei der Geburt passieren. Eine geburtstraumatische Schädigung der Nerven entsteht zum Beispiel, wenn sich die Schulter des Babys im Becken der Mutter verhakt (Schulterdystokie) und der Geburtsvorgang durch lebensrettende geburtshilfliche Techniken beschleunigt werden muss. In einigen Fällen kann bereits eine zielgerichtete Physiotherapie dazu beitragen, Armmuskulatur aufzubauen und den Tastsinn zu stärken. Tritt innerhalb der ersten drei bis sechs Lebensmonate keine Besserung ein, ist eine Operation notwendig. Geburtsbedingte Armlähmung: Sicher und schnell handeln „Bei Babys mit einer schweren geburtstraumatischen Plexusparese ist eine erfolgreiche Operation nur im ersten Lebensjahr möglich. Eine sichere Diagnose und schnelles Handeln sind hier essenziell“, betont Esser, Oberarzt in der Klinik für Plastische und Handchirurgie und Leiter der Plexus- und peripheren Nervenchirurgie im BG Klinikum Bergmannstrost Halle. Vor seinem beruflichen Wechsel nach Halle (Saale) war Esser viele Jahre in der größten Kinder-Plexus-Chirurgie Deutschlands tätig und führte sowohl als Erst- als auch als Zweitoperateur erfolgreich zahlreiche Plexus-Operationen bei Kindern und Erwachsenen durch. Ziel der operativen Eingriffe ist es, die Funktion des Armes bestmöglich wiederherzustellen. Dies gelingt zum Beispiel mithilfe der Rekonstruktion des Nervengeflechts. Hierbei werden defekte Teilstücke des Plexus brachialis entfernt und durch Nerven aus dem Bein ersetzt. Möglich ist auch die Verlagerung eines intakten Nervs, um die Funktion eines gelähmten Nervs wiederherzustellen (Neurotisation). Im Anschluss an die Operationen sind zudem physio- und ergotherapeutische Behandlungen oder das Tragen einer Schiene erforderlich. „Das neu gebildete Team aus Herrn Esser, der Kinderchirurgie und der Neurochirurgie entwickelt für jeden unserer Patienten mit kindlicher Plexusparese einen individuellen Therapieplan – evidenzbasiert und kindgerecht. Dabei stehen wir stets in engem Austausch mit den Zu- und Angehörigen und beraten und begleiten diese vertrauensvoll und fachkundig mit unseren Kollegen aus der Neuropädiatrie und der Kinderintensivmedizin der Universitätsmedizin Halle“, betont Kaiser.
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