Armut und Lungenkrebs bei Asthmapatienten: Zusammenhänge bei Frauen stärker ausgeprägt

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In einer Kohortenstudie, die in Schweden durchgeführt wurde, hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern eine möglicherweise entscheidende soziale Determinante für die Lungenkrebsinzidenz und -mortalität bei Asthmapatienten identifiziert: das Leben in ärmeren Wohngegenden .

Dabei, so betonen die Wissenschaftler um Erstautor Juan Cao von der School of Public Health der Ningxia Medical University in China, variierten die Auswirkungen je nach Alter, Geschlecht und histologischem Subtyp des Lungenkarzinoms. Die Forschenden schlagen im Journal „Respiratory Research“ vor, dass bei gezielten Interventionen in sozioökonomisch benachteiligten Wohngebieten der Schwerpunkt auf Hochrisikogruppen gelegt werden könne. Auch Personen mit niedrigem Bildungsstand sowie Menschen mit einer begleitenden Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung könnten dabei besonders berücksichtigt werden.

Ausgewertet wurden Daten zu 596.215 Asthmatikern im Alter von mindestens 25 Jahren, die im Zeitraum 1997–2018 in Schweden lebten. Die Wissenschaftler wendeten eine Cox-Regressionsanalyse (Proportional-Hazards-Modell) an, um die Hazard Ratios (HRs) und 95%-Konfidenzintervall (KIs) für die Lungenkrebsinzidenz und -mortalität in Abhängigkeit von der sozioökonomischen Benachteiligung im Wohnumfeld zu berechnen. Alle Modelle wurden nach Geschlecht stratifiziert und um individuelle Merkmale – darunter Alter, Bildungsstand, sozioökonomische Faktoren und Komorbiditäten – bereinigt.

Assoziation mit Inzidenz und Mortalität nachgewiesen

Die Auswertung ergab, dass ein von sozioökonomischer Benachteiligung geprägtes Wohnumfeld bei Patienten mit Asthma sowohl mit der Lungenkrebsinzidenz als auch mit der Mortalität aufgrund von Lungenkrebs assoziiert war. Dabei spielten individuelle Merkmale keine Rolle. In den vollständig bereinigten Modellen wiesen Personen, die in ärmeren Wohngebieten lebten, im Vergleich zu Personen in weniger benachteiligten Gebieten ein signifikant höheres Risiko für Lungenkrebs (HR 1,37) und damit assoziierte Mortalität auf (HR 1,40) auf. Die Wissenschaftler stellten dabei auch fest, dass diese Zusammenhänge bei Frauen stärker ausgeprägt waren.

Analysen nach histologischen Subtypen ergaben unterschiedliche Muster: Eine starke Benachteiligung im Wohnumfeld war mit einem erhöhten Risiko für Adenokarzinome (HR 1,19) und Großzellige Karzinome (HR 1,58) verbunden, während für Plattenepithelkarzinome (HR 1,75) und Kleinzellige Karzinome (HR 1,65) sowohl in mäßig als auch in stark benachteiligten Wohngebieten ein erhöhtes Risiko zu beobachten war.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie die sozioökonomische Benachteiligung im Wohnumfeld als potenziell entscheidende soziale Determinante für Lungenkrebs bei Patienten mit Asthma identifiziert“, schreiben die Autoren abschließend. Bei Public-Health-Strategien sollte ihrer Meinung nach der Schwerpunkt auf Programme zur Raucherentwöhnung, ein optimiertes Asthma-Management sowie eine gerechte Ressourcenverteilung in benachteiligten Wohngebieten liegen. „Geschlechtsspezifische und subtypspezifische Interventionen sowie politische Maßnahmen, die sich gegen Ungleichheiten in puncto Bildung richten, könnten die Lungenkrebslast in dieser vulnerablen Bevölkerungsgruppe weiter verringern“, mutmaßen die Wissenschaftler. Die Forschung sollte sich in Zukunft mit der Untersuchung und Evaluierung gezielter Interventionen für Hochrisiko-Untergruppen beschäftigen.

(ac/BIERMANN)