Männer leben in allen Bundesländern länger, Frauen nicht überall

Die Lebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab. Zwei davon sind das Geschlecht und der Wohnort. Foto: Hyejin Kang – stock.adobe.com

Neue Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigen: Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter – allerdings nicht überall gleichermaßen. Bei Männern nahm sie 2025 in allen Bundesländern zu. Bei Frauen fiel der Anstieg geringer aus, einige Länder verzeichneten sogar Rückgänge.

Durch den Anstieg der Lebenserwartung im Jahr 2025 liegen bei den Männern nun erstmals alle Bundesländer über dem Vorpandemieniveau von 2019. Die süddeutschen Länder Baden-Württemberg und Bayern sind weiterhin in Führung, während Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Werte verzeichnen. Bei den Frauen bilden Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern die Spitze, die niedrigsten Werte treten im Saarland und in Bremen auf. Einen besonders starken Rückgang verzeichnete Thüringen, wo die Lebenserwartung bei den Frauen um ein halbes Jahr zurückging. Insgesamt liegen bei den Frauen noch sieben Bundesländer unter dem Vorpandemieniveau.

Einen besonderen Meilenstein hat Bayern 2025 erreicht: Es kommt bei den Männern auf eine Lebenserwartung von 80,0 Jahren. Damit ist es nach Baden-Württemberg (80,6 Jahre) das zweite Bundesland, das die 80-Jahre-Marke überschreiten konnte. Bei den Frauen ist es wiederum Baden-Württemberg, das als führendes Bundesland auf die Marke von 85 Jahren zustrebt.

Regionale Unterschiede ändern sich nur langsam

„Die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands bleiben weitgehend bestehen“, sagt Dr. Michael Mühlichen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB. „Der Abstand zwischen den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung beträgt 2025 bei Männern etwa 3,9 Jahre und bei Frauen rund 2,6 Jahre.“ Gegenüber 2024 haben sich die Abstände leicht vergrößert. Die kleinste Lücke zwischen den Geschlechtern hat das Saarland mit 3,7 Jahren, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 3,9 Jahren. Deutlich größer ist der Unterschied in den ostdeutschen Bundesländern, wo Männer fast überall mehr als fünf Jahre kürzer leben als Frauen. Die größte Differenz zwischen den Geschlechtern weist dabei Mecklenburg-Vorpommern mit 6,4 Jahren auf.

Der Faktor Tabakkonsum

Eine der möglichen Erklärungen für die unterschiedlichen Entwicklungen bei Männern und Frauen sehen die Wissenschaftler im Tabakkonsum. „Die Auswirkungen des Tabakkonsums auf die Lebenserwartung entwickeln sich bei Männern und Frauen zeitlich sowie regional unterschiedlich“, sagt Dr. Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität am BiB. „Unter Männern war starkes Rauchen im 20. Jahrhundert sehr viel weiter verbreitet als unter Frauen, mit erheblichen Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Der Tabakkonsum ebbte bei Männern aber schon vor mehreren Jahrzehnten ab, so dass die negativen Folgen bereits zurückgehen.“ Bei Frauen breitete sich das Rauchen erst ab etwa 1970 aus, weshalb die damit verbundenen negativen Folgen aktuell noch zunehmen.

(ms/BIERMANN)

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