ASCO 2026: Neues Regime für HNSCC senkt Kosten und Nebenwirkungen

In Indien sind Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC) die zweithäufigste Krebsart insgesamt und die häufigste Krebsart bei Männern −oft bedingt durch eine Tabakexposition. Bild: ©Rawpixel.com Generiert mit KI – stock.adobe.com

Die Ergebnisse einer neuen Studie aus Indien zeigen, dass eine dreifache orale metronomische Chemotherapie in Kombination mit einer ultra-niedrig dosierten Immuntherapie (TMC-I) einigen Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC) helfen kann, länger zu leben – und dies bei weniger Nebenwirkungen sowie zu geringeren Kosten als mit Standardbehandlungen.

Dies ist insbesondere für Patienten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen von großer Bedeutung, die möglicherweise keinen Zugang zu Standardtherapien haben. Die Forschungsergebnisse wurden auf der Jahrestagung 2026 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt, die vom 29. Mai bis 2. Juni in Chicago stattgefunden hat.

Standardtherapien für Menschen in ärmeren Ländern oft zu teuer

„Obwohl für Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Tumoren wirksame Behandlungen wie Immuntherapien und Cetuximab existieren, bleiben diese für die meisten Patienten aufgrund der hohen Kosten und der Toxizität unzugänglich. Diese Studie belegt, dass ein kostengünstiges und gut verträgliches Behandlungsschema das Überleben signifikant verbessern kann – was es für die onkologische Praxis weltweit äußerst relevant macht“, erklärte der leitende Studienautor Dr. Minit Jalan Shah vom Tata Memorial Centre in Mumbai, Indien.

In Indien werden jährlich fast 150.000 neue Fälle von HNSCC diagnostiziert; damit ist diese Erkrankung dort die zweithäufigste Krebsart insgesamt und die häufigste Krebsart bei Männern. Die derzeitige Standardbehandlung für fortgeschrittene HNSCC umfasst eine platinbasierte Chemotherapie in Kombination mit einer Immuntherapie (wie Pembrolizumab) oder einer zielgerichteten Therapie (wie Cetuximab). Obwohl diese Behandlungen wirksam sind, sind sie kostspielig und in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen häufig nicht zugänglich.

TMC-I ist deutlich kosteneffizienter als die derzeitige Standardbehandlung für fortgeschrittene HNSCC. In US-Dollar gerechnet kann die Standardbehandlung (in Indien) mehr als 1000 Dollar pro Monat kosten, während das untersuchte Regime TMC-I etwa 230 Dollar pro Monat kostet. TMC-I ist eine Kombination aus Methotrexat, Celecoxib, Erlotinib und Nivolumab in einer ultraniedrigen Dosis.

An dieser klinischen Phase-III-Studie aus Indien nahmen 422 Patienten mit einem platinsensitiven, fortgeschrittenen HNSCC teil, die mit palliativer Zielsetzung behandelt wurden. Unter den Teilnehmern – von denen die meisten männlich waren (85,5%) und die ein medianes Alter von 49,5 Jahren aufwiesen – hatten etwa 87 Prozent eine Tabakexposition, einen häufigen Risikofaktor für HNSCC; 76,3 Prozent litten an einem Karzinom der Mundhöhle; 25,6 Prozent wiesen eine metastasierte Erkrankung auf; und etwa 31 Prozent hatten einen ECOG-Performance-Status von 2.

Zusammen repräsentieren diese Merkmale eine Hochrisikogruppe von Patienten, die typischerweise an einer aggressiveren Form der Krebserkrankung leiden. Diese Teilnehmer wurden randomisiert, um entweder eine platinbasierte Chemotherapie mit Paclitaxel und Carboplatin (211 Teilnehmer) oder TMC-I zu erhalten (211 Teilnehmer).

Bessere Wirksamkeit bei weniger Toxizität

Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug in der TMC-I-Gruppe 10,3 Monate gegenüber 6,2 Monaten in der Chemotherapie-Gruppe. Insgesamt hatten die Teilnehmer der TMC-I-Gruppe ein um 43 Prozent geringeres Sterberisiko.

Nach einem Jahr war die OS-Rate in der TMC-I-Gruppe doppelt so hoch wie in der Chemotherapie-Gruppe (46% vs. 23%). Der Überlebensvorteil durch TMC-I zeigte sich konsistent über alle Subgruppen hinweg; ein noch größerer Nutzen wurde bei Patienten mit Mundhöhlenkarzinom sowie bei solchen beobachtet, die aktuell Tabak konsumierten oder dies in der Vergangenheit getan hatten.

Die TMC-I-Gruppe verzeichnete höhere Werte bei folgenden Parametern:

  • Gesamtansprechrate von 53,4 vs. 24,1 Prozent in der Chemotherapie-Gruppe.
  • mediane Ansprechdauer (DoR) von 11 Monaten vs. 3,6 Monate in der Chemotherapie-Gruppe. Nach einem Jahr lagen die DoR-Raten bei 44,5 bzw. 11,6 Prozent. Die Teilnehmer der TMC-I-Gruppe hatten ein um 68 Prozent geringeres Risiko, dass die Krebserkrankung nach einem initialen Therapieansprechen erneut fortschreitet.
  • medianes progressionsfreies Überleben von 5,5 Monaten vs. 2,7 Monate in der Chemotherapie-Gruppe.

Die Teilnehmer der TMC-I-Gruppe hatten ein um 53 Prozent geringeres Risiko für Progression oder Tod. Außerdem verzeichneten Patienten in der TMC-I-Gruppe weniger schwerwiegende Nebenwirkungen: Bei 37,1 Prozent der Teilnehmer traten unerwünschte Ereignisse des Grades 3 oder höher auf – im Vergleich zu 47,5 Prozent in der Chemotherapie-Gruppe. Die häufigsten Nebenwirkungen in der Chemotherapie-Gruppe waren hämatologischer Natur, während in der TMC-I-Gruppe erhöhte Leberenzyme (8,9% der Teilnehmer), erhöhte Bilirubin-Werte (4,5%) und Hautausschlag (8,4%) am häufigsten auftraten.

Nächste Schritte

Die Forscher planen, Kombinationsstrategien zu evaluieren, die sowohl eine intravenöse Chemotherapie als auch TMC-I umfassen; zudem streben sie die Identifizierung genomischer und molekularer Prädiktoren für das Therapieansprechen an, um eine personalisierte Behandlung zu ermöglichen. Des Weiteren planen sie die Erforschung von Strategien zur Behandlungsadaption – einschließlich der Intensivierung oder Deeskalation der Medikation auf der Grundlage des Therapieansprechens sowie der Ergebnisse von Liquid Biopsies – und wollen diesen Ansatz auch in früheren Krankheitsstadien untersuchen.

„Diese Studie ist insofern von Bedeutung, als dass sie eine potenzielle Therapieoption für Patienten in ressourcenbeschränkten Regionen der Welt darstellt – einschließlich Indien, wo die Forschung durchgeführt wurde. Das mediane OS verbesserte sich in dem Studienarm, der eine dreifache orale metronomische Chemotherapie in Kombination mit einer ultra-niedrig dosierten Immuntherapie erhielt, im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie. Allerdings wäre das hier gewählte Vergleichsschema in den USA keine standardmäßige Erstlinienoption, und das OS liegt unter den Werten, die wir bei den in den USA üblichen Standard-Erstlinienmedikamenten beobachten“, ordnete Dr. Glenn J. Hanna ein, Direktor des Center for Cancer Therapeutic Innovation am Dana-Farber Cancer Institute und ASCO-Experte für Kopf-Hals-Tumore. Diese Studie wurde vom Tata Memorial Centre Research Administration Council, der Nuclear Power Corporation of India Limited sowie von Mankind Pharmaceuticals finanziert.

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