Neue Biomarker-Kombination könnte Metastasierungsrisiko bei Brustkrebs vorhersagen

Symbolbild Brustkrebszellen © Supithcha Mani/stock.adobe.com

Das Metastasierungsrisiko bei Brustkrebs lässt sich möglicherweise anhand des Zusammenspiels zweier Gene besser einschätzen. Eine neue Studie zeigt, dass die Kombination aus SUCLA2 und USP10 mit dem fernmetastasenfreien Überleben zusammenhängt und dabei auch die Behandlungssituation eine Rolle spielt.

Forschende identifizierten eine bislang wenig beachtete Wechselwirkung zwischen den Genen SUCLA2 und USP10, die mit dem metastasenfreien Überleben von Patientinnen mit Brustkrebs zusammenhing. Dabei zeigte sich zudem, dass die prognostische Bedeutung dieser Genkombination davon abhing, ob die Patientinnen behandelt worden waren.

Geninteraktion mit prognostischer Bedeutung

Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Fortschritte bei Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, endokriner und zielgerichteter Therapie haben die Überlebenschancen deutlich verbessert. Die Entwicklung von Fernmetastasen bleibt jedoch die wichtigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle. Biomarker, mit denen sich Patientinnen mit einem besonders hohen Metastasierungsrisiko identifizieren lassen, könnten daher dazu beitragen, Therapien individueller auszurichten.

Frühere Untersuchungen hatten bereits darauf hingedeutet, dass SUCLA2, ein Enzym des mitochondrialen Energiestoffwechsels, und USP10, ein an verschiedenen krebsrelevanten Signalwegen beteiligtes Deubiquitinierungsenzym, jeweils die Tumorprogression beeinflussen könnten. Ob das Zusammenspiel beider Gene für die Prognose von Patientinnen mit Brustkrebs relevant ist, war bislang jedoch unklar.

Für ihre Untersuchung analysierten die Forschenden Genexpressions- und klinische Daten aus vier unabhängigen Brustkrebs-Kohorten, für die Angaben zum fernmetastasenfreien Überleben vorlagen. Statt die beiden Gene einzeln zu betrachten, teilten sie die Patientinnen anhand ihrer kombinierten SUCLA2- und USP10-Expression ein.

SUCLA2 und USP10 gemeinsam aussagekräftiger

Dabei zeigte sich, dass Patientinnen mit niedriger SUCLA2- und gleichzeitig hoher USP10-Expression ein deutlich schlechteres fernmetastasenfreies Überleben aufwiesen, wenn sie keine Behandlung erhalten hatten. Bei behandelten Patientinnen war dieser Zusammenhang dagegen nicht mehr erkennbar. Für die einzelnen Gene allein ließ sich über die vier unabhängigen Kohorten hinweg kein vergleichbar konsistenter Zusammenhang mit dem klinischen Verlauf feststellen.

Die Ergebnisse sprechen damit dafür, dass die Interaktion zwischen SUCLA2 und USP10 prognostische Informationen liefern könnte, die bei einer isolierten Betrachtung einzelner Biomarker verloren gehen.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass molekulare Wechselwirkungen aussagekräftigere Biomarker liefern können als die Messung einzelner Gene“, so die Forschenden. „Die Berücksichtigung von Geninteraktionen könnte die Risikostratifizierung verbessern und fundiertere, personalisierte Behandlungsentscheidungen unterstützen.“

Möglicher Ansatzpunkt für weitere Forschung

Die Studie wirft zudem die Frage auf, ob die SUCLA2-USP10-Interaktion selbst einen bislang unbekannten therapeutischen Angriffspunkt darstellen könnte. Ob sich daraus tatsächlich neue Behandlungsstrategien zur Verhinderung von Metastasen ableiten lassen, müssen jedoch weitere biologische und klinische Untersuchungen zeigen.

Die molekularen Mechanismen hinter dem beobachteten Zusammenhang sind bislang ebenfalls nicht geklärt. Nach Ansicht der Autoren unterstreichen die Ergebnisse jedoch den möglichen Nutzen eines systemischen Ansatzes, bei dem nicht nur einzelne Gene, sondern deren Wechselwirkungen untersucht werden.

Eine solche Betrachtungsweise könnte künftig dazu beitragen, Patientinnengruppen zu identifizieren, die trotz ähnlicher klinischer Merkmale unterschiedlich auf die Behandlung ansprechen.

(lj/BIERMANN)