Assoziation von COVID-19 und Lungenkrebsrisiko: Enzym als Bindeglied?22. April 2026 SARS-CoV-2 und Lunge. (Abbildung: mod/stock.adobe.com) Neue Forschungsergebnisse deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen COVID-19 und einem erhöhten Lungenkrebsrisiko hin. Diesen betrachten die verantwortlichen Wissenschaftler als durch biologische Mechanismen in der Lunge bedingt. Die entsprechende Studie ist kürzlich in „Frontiers in Immunology“ veröffentlicht worden. Darin verknüpfen Wissenschaftler von der Joan C. Edwards School of Medicine der Marshall University (USA) und der Hebrew University Jerusalem (Israel) klinische Daten von Patienten mit mechanistischen Untersuchungen an Tier- und Zellmodellen, um besser zu verstehen, wie SARS-CoV-2 zu langfristigen Lungenerkrankungen beitragen kann. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass COVID-19 mehr als nur akute Erkrankungen auslöst – es kann auch biologische Bedingungen in der Lunge schaffen, die langfristig zu einem erhöhten Krebsrisiko beitragen könnten“, erklärt Dr. Wei Li, Professor für Biomedizinische Wissenschaften an der Joan C. Edwards School of Medicine und einer der korrespondierenden Autoren der Studie. „Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend für die weitere Erforschung der langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen des Virus.“ Mögliche Interaktion von TYMP mit Spike-Protein In der Studie identifizierten deren Autoren die Thymidinphosphorylase (TYMP) als Schlüsselfaktor. Dieses Protein interagiert möglicherweise mit dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 und fördert so Entzündungen, Fibrose und Tumor-assoziierte Signalwege in der Lunge. Die Forschenden stellten fest, dass diese Interaktion Prozesse aktivieren kann, die mit dem Krebswachstum in Verbindung stehen, und die Immunumgebung der Lunge so verändern kann, dass die Tumorentstehung begünstigt wird. Anhand eines umfangreichen klinischen Datensatzes des TriNetX-Forschungsnetzwerks beobachtete das Forschungsteam zudem eine höhere Lungenkrebsrate bei Patienten mit einer COVID-19-Vorgeschichte, insbesondere bei aktuellen und ehemaligen Rauchern. Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Forschung erforderlich ist, um diesen Zusammenhang und dessen langfristige Auswirkungen besser zu verstehen „Dank der Zusammenarbeit von Grundlagenforschern, Vertretern der translationalen Forschung und Klinikern konnten Mechanismen identifiziert werden, die den epidemiologischen Befunden zugrunde liegen, welche eine COVID-19-Erkrankung mit einem potenziell erhöhten Lungenkrebsrisiko in Verbindung bringen“, betont Dr. David Gozal, Dekan der Joan C. Edwards School of Medicine an der Marshall University und in beratender Funktion an der Studie beteiligt. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten darstellen, die sich mit dem langfristigen Krebsrisiko und der Identifizierung potenzieller Angriffspunkte für Prävention und Behandlung befassen. (ac)
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