Dyspnoe und körperliche Intimität: Atemnot verringert Zufriedenheit mit dem Sexualleben22. April 2026 Foto: WavebreakmediaMicro/stock.adobe.com Chronische Dyspnoe beeinträchtigt alle Lebensbereiche – auch das Sexualleben. Betroffene berichten von einer deutlich geringeren Zufriedenheit damit. Ein internationales Forscherteam hat in einer Befragung von mehr als 10.000 erwachsenen Australiern herausgefunden, dass die oft unterschätzte chronische Atemnot nicht nur den körperlichen Zustand beeinträchtigt, sondern auch die Freude an körperlicher Intimität mindert. Chronische Atemnot: Ein zu selten thematisiertes Problem Laut Studienleiter Prof. David Currow, aktuell tätig an der University of Wollongong und assoziiert mit der Flinders Ageing Alliance, ist bis zu einer von 100 Australiern aufgrund chronischer Dyspnoe ans Haus gebunden oder hat aufgrund von Kurzatmigkeit Probleme beim An- und Auskleiden. Je nach Schätzung ist davon auszugehen, dass zwischen vier und zehn Prozent der Bevölkerung in Ländern mit hohem Einkommen an chronischer Atemnot leiden. In ressourcenärmeren Ländern geht man von höheren Raten aus. Betroffen sind rund 25 Prozent der Bevölkerung mittleren Alters, wobei die Raten in der älteren Bevölkerung steigen. Dennoch werde die Bedeutung der chronischen Dyspnoe nicht ausreichend thematisiert, heißt es in einer Mitteilung der Flinders University anlässlich der Veröffentlichung der neuen Studie.„Dies ist ein gravierendes Problem, da chronische Atemnot weitgehend unsichtbar bleibt, selbst für enge Familienangehörige“, erläutert Currow. „Betroffene verzichten auf viele alltägliche Dinge, um die Dyspnoe zu vermeiden, und ihr Aktionsradius schrumpft.“ Bei neun Prozent war Dyspnoe schon einmal Grund für sexuelle Beeinträchtigungen Die Forschenden aus Australien, Schweden und den untersuchten den Zusammenhang zwischen Dyspnoe und der subjektiv empfundenen Zufriedenheit mit dem Sexualleben. Dabei erforschten sie vermittelnde Faktoren in diesem Zusammenhang. Laut der bevölkerungsbasierten Online-Umfrage unter mehr als 10.033 australischen Erwachsenen (52% Frauen, Durchschnittsalter 45 Jahre), waren 42 Prozent mit ihrem Sexualleben insgesamt sehr unzufrieden. Neun Prozent aller Befragten berichteten, dass Atemnot schon einmal ihr Sexualleben beeinträchtigt habe. Menschen mit chronischer Dyspnoe gaben eineinhalb Mal häufiger an, mit ihrem Sexualleben unzufrieden zu sein – selbst nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index. Studienleiter David Currow (Foto: Flinders University) „Mit zunehmendem Schweregrad der Atemnot steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das gesamte Sexualleben einer Person negativ beeinflusst wird“, erklärt Currow. „Die hohe Prävalenz von Unzufriedenheit mit dem Sexualleben und den wahrgenommenen Auswirkungen bei Menschen mit chronischer Atemnot deckt sich mit der hohen Rate an sexueller Unzufriedenheit und den Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit, die von Menschen mit Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, Asthma und geringerer körperlicher Fitness berichtet werden.“ Probleme früh identifizieren und Maßnahmen ergreifen Die frühzeitige Identifizierung von Problemen im Bereich der sexuellen Gesundheit und damit verbundenen psychischen Belastungen ermögliche rechtzeitige Interventionen, merken die Forschenden an. Dazu zählten Beratung, Lungenrehabilitationsmaßnahmen und praktische Strategien im Zusammenhang mit körperlicher Intimität. „Das Zusammenspiel zwischen der subjektiv empfundenen Zufriedenheit mit dem Sexualleben und einer Reihe sozialer und gesundheitlicher Faktoren ist komplex“, betont Currow. „Eine Vielzahl von Faktoren kann die Zufriedenheit mit dem Sexualleben beeinflussen – wie hormonelle, physische, physiologische und psychosoziale Einflüsse –, die bei Menschen mit chronischer Atemnot beeinträchtigt sein können.“ Die Studie weist laut den Autoren außerdem auf einen indirekten Zusammenhang zwischen Atemnot und Wahrnehmungen im Zusammenhang mit dem Sexualleben insgesamt hin. Dieser wird den Wissenschaftlern zufolge möglicherweise durch das emotionale Befinden vermittelt. Weder für das körperliche noch für das soziale Befinden wurde ein solcher Zusammenhang festgestellt. (ac)
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