Asthma: Mykobiom im Darm könnte ein Schlüssel zur Therapie sein1. Juli 2026 Darstellung Darmmikrobiom mit Pilzkomponente. (Abbildung/KI-generiert: Nazal/stock.adobe.com) Bestimmte Pilzarten im Darm scheinen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Fehlregulationen des Immunsystems und einigen allergischen Erkrankungen im Kindesalter zu spielen. Dies könnte Ansatzpunkte für neue Therapien bieten. Das zeigen zwei neue, gleichzeitig in der Fachzeitschrift „Nature: The Clinical Microbiome“ veröffentlichte Studien. Dr. Stuart Turvey und sein Team am BC Children’s Hospital Research Institute (BCCHR) analysierte Daten der CHILD-Kohortenstudie. Die Untersuchung zeigte, dass Pilze aussagekräftige Marker für die mikrobielle Entwicklung in der frühen Kindheit sind und darauf hinweisen können, ob ein Kind bis zum Alter von fünf Jahren Erkrankungen wie atopische Dermatitis oder Lebensmittelallergien entwickeln wird. „Hunderte Millionen Kinder weltweit sind von allergischen Erkrankungen betroffen, und die Zahl steigt“, unterstreicht Turvey, Professor für Pädiatrie an der University of British Columbia (Kanada). „Ein besseres Verständnis der Ursachen dieser Erkrankungen und der Möglichkeiten zu ihrer Vorbeugung wäre für Kinder auf der ganzen Welt von enormem Nutzen.“ Verschiedene Pilze, verschiedene Besiedlungsmuster Die Wissenschaftler identifizierten auf der Grundlage einer großen Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen Pilzarten und Fehlregulationen des Immunsystems. Durch die Analyse von 2256 Proben von 1409 Teilnehmenden, die diesen in ihrem ersten Lebensjahr entnommen worden, stellte das Team Folgendes fest: Verschiedene Pilzarten weisen unterschiedliche Besiedlungsmuster auf. Zu den wichtigsten Akteuren bei der Entwicklung des Mykobioms im Darm von Säuglingen gehörten die Saccharomycetaceae, deren Anteil im ersten Lebensjahr stetig zunahm, während für Malassezia der gegenteilige Trend beobachtet wurde. Zudem fand das Team heraus, dass unterschiedliche Häufigkeiten bestimmter Pilzarten mit verschiedenen immunologischen Erkrankungen in Zusammenhang standen. So war Malassezia beispielsweise häufiger bei Säuglingen nachzuweisen, die später eine atopische Dermatitis entwickelten. Auswirkung von Antibiotika auf bestimmte Hefepilzarten Parallel dazu wurde in derselben Ausgabe von „Nature: The Clinical Microbiome“ eine Arbeit von Seniorautorin Dr. Marie-Claire Arrieta und ihrem Team vom Snyder Institute for Chronic Diseases sowie dem Alberta Children’s Hospital Research Institute der University of Calgary veröffentlicht. Ihre Untersuchung ergab, dass die Einnahme von Antibiotika im Säuglingsalter direkte Auswirkungen auf bestimmte Hefepilzarten haben kann, was wiederum zu Fehlregulationen des Immunsystems und allergischem Asthma führt. Arrieta und ihr Team untersuchten in einer prospektiven klinischen Studie an Säuglingen unter sechs Monaten direkt, wie sich Antibiotika auf das Mykobiom auswirken. Die Antibiotikabehandlung führte zu einer Zunahme bestimmter Pilzarten, insbesondere von Malassezia. In anschließenden Untersuchungen an Mäusen zeigte das Team, dass die Besiedlung mit diesem Pilz zu verstärkten allergischen Entzündungsreaktionen der Immunzellen im Darm und in den Atemwegen führte. „Diese Ergebnisse decken einen bislang unbekannten Zusammenhang zwischen der Antibiotikaexposition im frühen Leben und dem Risiko für allergische Erkrankungen auf“, erläutert Arieta. „Sie zeigen zudem, wie das sich entwickelnde Immunsystem in einem kritischen Entwicklungsfenster durch Pilze im Darmmikrobiom geprägt wird.“ Sie ergänzt: „Antibiotika sind bei Kleinkindern unverzichtbar, wenn sie medizinisch notwendig sind. Unsere Studie belegt jedoch, dass sie eine bisher übersehene Auswirkung auf das Darmmykobiom haben: Sie begünstigen die Ausbreitung von Arten wie Malassezia und beeinflussen so direkt die Immunfunktion.“ Die beiden Studien unterstreichen die ökologische und immunologische Bedeutung von Malassezia früh im Leben und machen das Mykobiom von Säuglingen zu einem vielversprechenden Ansatzpunkt für Therapien, die Fehlregulationen des Immunsystems sowie allergische Erkrankungen im Kindesalter verhindern könnten.
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