Atherothrombotisches Krankheitsrisiko: Langfristige Effekte von Zuckerersatzstoff

© Eightshot Images – stock.adobe.com (Symbolbild)

Künstliche Süßstoffe sind weit verbreitete Zuckerersatzstoffe. Die meisten von ihnen können von körpereigenen Enzymen nicht gespalten werden und haben deswegen einen nur sehr geringen oder gar keinen Kaloriengehalt. Noch ist recht wenig darüber bekannt, ob Zuckerersatzstoffe langfristige Effekte auf das Risiko kardiometabolischer Erkrankungen haben könnten.

Wissenschaftler aus Cleveland, USA, untersuchten nun den häufig verwendeten Zuckeraustauschstoff Erythritol (Erythrit), einen linearen Polyalkohol, und dessen mögliche Auswirkungen auf das atherothrombotische Krankheitsrisiko.

In primären Metabolomics­Studien an Patienten, die sich einer kardialen Risikobewertung unterzogen (n=1157; Entdeckungskohorte), korrelierten zirkulierende Konzentrationen mehrerer Polyol-Süßstoffe, insbesondere von Erythrit, mit dem Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE; einschließlich Tod oder nichttödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall).

Nachfolgende gezielte Metabolom-Analysen in unabhängigen US-amerikanischen (n=2149) und europäischen (n=833) Validierungskohorten stabiler Patienten, die sich einer elektiven kardiologischen Untersuchung unterzogen, bestätigten diese Assoziation bei den US-amerikanischen (adjustierte HR [aHR] des 4. vs. 1. Quartil 1,80; 95%-KI 1,18–2,77) bzw. den europäischen Probanden (aHR 2,21; 95%-KI 1,20–4,07).

In physiologischen Mengen erhöhte Erythritol die Thrombozyten-Reaktivität in vitro und die Thrombosebildung in vivo. In einer prospektiven Pilotinterventionsstudie führte Erythrit bei gesunden Probanden (n=8) zu einem deutlichen und anhaltenden (>2 Tage) Anstieg der Erythrit-Plasmaspiegel, der weit über den Schwellenwerten lag, die mit einer erhöhten Thrombozyten-Reaktivität und einem erhöhten Thrombosepotenzial in vitro und in vivo korrelierte.

Fazit
Dieses Resultate zeigen, dass ein Verzehr von Erythrit sowohl mit einem erhöhten MACE-Risiko assoziiert ist als auch Thrombosen begünstigt. Weiterführende Studien zur exakten Bewertung der langfristigen Sicherheit von Erythrit sind daher erforderlich. (je)

Autoren: Witkowski M et al.
Korrespondenz: Stanley L. Hazen; [email protected]
Studie: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk
Quelle: Nat Med 2023;29(3):710–718.
Web: https://doi.org/10.1038/s41591-023-02223-9