Retinitis pigmentosa: Ein-Jahres-Überleben von aus Stammzellen gewonnenen neuralen Vorläuferzellen gezeigt20. Juli 2026 Retinitis pigmentosa.(Symbolbild.)Bild:©Dr_Microbe-stock.adobe.com Neue klinische Daten zeigen, dass transplantierte neurale Vorläuferzellen bei Retinitis pigmentosa mindestens ein Jahr überleben und ein günstiges Sicherheitsprofil aufweisen. Retinitis pigmentosa ist eine Gruppe erblicher Netzhauterkrankungen, die zu einem fortschreitenden Sehverlust führen. Derzeit gibt es für die meisten Patienten keine Behandlung. Da Tausende verschiedener genetischer Mutationen die Erkrankung verursachen können, bleibt die Entwicklung mutationsspezifischer Gentherapien eine Herausforderung. Zellbasierte Therapien bieten das Potenzial für einen genunabhängigen Ansatz, von dem eine breitere Patientengruppe profitieren könnte. Auf der diesjährigen International Society for Stem Cell Research (ISSCR) wurden nun neue, bisher unveröffentlichte klinische Daten vorgestellt, die belegen, dass transplantierte menschliche neurale Vorläuferzellen bei Patienten mit Retinitis pigmentosa nach einer subretinalen Transplantation mindestens ein Jahr lang überlebten und dabei ein günstiges Sicherheitsprofil aufwiesen. Einmalige subretinale Injektion von CNS10-NPC – transplantierte Zellen blieben ein Jahr im subretinalen Raum vorhanden Die vom California Institute for Regenerative Medicine (CIRM) finanzierte klinische Phase-1/2a-Studie untersuchte die Sicherheit und Durchführbarkeit einer einmaligen subretinalen Injektion von CNS10-NPC. Dieses aus der fetalen Großhirnrinde gewonnene Produkt aus menschlichen neuralen Vorläuferzellen wurde 13 Patienten mit Retinitis pigmentosa appliziert. Die Teilnehmer erhielten entweder 300.000 oder 1.000.000 Zellen und wurden zwölf Monate lang nachbeobachtet. Anschließend wurden die Probanden in ein langfristiges Nachbeobachtungsprotokoll aufgenommen. Die Sehschärfe blieb während der gesamten Studie stabil. Bildgebungsuntersuchungen mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) zeigten, dass die transplantierten Zellen mindestens ein Jahr lang im subretinalen Raum vorhanden blieben. Zu den zellbedingten unerwünschten Ereignissen zählten drei epiretinale Membranen und eine persistierende subretinale Blase. Insgesamt kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Behandlung gut vertragen wurde und zu einer langfristigen Zellverpflanzung führte. Meilenstein für die Entwicklung stammzellbasierter Therapien bei Retinitis pigmentosa „Diese Studie ist der erste Nachweis für das langfristige Überleben von aus fötalem Gewebe gewonnenen neuralen Vorläuferzellen bei Patienten mit Retinitis pigmentosa bei gleichzeitig günstigem Sicherheitsprofil“, erklärte Dr. Clive Svendsen vom Cedars-Sinai Board of Governors Regenerative Medicine Institute, USA, und Sponsor des Projekts. „Die langfristige Einlagerung ist ein entscheidender Meilenstein für die Entwicklung stammzellbasierter Therapien bei Netzhauterkrankungen und bildet eine wichtige Grundlage für zukünftige Studien.“ Im Gegensatz zu Gentherapien, die auf einzelne Mutationen abzielen, sei die Transplantation neuraler Vorläuferzellen als mutationsunabhängige Strategie konzipiert. Präklinische Studien haben gezeigt, dass CNS10-NPC in Tiermodellen durch die Verringerung von Entzündungen und die Freisetzung starker Wachstumsfaktoren die Photorezeptoren und das Sehvermögen erhält. Ziel: Sehvermögen so lange wie möglich erhalten Retinitis pigmentosa schreitet langsam fort. Weshalb die Forschenden im ersten Jahr der Studie keine Veränderungen des Sehvermögens erwarteten. Dennoch beobachteten sie die Teilnehmer weiter, um festzustellen, ob das langfristige Überleben der transplantierten Zellen dazu beitragen kann, das Sehvermögen im behandelten Auge über einen längeren Zeitraum zu erhalten. „Unser Ziel ist es, den Patienten dabei zu helfen, ihr Sehvermögen so lange wie möglich zu erhalten“, betonte Liao, der klinische Leiter des Projekts. „Die nächste entscheidende Frage ist, ob diese überlebenden Zellen, die bei Retinitis pigmentosa auftretende fortschreitende Verschlechterung verlangsamen können.“ Svendsen stellte während der Präsentation außerdem Daten zu einem aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) gewonnenen neuralen Vorläuferprodukt vor. Ein iPS-Zell-basierter Ansatz könnte eine besser skalierbare Therapie ermöglichen. So könnten zukünftig wesentlich mehr Patienten behandelt werden, während gleichzeitig ethische Bedenken im Zusammenhang mit fetalen Gewebequellen vermieden würden. (sas/BIERMANN)
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