Atlas der European Society of Cardiology (ESC): Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern aufgezeigt12. April 2018 © Gina Sanders – fotolia.com Die European Heart Agency hat für die ESC einen Atlas zusammengestellt, um Statistiken zu kardiovaskulären Erkrankungen der 56 ESC-Mitgliedsländer zu dokumentieren. Die Atlas Writing Group um Prof. Adam Timmis von der Queen Mary University identifizierte wichtige Unterschiede bei kardiovaskulären (CVD) Risikofaktoren, Krankheitsinzidenz und Mortalität zwischen ESC-Mitgliedsländern mit hohem und mittlerem Einkommen. Sowohl für Frauen als auch für Männer lag die altersstandardisierte Prävalenz von Hypertonie in Ländern mit hohem Einkommen niedriger (18 % bzw. 27 %), verglichen mit Ländern mit mittlerem Einkommen (24 % bzw. 30 %). Die Prävalenz des Rauchens bei Männern (nicht aber Frauen) war ebenfalls niedriger (26 % vs. 41%). Zusammen tragen diese Unterschiede vermutlich zur höheren CVD-Mortalität in Ländern mit mittlerem Einkommen bei. Hingegen haben Abnahmen der CVD-Mortalität in einigen Ländern mit hohem Einkommen dazu geführt, dass Krebs zur häufigeren Todesursache wird. In Ländern mit mittlerem Einkommen waren die Abnahmen der CVD-Mortalität hingegen weniger konsistent, weshalb CVD die führende Todesursache bleiben. Unterschiede bei der CVD-Mortalität wurden durch den kleineren Beitrag betont, den sie bei potenziell verlorenen Lebensjahren in Ländern mit hohem Einkommen verglichen mit jenen mit mittlerem Einkommen machen, sowohl bei Frauen (13 % vs. 23 %) als auch bei Männern (20 % vs. 27 %). Wie die Gruppe weiter ausführt, könnten die sinkenden Trends bei der CVD-Mortalität jedoch durch die sich abzeichnende Adipositas-Epidemie und die damit steigenden Diabetesraten in allen ESC-Mitgliedsländern gefährdet sein. Survey-Daten der nationalen Herzgesellschaften zeigen, dass die Raten von Herzkathetern und koronaren Bypassoperationen – wie auch die Zahl darauf spezialisierter Zentren – in den ESC-Mitgliedsländern mit hohem Einkommen am höchsten waren. Der Atlas bestätigt auch, dass ESC-Mitgliedsländer, in denen die Einrichtungen zur modernen Behandlung der koronaren Herzkrankheit am besten entwickelt sind, oft jene sind, in denen die koronare Mortalität am stärksten abgenommen hat. Ökonomische Ressourcen waren aber nicht allein für eine faire kardiovaskuläre Versorgung ausschlaggebend: Einige ESC-Mitgliedsländer mit mittlerem Einkommen gaben Raten interventioneller Eingriffe und von Geräteimplantationen an, die Raten reicherer Mitgliedsstaaten gleichkamen oder sie überstiegen. Fazit Bei der Dokumentation der nationalen CVD-Statistiken liefert der Atlas wertvolle Einblicke in die Ungleichheiten in Bezug auf Risikofaktoren, Gesundheitsversorgung und Ergebnisse der CVD in den Mitgliedsländern der ESC. Autoren: Atlas Writing Group Korrespondenz: [email protected] Studie: European Society of Cardiology: Cardiovascular Disease Statistics 2017 Quelle: Eur Heart J 2018;39(7):508–579. Web: dx.doi.org/10.1093/eurheartj/ehx628
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