ROP: Dexamethason-Augentropfen könnten das Fortschreiten verlangsamen

Symbolbild eines Frühgeborenen auf der neonatologischen Intensivstation.Bild:©Olga Ко-stock.adobe.com

Eine randomisierte klinische Studie hat gezeigt, dass Dexamethason-Augentropfen das Fortschreiten einer Frühgeborenen-Retinopathie (ROP) bei extrem frühgeborenen Kindern verlangsamen kann.

Bei einer ROP vom Typ 1 ist eine Behandlung indiziert, etwa mittels Laserphotokoagulation oder intravitrealer VEGF-Hemmung, um eine Erblindung zu verhindern. Experimentelle Daten und begrenzte klinische Erfahrungen hätten aber darauf hingedeutet, dass topisch angewendete Steroide das Fortschreiten der Erkrankung und die Notwendigkeit invasiver Behandlungen verringern könnten. Das schreiben die Studienautoren um Prof. Ann Hellström vom Sahlgrenska-Zentrum für Pädiatrische Ophthalmologie der Universität Göteborg, Schweden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „JAMA Pediatrics“ veröffentlicht.

Untersucht wurden 100 extrem frühgeborene Kinder

Die multizentrische DROPROP-Studie schloss 100 Kinder, die vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren worden waren, ein. Das mittlere Gestationsalter lag bei 25,1 Wochen. Die Frühgeborenen hatten eine schwere, aber noch nicht behandlungsbedürftige ROP und erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder Dexamethason-Augentropfen oder ein Placebo.

Bei 20 Prozent der mit Dexamethason behandelten Kinder entwickelte sich eine behandlungsbedürftige ROP vom Typ 1, verglichen mit 38 Prozent in der Placebogruppe (aOR 0,44; 95%-KI 0,17-1,12; p = 0,08). Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion um 47 Prozent. Der Unterschied erreichte keine statistische Signifikanz. Die Autoren sehen darin aber einen relevanten klinischen Effekt.

„Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend, da die Behandlung einfach, kostengünstig und nicht invasiv ist. Bei einem erheblichen Anteil der Kinder konnten wir die Notwendigkeit von Laserbehandlungen und Injektionen ins Auge bei diesen sehr vulnerablen Frühgeborenen reduzieren“, so Hellström.

Nicht mehr Nebenwirkungen als Placebo

Die Kinder wurden engmaschig auf potenzielle Nebenwirkungen überwacht. Zwischen den Gruppen zeigte sich jedoch kein klinisch relevanter Unterschied hinsichtlich der Komplikationen. Auch fanden sich keine eindeutigen Hinweise auf schwerwiegende hormonelle oder metabolische Nebenwirkungen. Es ist geplant, die Kinder langfristig nachzubeobachten, um die Entwicklung des Sehvermögens und mögliche Spätfolgen der Behandlung zu untersuchen.

„Weltweit besteht ein großer Bedarf an einfacheren Behandlungsmöglichkeiten für ROP, insbesondere in Regionen, in denen der Zugang zu spezialisierter medizinischer Versorgung begrenzt ist. Wenn Augentropfen eine schwere ROP verhindern können, könnte dies das Sehvermögen vieler Kinder auf der ganzen Welt retten“, erklärt Hellström.

(nec/BIERMANN)