Atopische Dermatitis: Einsatz von Emollienten und topischen Kortikosteroiden1. September 2020 ©Aleksej – stock.adobe.com Trotz jahrzehntelangen Gebrauchs sind tatsächlicher Einsatz und verwendete Mengen topischer Kortikosteroide (TKS) und Emollientien gegen mittelschwere bis schwere Atopische Dermatitis (AD) unter realen Bedingungen bislang unbekannt. Wie verbreitet ein inadäquater Gebrauch dieser Stoffe ist, sei somit ungeklärt, so die Autoren einer aktuellen Studie; anhand ihrer Arbeit wollen sie die Anwendung von TKS und Emollientien bei AD quantifizieren. Hierzu bedienten sie sich prospektiver Aufzeichnungen doppel-blinder Verschreibungen an Punkten der Abgabe von Arzneimitteln innerhalb eines Einzugsgebietes von etwa 450.000 Einwohnern, die über einen Zeitrahmen von 31 Jahren angelegt wurden. Die populationsbasierte Kohorte war dadurch gekennzeichnet, dass die Krankheitskontrolle im Rahmen der Primärversorgung (n = 844) versagte. Für jeden Patienten wurden die Verschreibungen über 12 Monate dokumentiert, um Wechsel und Schwankungen zu minimieren. Dieser Ansatz erbrachte einen annähernd kompletten Datensatz, der grundsätzlich frei von Verzerrungen bezüglich Angaben und Dokumentationen ist.Atopische Komorbiditäten deckten sich mit der erwarteten Häufigkeit ihres Auftretens. Der durchschnittliche Gebrauch von TKS war bei jugendlichen Patienten (< 16 Jahre) statistisch signifikant höher als bei erwachsenen Patienten (49,2 vs. 38,1 g pro Monat). Männliche AD-Patienten verbrauchen mehr TKS als weibliche (46,8 vs. 29,7 g). Auch bei Personen, die ein parallel auftretendes Asthma aufweisen, ist der Einsatz von TKS höher als bei Menschen ohne Asthma (40,4 vs. 26,7 g pro Monat). Der Gebrauch der TKS wies eine starke Assoziation mit der Anwendung von Antidepressiva auf. Die Anwendung von Emollientien fiel unerwartet niedrig aus: Median lag diese bei 9,6 g pro Tag (1,4–30,1). Die Resultate wurden anhand einer unabhängigen Kohorte validiert.Der defizitäre Einsatz von Emollientien kann als ein Faktor gelten, der zum Schweregrad der AD beiträgt, schlussfolgern die Autoren. Der tatsächliche Gebrauch der Emollientien ist nach Berechnung der Autoren 4-mal niedriger als in aktuellen Leitlinien empfohlen. Werden Emollienten nicht in ausreichendem Maße aufgetragen, könne dies zu einer signifikanten Verschlechterung des Krankheitsbildes beitragen. Die Anwendung von TKS hingegen übersteigt nicht die Empfehlungen gegenwärtiger Leitlinien. (am)Studie: Quantitative analysis of topical treatments in atopic dermatitis: unexpectedly low use of emollients and strong correlation of topical corticosteroid use both with depression and concurrent asthmaQuelle: Br J Dermatol 2020 Apr;182(4):1017–1025.Web: dx.doi.org/10.1111/bjd.18265
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