Auf der Suche nach Zielstrukturen in der Niere30. November 2020 Anna Köttgen erforscht die genetischen Grundlagen von Nierenerkrankungen. Foto: Universitätsklinikum Freiburg In dem neu bewilligten Sonderforschungsbereich (SFB) 1453 „Nephrogenetik (NephGen)” unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg suchen Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen anhand genetischer Informationen nach Mechanismen für Nierenerkrankungen. Weltweit stellen Nierenerkrankungen ein enormes Gesundheitsproblem dar. Etwa jede*r zehnte Erwachsene leidet unter einer chronischen Nierenerkrankung. Bei Nierenversagen sind eine regelmäßige Dialyse oder sogar ein Spenderorgan die einzige Behandlungsmöglichkeit. Hinzu kommen Menschen mit Krebserkrankungen der Niere. „Mit NephGen möchten wir anhand genetischer Nierenkrankheiten geeignete Zielstrukturen in den Nierenzellen identifizieren, um so die Suche nach passenden pharmazeutischen Wirkstoffkandidaten zu ermöglichen. Wir hoffen, dass wir dadurch die Behandlung und Prävention von Nierenerkrankungen langfristig verbessern können“, sagt Prof. Anna Köttgen, Direktorin des Instituts für Genetische Epidemiologie am Universitätsklinikum Freiburg. Ein wesentlicher Grund für die bislang schlechte ursächliche Therapierbarkeit von Nierenerkrankungen ist, dass die zugrundeliegenden Mechanismen sowie die molekularen Wirkorte und -prinzipien für potenzielle neue Medikamente noch nicht ausreichend bekannt sind. Pharmakologische Stoffe können an Zielmolekülen ansetzen, welche mit genetischen Erkrankungen des Menschen in Verbindung stehen. „Solche Stoffe sind in der klinischen Entwicklung doppelt so erfolgreich wie Stoffe, deren Zielmoleküle keine Verbindung zu genetischen Erkrankungen haben“, erklärt Köttgen. NephGen wird deshalb basierend auf erblichen Nierenerkrankungen Zielmoleküle auswählen, die im Folgenden charakterisiert und im Hinblick auf ihr therapeutisches Potenzial überprüft werden. Zu diesem Zweck haben die Beteiligten bereits große Patient*innen- und Populationsstudien aufgebaut und zahlreiche molekularbiologische Untersuchungen sowie Methoden zur Analyse der sehr großen und komplexen Datenmengen etabliert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Bewilligung des neuen SFB am 26. November 2020 bekannt gegeben. NephGen erhält für die kommenden vier Jahre 13,5 Millionen Euro. Neben der Universität und dem Universitätsklinikum Freiburg ist die Charité – Universitätsmedizin Berlin an dem Projekt beteiligt. (Universitätsklinikum Freiburg / ms)
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