ESC 2026 Außerklinischer Herzstillstand: Was bringt die Smartphone-basierte Ersthelfenden-Alarmierung in städtischen Gebieten?7. September 2026 In städtischen Gebieten mit kurzen Anfahrtswegen für Rettungskräfte verbessert die Smartphone-basierte Ersthelfenden-Alarmierung die kurzfristige Überlebensrate nach außerklinischem Herzstillstand möglicherweise nicht. (Symbolfoto: ©pixelaway/stock.adobe.com) Verbessert der Einsatz von Ersthelfenden aus der Bevölkerung die Überlebenschancen nach einem außerklinischen Herzstillstand? Die auf dem ESC 2026 präsentierten Resultate der HeartRunner-Studie kommen zu einem überraschenden Ergebnis. Ein außerklinischer Herzstillstand ist ein zeitkritischer Notfall, bei dem das Überleben von der raschen Erkennung, der schnellen Initiierung einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und einer frühzeitigen Defibrillation abhängt. Viele Länder haben Smartphone-basierte Systeme entwickelt, mit denen ehrenamtliche Ersthelfer mobilisiert werden, um vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes eine HLW und Defibrillation durchzuführen. Laut den im Rahmen einer „Hot Line“-Sitzung auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC 2026) in München vorgestellten Ergebnisse der HeartRunner-Studie konnte die Smartphone-basierte Ersthelfenden-Alarmierung die 30-Tage-Überlebensrate bei Patienten mit einem außerklinischen Herzstillstand in einer urbanen Region nicht verbessern. In ländlichen Gebieten mit längeren Anfahrtswegen für Rettungskräfte könnte das anders aussehen, meinen die Studienautoren. Randomisierte Studie vergleicht Alarmierung von Ersthelfenden mit Standardmaßnahmen „Obwohl Ersthelfer aus der Bevölkerung immer weiter verbreitet sind, liegen uns bislang nur Beobachtungsstudien vor, die ihren Einsatz stützen“, erläuterte der leitende Forscher Prof. Fredrik Folke vom Universitätsklinikum Kopenhagen (Dänemark) den Hintergrund der HeartRunner-Studie. „Wir haben eine randomisierte Studie durchgeführt, um erstens die Auswirkungen von Ersthelfern aus der Bevölkerung auf die Patientenergebnisse zu bewerten und zweitens die Frage zu beantworten, ob der Einsatz von ungeschulten Freiwilligen sicher ist.“ In der HeartRunner-Studie wurden Notrufe wegen eines vermuteten Herzstillstands außerhalb des Krankenhauses in der Hauptstadtregion Dänemarks im Verhältnis 1:1 randomisiert: Entweder mit Alarmierung von Ersthelfern aus der Bevölkerung plus Standardmaßnahmen oder nur mit Standardmaßnahmen. Insgesamt wurden 2060 vermutete Herzstillstände in zwei Schichten analysiert, basierend auf der geschätzten Zeit von der Alarmierung der Ersthelfer aus der Bevölkerung bis zum Eintreffen am Patientenort: weniger als drei Minuten (0–358 Meter Entfernung) und drei bis neun Minuten (360–1080 Meter Entfernung). Die Details zum Studienaufbau erschienen kürzlich im Fachmagazin „Resuscitation Plus“. Reanimations- und Defibrillationsraten steigen, aber 30-Tage-Überlebensrate unverändert Die Forscher stellten fest, dass der primäre Endpunkt – die 30-Tage-Überlebensrate – unabhängig davon war, ob Ersthelfenden vor Ort waren oder nicht. Bei einer geschätzten Ankunftszeit der Rettungskräfte von weniger als drei Minuten betrug die 30-Tage-Überlebensrate bei Patienten mit Alarmierung von Ersthelfenden aus der Bevölkerung 15 Prozent gegenüber 17 Prozent ohne Alarmierung von Ersthelfenden aus der Bevölkerung (p=0,42). Wenn die geschätzte Ankunftszeit der Ersthelfenden drei bis neun Minuten betrug, lag die 30-Tage-Überlebensrate bei Patienten, bei denen Ersthelfende aus der Bevölkerung alarmiert wurden, bei 13 Prozent gegenüber 14 Prozent bei Patienten ohne Ersthelfenden-Alarmierung (p=0,43). Allerdings führte die Aktivierung von Ersthelfenden aus der Bevölkerung zu einem signifikanten Anstieg der HLW durch Umstehende und verdoppelte die Defibrillationsrate durch Umstehende. Betrug die geschätzte Ankunftszeit der Rettungskräfte beispielsweise drei bis neun Minuten, stieg die HLW durch Umstehende von 75 Prozent auf 86 Prozent (p<0,0001) und die Defibrillationsrate durch Umstehende von sechs Prozent auf 14 Prozent (p<0,0001). Die Wiederherstellung des spontanen Kreislaufs und die Überlebensrate mit günstigem neurologischem Ergebnis waren in beiden Gruppen ähnlich. Weitere Studien in Regionen mit längeren Rettungswagen-Anfahrtszeiten erforderlich Auf die Frage, warum er die primären Ergebnisse als neutral einschätzte, erklärte Folke: „Die Studie wurde in einem Gebiet durchgeführt, in dem die Anfahrtszeiten der Rettungswagen sehr kurz waren, etwa sieben Minuten.“ Er fuhr fort: „Wichtig ist, dass die Studie gezeigt hat, dass Ersthelfer-Systeme in der Bevölkerung die HLW und Defibrillation durch Umstehende zwar deutlich verbessern können, ihr Einfluss auf die Überlebensrate jedoch stark davon abhängt, wie viel Zeit den Ersthelfenden vor dem Eintreffen des Rettungswagens für ihr Eingreifen zur Verfügung steht. Ist dieses Zeitfenster kurz, ist der zusätzliche Nutzen einer von Ersthelfenden eingeleiteten Defibrillation möglicherweise begrenzt. Es wäre interessant, ihre Auswirkungen in Regionen mit längeren Anfahrtszeiten der Rettungswagen, einschließlich ländlicher Gebiete, zu untersuchen.“ (ah/BIERMANN)
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