Auszeichnung für Münchner Alzheimer-Forscher

Prof. Christian Haass (Foto: LMU)

Der Münchner Biochemiker und Alzheimer-Forscher Prof. Christian Haass erhält den diesjährigen, mit 60.000 Euro dotierten “Hartwig Piepenbrock-DZNE Preis”. Die Auszeichnung wird gemeinsam von der Piepenbrock Unternehmensgruppe und dem DZNE verliehen.

„Christian Haass zählt weltweit zu den führenden Experten für die molekularen Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung“, sagte Prof. Pierluigi Nicotera, Vorstandsvorsitzender des DZNE. „Ihm verdanken wir wegweisende Erkenntnisse über Eiweißstoffe und Immunreaktionen, die an Alzheimer beteiligt sind. Damit hat Christian Haass die Grundlagen für neue Ansätze in der Therapie und Diagnose geschaffen. Er hat die Alzheimer-Forschung in den vergangenen 30 Jahren maßgeblich geprägt und tut dies bis heute.“

„Mit diesem Preis wollen wir einerseits herausragende Forscherpersönlichkeiten ehren und anderseits helfen, Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen aus der Tabuzone in die öffentliche Diskussion zu holen“, sagte Olaf Piepenbrock, Geschäftsführender Gesellschafter der Piepenbrock Unternehmensgruppe. „Viele Patienten mit Alzheimer scheuen sich davor, über ihre Erkrankung zu sprechen, denn sie haben Sorge vor gesellschaftlicher Ausgrenzung. Wir möchten sowohl für mehr Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Alzheimer als auch für bessere Therapien sorgen. Auch die Bedürfnisse der Angehörigen sollten stärker thematisiert werden. Denn meist schultern sie zu einem erheblichen Teil die tägliche Pflege und Versorgung.“

Hintergrundinformation über den Preisträger

Anfang der 1990er-Jahre begann Haass sich mit dem Eiweißstoff Amyloid-Beta-Peptid zu befassen und konnte in der Folgezeit entgegen der damaligen Auffassung nachweisen, dass das Amyloid nicht notwendigerweise Bestandteil krankhafter Prozesse ist, sondern auch im gesunden Gehirn vorkommt. Heute wird daher angenommen, dass bei einer Alzheimer-Erkrankung die Produktion oder der Abbau dieses Proteins gestört ist.

In der Tat fand Haass später heraus, wie genetische Mutationen, die mit seltenen und früh auftretenden Formen der Alzheimer-Erkrankung einhergehen, eine Überproduktion von Amyloid verursachen. Infolgedessen kommt es zur Anhäufung dieses Eiweißstoffes im Gehirn und zur Entstehung der charakteristischen Plaques. Haass‘ Forschung lieferte wichtige Erkenntnisse darüber, wie das Amyloid unter der Wirkung von Sekretasen aus dem Amyloid-Vorläuferprotein hervorgeht. Seine Arbeiten und die weiterer Wissenschaftler führten letztlich zur Formulierung der „Amyloid-Kaskadenhypothese“.

In jüngsten Jahren dehnte Haass seine Forschung auf weitere Aspekte der Alzheimer-Erkrankung aus und untersuchte die Rolle der Immunzellen des Gehirns: der „Mikroglia“. Er stellte fest, dass vor allem im frühen Krankheitsstadium das TREM2-Protein die Mikroglia dazu veranlasst, Ablagerungen von Amyloid zu beseitigen. Haass entwickelte daraufhin ein neuartiges Therapie-Konzept: Per Einwirkung auf TREM2 zielt dieses Konzept darauf, den Abbau von Amyloid-Aggregaten durch die Mikroglia zu fördern. Dieser Ansatz wird inzwischen in Kooperation mit Industriepartnern erforscht. Des Weiteren fand Haass heraus, dass die Konzentration von TREM2 im Nervenwasser zunimmt, wenn die Mikroglia aktiviert werden. Insofern könnte TREM2 als Biomarker dienen und dazu beitragen, Alzheimer bereits im Frühstadium und noch vor dem Auftreten von Demenzsymptomen zu erkennen.

Für seine Forschung wurde Christian Haass schon mehrfach geehrt – unter anderem mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und zuletzt 2018 mit dem Brain Prize, der weltweit bedeutendsten Auszeichnung für Hirnforschung.