AWMF: Gute Gesundheitsversorgung durch Digitalisierung qualitätsgesicherten Leitlinienwissens fördern10. Mai 2022 Foto: © MQ-Illustrations/stock.adobe.com Wie im Rahmen der Delegiertenkonferenz der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) am vergangenen Wochenende diskutiert, sollen in einem Projekt der AWMF Leitlinien digitalisiert werden, um das dort enthaltene Wissen für sämtliche digitale Anwendungen und unterschiedliche Leistungsbereiche im Gesundheitssystem zielgerechter verfügbar zu machen. „Damit Ärztinnen und Ärzte zusammen mit den betroffenen Personen informierte Entscheidungen treffen können, ist es wichtig, dass die evidenzbasierten Informationen aus den Leitlinien am Ort der Behandlung, dem sogenannten „Point of Care“, verfügbar sind“, erläuterte Prof. Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF. Um dies sicherzustellen, arbeitet die AWMF derzeit intensiv an der Digitalisierung des Leitlinienregisters. Das gesammelte medizinische Wissen der Leitlinien nutzen heute schon zahlreiche Stellen und Akteure im Gesundheitssystem – beispielsweise im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten, bei der Bereitstellung von Gesundheitsinformationen für die Bürgerinnen und Bürger oder der Zulassung von neuen Medikamenten. „Für die Zukunft kommt es darauf an, Leitlinienwissen für die einzelnen Anwendungsbereiche einfacher zugänglich zu machen. Dazu wollen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen und die Daten interoperabel machen, also über Systemgrenzen hinweg nutzbar“, erläuterte Professor Dr. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi). Das schaffe auch die Voraussetzung dafür, dass digitale Gesundheitsanwendungen Daten direkt aus den Leitlinien ziehen und integrieren können. Die AWMF hat den Ausbau eines digitalen Leitlinienregisters im Rahmen von Forschungsprojekten vorbereitet und den Start selbst finanziert. Für den vollständigen Ausbau des Leitlinienregisters, das den Anforderungen der Fachgesellschaften entspricht, strebt die AWMF jedoch eine unabhängige Förderung an. „Die digitale und interoperable Verfügbarkeit medizinischen Wissens trägt unmittelbar dazu bei, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Das liegt im Interesse der gesamten Gesellschaft. Umso wichtiger ist eine solide, unabhängige Finanzierung, die vom Gesundheitssystem getragen wird“, erläuterte Treede. Die Umsetzung müsse natürlich begleitend beforscht werden. Die AWMF hat dazu dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) einen Themenschwerpunkt zur Förderung vorgeschlagen. Dass die digitale Verfügbarkeit medizinischen Wissens viele Chancen bietet, die medizinische Versorgung kontinuierlich zu verbessern und neue Therapien zu entwickeln, weiß auch Dr. Stefanie Weber vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die digitale Aufbereitung von Daten aus vielen unterschiedlichen Quellen und deren Kombination mit Kenntnissen aus klinischen Studien und dem Leitlinienwissen, bietet eine große Chance, die Patientensicherheit in Zukunft weiter zu verbessern“, erläuterte Weber bei der AWMF-Delegiertenkonferenz. Eine wichtige Voraussetzung, dass diese Daten miteinander kombiniert werden können, sind einheitliche Terminologien. „So können Daten automatisch verarbeitet und über die Sektorengrenzen hinweg beispielsweise gezielt nach Mustern sowie Informationen durchsucht werden“, so die Expertin. Das BfArM arbeitet derzeit an entsprechenden Systemen und kooperiert dabei auch mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um die Entwicklung weltweit voranzutreiben.
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