AWMF legt Empfehlungen zur Zusammenarbeit von Medizin und Industrie vor

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Studien, Leitlinien, Kongresse: Medizinisch-wissenschaftlicher Fortschritt und Diskurs finden häufig im Austausch mit der Industrie statt. Bei ihrem aktuellen Berliner Forum am 18. Mai 2017 macht die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) zum zweiten Mal in Folge die Kooperation von forschenden Unternehmen und wissenschaftlicher Medizin zum Thema. Bei diesem Treffen stehen die Empfehlungen der AWMF im Umgang mit Interessenkonflikten im Mittelpunkt. Die Ergebnisse stellt sie bei einer Pressekonferenz am 19. Mai in Berlin vor.

„Die Kooperation zwischen wissenschaftlicher Medizin und Industrie ist unverzichtbar für den medizinischen Fortschritt, doch es muss exakt definiert sein, wie diese Kooperation erfolgen kann, damit sekundäre Interessen nicht die primären Interessen überlagern“, betont Professor Dr. med. Rolf Kreienberg, Präsident der AWMF. Primäres Interesse muss immer das Wohl des Patienten und die Verbesserung seiner Versorgung sein. Das gilt für Studien ebenso wie für die Ausarbeitung von Leitlinien oder die Ausrichtung von Kongressen und Tagungen. Sekundäre – beispielsweise wirtschaftliche – Interessen dürfen dieses oberste Ziel nicht beeinträchtigen. Das ist bei der Zusammenarbeit zwischen gemeinnützigen Fachgesellschaften und wirtschaftlich orientierten Unternehmen der Pharma- und Medizinprodukteindustrie besonders zu beachten. Klare Regeln sind daher bei der Entwicklung von Leitlinien, der Ausrichtung von Fachkongressen oder Studien notwendig. Für diese Bereiche hat die AWMF jetzt ihre 2010 erstmals erstellten Empfehlungen aktualisiert. Darin beschreibt sie, wie mit den „Interessen“ umzugehen ist, die potenziell geeignet sind, die eigene Urteilskraft und Unabhängigkeit zu beeinflussen. Eine wichtige Gegenmaßnahme ist, dass wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften ebenso wie die Industrie Kooperationen offenlegen und darüber Bericht erstatten. Dafür hat die AWMF ein strukturiertes Vorgehen entwickelt, das alle Beteiligten übernehmen können. Alleingänge der Industrie lehnt die AWMF ab.

Sowohl für die Dokumentation von Sekundärinteressen bei Studien und Leitlinien als auch für die Zusammenarbeit auf Kongressen und Tagungen legt die AWMF jetzt Vorlagen, ein einheitliches Deklarationsformat, vor. „Nur durch ein einheitliches Format, das alle anwenden können, lässt sich verlässlich Transparenz schaffen“, betont Professor Dr. med. Claudia Spies, die gemeinsam mit Dr. jur. Albrecht Wienke die Ad hoc-Kommission der AWMF zu diesem Thema leitet. So sollten bei Kongressen und Tagungen sowohl die veranstaltende Fachgesellschaft als auch die Industrie deklarieren, welche Geld- oder Sachspenden, Sponsoringkosten, Honorare, Tagungs- oder Teilnehmergebühren von wem an wen und in welcher Höhe gezahlt werden. Zahlungen an die für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung beauftragten Professional Congress Organizer (PCO) sollen ebenfalls ausgewiesen werden.

Die AWMF weist außerdem darauf hin, dass Interessenkonflikte nicht nur in der Zusammenarbeit mit der Industrie entstehen können. Auch die Anforderungen von Universitäten an Wissenschaftler erzeugen zum Teil sekundäre Interessen, wenn es darum geht, Drittmittel einzuwerben oder in impact-starken Fachzeitschriften zu publizieren, um die wissenschaftliche Karriere voranzutreiben.

Was die AWMF Wissenschaft, Fachgesellschaften und Industrie empfiehlt, um aus der Kooperation mit der Industrie keine Interessenkonflikte entstehen zu lassen, diskutiert sie am 18. Mai mit allen Beteiligten bei ihrem „Berliner Forum“. Ihre Empfehlungen stellt sie am nächsten Tag der Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz vor.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.