Frühe hormonelle Veränderungen beeinflussen psychische Symptome geschlechtsspezifisch23. Juli 2026 Symbolbild © Praewphan/stock.adobe.com Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen haben Daten einer Langzeitstudie ausgewertet und gezeigt, dass frühe hormonelle Veränderungen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren mit der Entwicklung psychischer Symptome zusammenhängen können – und zwar geschlechtsspezifisch. Die Studie wurde kürzlich in „Translational Psychiatry“ veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die sogenannte Adrenarche, eine frühe Phase der pubertären Entwicklung, in der die Nebennieren verstärkt Androgene wie Dehydroepiandrosteron (DHEA) produzieren. Dieses Hormon gilt als wichtiger biologischer Marker für beginnende Reifungsprozesse, die unter anderem die Gehirnentwicklung, Emotionsregulation und Stressverarbeitung beeinflussen können. Bisher war jedoch unklar, ob diese frühen hormonellen Veränderungen langfristig mit psychischen Auffälligkeiten im Jugendalter zusammenhängen. Grund genug für Franka Weisner, dieses Thema als Doktorandin im BIOME Core „Sex and Gender Sensitive Medicine“ am Institut für Geschlechtersensible Medizin (IGSM) genauer unter die Lupe zu nehmen. Aufbau der Studie Die Forschenden nutzten Daten aus der groß angelegten Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study mit insgesamt bis zu 11.696 Teilnehmenden. Dabei wurden DHEA-Spiegel im Speichel im frühen Jugendalter erhoben und über mehrere Jahre hinweg mit der Entwicklung psychischer Symptome verglichen, die mithilfe standardisierter Fragebögen zur Verhaltensbeurteilung (Child Behavior Checklist) erfasst wurden. Geschlechtsspezifisches Muster erkennbar „Unsere Ergebnisse zeigen ein deutlich geschlechtsspezifisches Muster: Bei Jungen gingen höhere DHEA-Werte im frühen Jugendalter mit weniger psychischen Symptomen im weiteren Verlauf einher“, erklärt Dr. Lars Dinkelbach, Letztautor der Studie und Clinician Scientist an der Klinik für Kinderheilkunde II und dem IGSM. Dies betraf sowohl externalisierende Probleme wie aggressives oder impulsives Verhalten als auch internalisierende Symptome wie Angst oder depressive Verstimmungen, stabil über mehrere Nachbeobachtungszeitpunkte hinweg. Bei Mädchen hingegen konnten keine signifikanten Zusammenhänge zwischen DHEA-Spiegeln und späteren psychischen Symptomen festgestellt werden. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass frühe hormonelle Prozesse während der Adrenarche eine wichtige Rolle für die psychische Entwicklung spielen könnten, jedoch in geschlechtsspezifischer Weise. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Hormone dabei nicht isoliert wirken, sondern wahrscheinlich in komplexer Wechselwirkung mit sozialen, psychologischen und Umweltfaktoren stehen. „Unsere Studie legt nahe, dass die Adrenarche als sensibles Entwicklungsfenster für die Entstehung psychischer Gesundheit stärker in den Blick genommen werden sollte“, erklärt Prof. Anke Hinney, Leiterin des Instituts für Geschlechtersensible Medizin.
Mehr erfahren zu: "Resilienz: Besondere Rolle von Sehzentrum und Vorderhirn aufgezeigt" Resilienz: Besondere Rolle von Sehzentrum und Vorderhirn aufgezeigt Resilienz ist mit einer effizienteren Verarbeitung visueller Informationen und einer verbesserten Zusammenarbeit von Hirnnetzwerken verbunden, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Mehr erfahren zu: "Individueller genetischer Hintergrund steuert Evolution von Krebs" Individueller genetischer Hintergrund steuert Evolution von Krebs Warum entwickelt sich Krebs bei verschiedenen Menschen unterschiedlich – selbst, wenn sie denselben Risikofaktoren ausgesetzt sind? Eine internationale Forschungsgruppe hat jetzt an Mäusen gezeigt, dass die genetische Ausgangsausstattung eines Organismus […]
Mehr erfahren zu: "Anti-Tau-Therapie verfehlt klinischen Endpunkt – greift die Alzheimer-Therapie zu spät?" Weiterlesen nach Anmeldung Anti-Tau-Therapie verfehlt klinischen Endpunkt – greift die Alzheimer-Therapie zu spät? Eine neue Studie zeigt: Die gezielte Beeinflussung der Tau-Pathologie allein reicht offenbar nicht aus, um den Verlauf einer frühen Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen. Die Ergebnisse markieren jedoch aus Sicht der Deutschen […]