Bariatrische Chirurgie versus spezialisierte medizinische Behandlung

© Kurhan – fotolia.com

Norwegische Forscher haben bei 1888 schwer adipösen Patienten (BMI ≥40/≥35 und ≥1 Komorbidität), die sich einer baria­trischen Operation (n=932; 92 % Magenbypass) oder einer spezialisierten medizinischen Behandlung (n=956) inklusive Programmen zur Lebensstilintervention unterzogen, Veränderungen Adipositas-assozierter Komorbiditäten untersucht.

Die Daten stammten aus einer Kohortenstudie mit Baselinedaten von 11/2005–7/2010 und Follow-up-Daten von 2006 bis zum Tod oder durchgängig bis 12/2015. Primäre Outcomes waren Remission und Neuauftreten von Hypertonie. Sekundäre Outcomes umfassten Veränderungen bei den Komorbiditäten. Das mittlere (SD) Alter betrug 43,5 (12,3) Jahre (1249 Frauen [66 %]; mittlerer Ausgangs-BMI 44,2 [6,1]). Nach median 6,5 (0,2–10,1) Jahren schlossen 100 % die Nachbeobachtung ab.

Eine Operation ging einher mit:
– einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Remission einer Hypertonie und einer geringeren für das Neuauftreten (Remission: absolutes Risiko [AR] 31,9 vs. 12,4 %); Risikodifferenz [RD] 19,5 % [95 %-KI 15,8–23,2 %], relatives Risiko [RR] 2,1 [95 %-KI 2,0–2,2]; neues Auftreten: AR 3,5 vs. 12,2 %, RD, 8,7 % [95 %-KI 6,7-10,7 %], RR 0,4 [95 %-KI 0,3–0,5])
– einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Diabetes-Remission: AR 57,5 vs. 14,8 %; RD 42,7 % (95 %-KI 35,8–49,7 %), RR 3,9 (95 %-KI 2,8–5,4]
– einem höheren Risiko für eine neu auftretende Depression: AR 8,9 vs. 6,5 %; RD 2,4 % (95 %-KI 1,3–3,5 %), RR 1,5 (95 %-KI 1,4–1,7)
– einem höheren Risiko für eine Opioidbehandlung: AR 19,4 vs. 15,8 %, RD 3,6 % [95 %-KI 2,3–4,9 %], RR 1,3 [95 %-KI 1,2–1,4]).

Die operierten Patienten hatten ein höheres Risiko für ≥1 weitere zusätzliche gastrointestinale Operation (AR 31,3 vs. 15,5 %; RD 15,8 % [95 %-KI 13,1–18,5 %]; RR 2,0 [95 %-KI 1,7–2,4]). Zudem war der Anteil an Patienten mit niedrigen Ferritinwerten in der chirurgischen Gruppe signifikant größer (26 vs. 12 %; P<0,001).

Fazit
Bei Patienten mit schwerer Adipositas, die im Mittel über 6,5 Jahre nachbeobachtet wurden, war die bariatrische Chirurgie im Vergleich zur medizinischen Behandlung mit einem klinisch bedeutsamen erhöhten Risiko für Komplikationen sowie einem geringeren Risiko für mit Adipositas in Verbindung stehende Komorbiditäten verbunden. Diese Komplikationsrisken sollten beim Entscheidungsprozess berücksichtigt werden, bilanzieren die Studienautoren um Dr. Gunn Signe Jakobsen.

Autoren: Jakobsen GS et al.
Korrespondenz: Dr. Jøran Hjelmesæth; [email protected]
Studie: Association of Bariatric Surgery vs Medical Obesity Treatment With Long-term Medical Complications and Obesity-Related Comorbidities
Quelle: JAMA 2018;319(3):291–301.
Web: dx.doi.org/10.1001/jama. ­2017.21055

JAMA