Barmer-Atlas zu chronischem Schmerz: Ungleiche Verteilung in der Bundesrepublik13. Oktober 2023 Bild: ©Coloures-Pic/stock.adobe.com Hamburg und Bremen sind die Bundesländer mit den wenigsten chronischen Schmerzpatientinnen und -patienten. Das geht aus dem Schmerz-Atlas des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor, der Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2021 analysiert hat. Bundesweit leiden demnach 571 je 10.000 Einwohner an chronischem Schmerz. In Hamburg und Bremen sind es nur 370 beziehungsweise 382 je 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner mit Schmerzen, die länger als sechs Monate andauern. Am stärksten betroffen sind Thüringen und Sachsen mit 870 beziehungsweise 776 Betroffenen je 10.000 Einwohner. „Schmerz macht den Alltag zur Tortur. Betroffene benötigen im Bedarfsfall eine ganzheitliche, multimodale Schmerztherapie. Sie soll verhindern, dass sich der Schmerz noch weiter chronifiziert“, sagt Prof. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. Wichtig sei zuerst eine umfassende Schmerzdiagnostik. Die Barmer biete ihren Versicherten dazu ein ambulantes interdisziplinäres multimodales Assessment an, kurz A-IMA. Diese neue Form der Untersuchung werde von Fachleuten verschiedener Disziplinen durchgeführt. Denn Schmerz habe viele Facetten und in der Regel nicht nur eine Ursache. Wenn es die Situation erfordere, könne darauf mit einer multimodalen Schmerztherapie individuell und ganzheitlich reagiert werden. Chronischer Schmerz kommt nicht erst im hohen Alter Wie aus dem Barmer-Atlas weiter hervorgeht, sind die Unterschiede beim Auftreten von chronischem Schmerz auf Kreisebene besonders hoch. Sie reichen je 10.000 Einwohner von 279 Betroffenen im Landkreis Dillingen in Bayern bis hin zu 1140 Betroffenen im Landkreis Suhl in Thüringen. Das entspricht mehr als dem vierfachen Wert des Kreises Dillingen an der Donau. Chronischer Schmerz tritt darüber hinaus bei Weitem nicht erst im Rentenalter auf. Zwischen 40 und 49 sowie 50 und 59 Jahren leiden bundesweit bereits 376 beziehungsweise 688 je 10.000 Einwohner darunter. „Gerade für Berufstätige ist es wichtig, dass sie eine multimodale Schmerztherapie auch berufsbegleitend durchführen können. So vermeiden sie längere Arbeitsunfähigkeiten und integrieren die erlernten Fähigkeiten direkt in den Alltag“, sagt Straub. Die multimodale Schmerztherapie erfolge im Rahmen des Innovationsfondsprojektes PAIN2.0, an dem unter anderem die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Barmer beteiligt seien. Dessen Ergebnisse würden wissenschaftlich evaluiert und sollten bei positiver Bewertung in die Regelversorgung übernommen werden. Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung Bei chronischem Schmerz sei es wichtig, einen ganzheitlichen Behandlungsansatz zu verfolgen. Denn der dauerhafte Schmerz sei nicht nur ein alleiniges körperliches Leiden, so Straub. Auch die Seele spiele hierbei eine große Rolle. So litten in Deutschland zum Beispiel 39 Prozent der Personen mit chronischem Schmerz zugleich auch an einer Depression. Der multimodale Behandlungsansatz verbinde physiotherapeutische mit psychotherapeutischen Therapieansätzen. Darüber hinaus würden soziale Aspekte in die Therapie integriert. Dabei gehe es zum Beispiel darum, wie Schmerzpatienten trotz ihrer Erkrankung weiter arbeitsfähig bleiben könnten oder wie sie im Zweifelsfall mit dem Verlust des Arbeitsplatzes umgingen.
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