Bauchspeicheldrüsenkrebs: Erforschung des Darmmikrobioms als modulierender Faktor für das Langzeitüberleben

Bauchspeicheldrüsenkrebs. Abbildung: © Matthieu/stock.adobe.com

Auf der Suche nach genetischen Unterschieden, mit denen sich erklären lässt, warum manche Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs länger überleben als andere, richten Forschende den Fokus nun auf das Darmmikrobiom.

„Es gibt neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass Überlebende mit Bauchspeicheldrüsenkrebs eine robuste Immunantwort in ihren Tumoren aufweisen“, erklärt Dr. Jordan Kharofa, Mediziner und Forscher vom University of Cincinnati Cancer Center und Professor an der Abteilung für Strahlenonkologie an der Medizinischen Fakultät der University of Cincinnati (USA). „Wir haben uns gefragt, ob es bei Bauchspeicheldrüsenkrebs-Überlebenden einen Zusammenhang mit dem Darmmikrobiom gibt.“

Kharofa und seine Kollegen veröffentlichten kürzlich Ergebnisse einer Studie in der Zeitschrift „Cancer“. Darin hatten sie mehrere Spezies im Mikrobiom entdeckt, die mit einer verstärkten Tumorimmunantwort assoziiert sind.

Das Forschungsteam analysierte Mikrobiomdaten von Pankreaskarzinom-Überlebenden sowie von einer Kontrollgruppe von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Mikrobiome von Langzeitüberlebenden erhöhte Werte mehrerer spezifischer Bakterienarten aufwiesen, darunter Faecalibacterium prausnitzii.

„Es gibt nur wenige Informationen, die uns helfen zu verstehen, warum einige Patienten von Bauchspeicheldrüsenkrebs geheilt werden und die meisten leider nicht“, erläutert Kharofa. „Diese Spezies können helfen, die Immunantwort auf Bauchspeicheldrüsenkrebs zu fördern, aber dies wurde noch nicht bewiesen.“ Zwar sei noch nicht genau bekannt ist, wie oder ob diese Bakterien direkt zum langfristigen Überleben der Patienten beitragen, jedoch wurden sie in der Vergangenheit bereits mit einem besseren Ansprechen auf eine Immuntherapie bei Patienten mit metastasiertem Melanom in Verbindung gebracht.

„Das Verständnis dafür, dass das Mikrobiom Teil der normalen Immunantwort ist, wächst“, sagt Kharofa. „Die Bedeutung des Mikrobioms als Reaktion auf Immuntherapeutika bei Melanomen und anderen Krebsarten ist gut bekannt. Zum ersten Mal sehen wir, dass ähnliche Spezies bei Patienten vermehrt vorkommen, die von Bauchspeicheldrüsenkrebs geheilt wurden. Wir möchten dies gerne weiter erforschen und prüfen, ob die Modulation des Mikrobioms bei diesen Patienten einen therapeutischen Weg darstellen kann.“

Laut Kharofa wurden diese Bakterienarten nicht mit einer bestimmten Ernährung, einem bestimmten Lebensstil oder einer genetischen Prädisposition in Verbindung gebracht, die Aufschluss darüber geben würden, wie man die Werte im Mikrobiom auf natürliche Weise erhöhen kann. In einigen Studie wurden bereits Versuche mit einem Transfer von fäkalem Mikrobiom von Langzeitüberleben durchgeführt.  Das Team vom University of Cincinnati Cancer Center befindet sich nach Kharofas Angaben in der frühen Phase der Erforschung einer Mikrobiommodulation durch die orale Verabreichung von Bakterienspezies.