Bauchspeicheldrüsenkrebs: Präoperative Chemotherapie kann Überlebensraten verbessern16. Dezember 2022 Abbildung: © Kateryna_Kon/stock.adobe.com Eine randomisierte klinische Studie hat ergeben, dass die Behandlung von Patienten mit einem Pankreaskarzinom mittels Chemotherapie vor einem chirurgischen Eingriff die Ein-Jahres-Überlebensraten im Vergleich zu einer sofortigen Operation signifikant verbessert. Die in „The Lancet Gastroenterology & Hepatology“ veröffentlichte Studie wurde von der University of Liverpool (Großbritannien) im Auftrag der European Study Group for Pancreatic Cancer (ESPAC) geleitet und von Cancer Research UK unterstützt. Beteiligt an der Untersuchung war zudem das Universitätsklinikum Heidelberg. Die ESPAC-5-Studie zielte darauf ab, die Verwendung von drei verschiedenen Arten einer neoadjuvanten Kurzzeittherapie mit sofortiger Operation bei Patienten mit grenzwertig resezierbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs zu vergleichen. Dabei wollten die Autoren ermitteln, ob dieser Ansatz die Outcomes verbessern könnte. Das Team rekrutierte zwischen 2014 und 2018 insgesamt 90 Patienten in Großbritannien und Deutschland, teilte sie nach dem Zufallsprinzip den verschiedenen Behandlungsgruppen zu und beobachtete sie zwölf Monate lang. Einige Patienten erhielten als erste Behandlung eine Operation, einige erhielten vor dem chirurgischen Eingriff eine Chemotherapie und andere präoperativ eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie (Chemoradiotherapie). Die Forscher stellten fest, dass die neoadjuvante Therapie einen signifikanten Überlebensvorteil für die Patienten brachte. Die Ein-Jahres-Gesamtüberlebensrate betrug 84 Prozent für FOLFIRINOX, 78 Prozent für Gemcitabin plus Capecitabin und 60 Prozent unter einer Capecitabin-basierten Radiochemotherapie, verglichen mit 39 Prozent bei einer sofortigen Operation. Die Wissenschaftler beobachteten keinen signifikanten Unterschied bezüglich der Raten für eine chirurgische Resektion zwischen der rein operativen und der neoadjuvanten Patientengruppe. Aller Behandlungsansätze wurden laut den Autoren gut vertragen. Prof. Paula Ghaneh, die die Studie an der Abteilung für Molekulare und Klinische Krebsmedizin der Universität Liverpool leitete, sagte: „Auch wenn es sich um eine Machbarkeitsstudie handelte, liefern diese Ergebnisse überzeugende Evidenz für den Einsatz einer neoadjuvanten Kurzzeit-Chemotherapie bei grenzwertig resezierbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zukünftige Studien werden sich auf die Art und Dauer der neoadjuvanten Therapie bei Borderline-Bauchspeicheldrüsenkrebs konzentrieren. Weitere Arbeiten sind erforderlich, um die Rolle der neoadjuvanten Therapie bei resezierbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs zu untersuchen.“ Michelle Mitchell, Chief Executive von Cancer Research UK, ergänzt: „Eine der schnellsten Möglichkeiten, wie wir Krebs besiegen können, besteht darin, Behandlungen, die uns bereits zur Verfügung stehen, effektiver zu nutzen. Immer mehr Studien belegen, dass eine Chemotherapie vor einer Operation die Lebensqualität von Krebspatienten radikal verbessern kann. Die ESPAC5-Studie hat interessante neue Evidenz dafür ergeben, dass eine Chemotherapie vor einer Operation Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zugutekommen könnte, wenn dieser früh genug erkannt wird.“
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