Welche Hygienemaßnahmen schützen am besten vor Krankenhauskeimen?7. Mai 2026 In der Beobachtungsstudie PREVENT wird der Einfluss verschiedener Hygienemaßnahmen auf VRE-Blutstrominfektionen geprüft. Einige Kliniken setzen die Handschuh-Kittel-Pflege um, andere isolieren die Patienten, dritte achten auf gründliche Handdesinfektionen. (Quelle: Salih Usta; Copyright: UKW) In der PREVENT-Studie soll untersucht werden, wie häufig Blutstrominfektionen durch Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) auftreten und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. VRE bergen eine große Gefahr in Krankenhäusern. Denn hier treffen viele Risikofaktoren zusammen: immunsupprimierende Therapien, häufige Antibiotikagaben, die Resistenzen fördern, sowie medizinische Eingriffe, die zusätzliche Eintrittspforten für die Erreger schaffen. Gelangen VRE in den Blutkreislauf, können sie eine Blutstrominfektion auslösen, die zu einer Sepsis führen kann. PREVENT: Förderung im NUM-Fachnetzwerk Infektionen PREVENT (Prevention of bloodstream infections with vancomycin resistant enterococci) heißt das neue Projekt im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Initiiert wurde die multizentrische Studie von Prof. Stefanie Kampmeier, Leiterin der zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Uniklinikum Würzburg (UKW). „Zunächst schauen wir uns an, wie häufig Patientinnen und Patienten in deutschen Universitätskliniken Blutstrominfektionen durch VRE bekommen“, erläutert Kampmeier. „Anschließend untersuchen wir, welche Faktoren – von den Patientinnen und Patienten über die Erregerstämme bis hin zur Krankenhausorganisation – das Risiko beeinflussen. Hierbei interessiert uns insbesondere, welchen Einfluss Hygienemaßnahmen und der kontrollierte Einsatz von Antibiotika auf eine VRE-Blutstrominfektion haben. Außerdem analysieren wir, welche prognostischen Faktoren den Krankheitsverlauf bei den Betroffenen bestimmen.“Am Ende erhofft sich das Studienteam mehr Evidenz für die Ausarbeitung nationaler Handlungsempfehlungen zum hygienischen Umgang mit VRE in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen. Unterschiedliche Hygienemaßnahmen, Auffassungen und Umsetzungen Die Handlungsempfehlungen des Robert Koch-Institutes, die von der Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen sowie in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe (KRINKO) herausgegeben werden sind Kampmeier zufolge im Augenblick noch sehr generisch formuliert. Entsprechend unterschiedlich werden die Hygienemaßnahmen in Kliniken und Krankenhäusern sowie auf den einzelnen Stationen umgesetzt.„Wenn wir von Hygiene sprechen, dann meinen wir damit eher Bündelmaßnahmen zur Infektionsprävention“, erläutert Kampmeier. Dazu gehöre zum Beispiel die Isolierung von Patienten bei einem Nachweis multiresistenten oder hochinfektiöser Krankheitserreger. Hinzu kämen Flächendesinfektionsmaßnahmen, die Einbindung von Patienten (beispielsweise in die Händedesinfektion), sowie das Tragen von Schutzkleidung. Doch jeder handele anders, meint Kampmeier – und selbst wenn alle von Schutzkleidung sprächen, sei nicht zwingend klar, ob dasselbe gemeint ist. Im Rahmen der PREVENT-Studie sollen auch die Erreger selbst untersucht werden. Mithilfe von Ganzgenomsequenzierungen wollen die Forschenden genetische Fingerabdrücke der Erreger erstellen und Risikoprofile identifizieren, um aus diesen gezielte Präventionsmaßnahmen abzuleiten. NUM: Gebündelte Forschungsaktivitäten Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit der Universitätsmedizin für eine schnelle und koordinierte klinische Forschung zur Pandemie Preparedness ist. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2020 das NUM gegründet. In diesem Netzwerk bündeln die deutschen Universitätskliniken ihre Forschungsaktivitäten und bauen gemeinsame Infrastrukturen für multizentrische Studien auf. Das NUM-Studiennetzwerk bildet das Herzstück dieser Zusammenarbeit und stellt organisatorische und methodische Strukturen für klinische Studien bereit. Ergänzt wird es durch drei thematische Fachnetzwerke (Infektionen, Intensivmedizin und Schlaganfall), in denen Experten verschiedener Standorte ihre wissenschaftliche und klinische Expertise zu spezifischen Krankheitsfeldern zusammenführen.
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