BDA und DGAI verurteilen übergriffiges Verhalten auf dem Deutschen Ärztetag

BDA und DGAI verweisen auf auf die Bedeutung transparenter und verlässlicher Strukturen in Weiterbildung und beruflichem Alltag, um Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen wirksam entgegenzuwirken. (Symbolfoto: ©Grustock/stock.adobe.com)

Nach den Berichten von Medizinstudentinnen über übergriffiges Verhalten auf dem Deutschen Ärztetag haben sich der BDA und die DGAI zutiefst schockiert gezeigt und ein solches Verhalten ausdrücklich verurteilt.

Beim Deutschen Ärztetag soll es nach Angaben von Teilnehmerinnen zu sexueller Belästigung gekommen sein (wir berichteten). In einer aktuellen Mitteilung erklärt die Präsidentin des Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) Prof. Grietje Beck, dass ein solches Verhalten „absolut inakzeptabel“ sei. Die Berichte der Medizinstudentinnen über Grenzüberschreitungen und übergriffiges Verhalten auf dem Deutschen Ärztetag bezeichnet sie als „verstörend“.

Gemeinsam verweisen BDA und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung transparenter und verlässlicher Strukturen in Weiterbildung und beruflichem Alltag, um Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen wirksam entgegenzuwirken.

Junge Ärztinnen und Ärzte stehen in besonderer Abhängigkeit

„Die ärztliche Weiterbildung liegt mir persönlich besonders am Herzen. Gerade hier bestehen häufig besondere Abhängigkeits- und Hierarchiestrukturen. Junge Ärztinnen und Ärzte brauchen deshalb nicht nur verlässliche organisatorische Rahmenbedingungen, sondern auch ein sicheres und respektvolles Arbeitsumfeld, in dem fachliche Entwicklung ohne Angst vor Grenzüberschreitungen oder Benachteiligungen möglich ist“, hebt Beck hervor.

Dass der Ärztetag nun über transparente Strukturen, unabhängige Anlaufstellen und den Umgang mit Machtmissbrauch in der Medizin diskutiere und hierzu weitere Maßnahmen anstoße, sei deshalb wichtig, so die BDA-Präsidentin. „Wer die Attraktivität der Weiterbildung und des Arztberufs langfristig stärken will, muss auch über Kultur, Haltung und Verantwortung sprechen.“

Schleppers: „Durch nichts zu rechtfertigen“

Prof. Alexander Schleppers, Hauptgeschäftsführer von BDA und DGAI, ergänzt: „Sexualisierte Grenzüberschreitungen und übergriffiges Verhalten sind durch nichts zu rechtfertigen – unabhängig davon, gegen wen sie sich richten und in welchem Umfeld sie stattfinden! Es ist mehr als alarmierend, dass die aktuellen Berichte junge Medizinstudentinnen betreffen, die sich berufspolitisch engagieren und die Zukunft der ärztlichen Selbstverwaltung mitgestalten wollen.“

Ein respektvoller und professioneller Umgang miteinander müsse überall im medizinischen und berufspolitischen Umfeld selbstverständlich sein, betont Schleppers. Dass der Deutsche Ärztetag die Debatte aufgenommen und weitere Maßnahmen angestoßen habe, sei deshalb „ein wichtiger, längst überfälliger Schritt“.