Beatmung auf Intensivstation: Patientenwünsche und tatsächliche Versorgung stimmen oft nicht überein25. August 2026 Symbolfoto: ©Kiryl Lis/stock.adobe.com Eine US-Analyse deutet an, dass die Prioritäten von Patienten unter maschineller Beatmung und deren tatsächliche intensivmedizinische Versorgung oft auseinander gehen. Orientiert sich die intensivmedizinische Versorgung an den geäußerten beziehungsweise dokumentierten Wünschen und Prioritäten von Patienten? Dieser Frage ging eine neue Veröffentlichung im Journal „Chest“ nach. Die Autoren werteten dafür in einer Sekundäranalyse Daten der SCRIPT-Studie (Successful Clinical Response in Pneumonia Therapy) aus. Ein Forscherteam um Erstautorin Kara A. Donovan von der Klinik für Allergologie, Pneumologie und Intensivmedizin an der University of Wisconsin fand keine starken Zusammenhänge zwischen den von bevollmächtigten Patientenvertretern angegebenen Behandlungsprioritäten und der tatsächlich durchgeführten Intensivbehandlung. Nach Auffassung der Wissenschaftler zeigen die Ergebnisse, dass an einer individualisierten und zielorientierten Versorgung von Intensivpatienten weitergearbeitet werden muss. Übereinstimmung nur schwer messbar Zwar sei eine Übereinstimmung von Patientenprioritäten und tatsächlicher Behandlung für die Bewertung und Verbesserung der intensivmedizinischen Versorgung essenziell, so die Autoren zum Hintergrund ihrer Publikation – doch lasse sich eine solche Übereinstimmung nur schwer messen. Grund dafür sei zum einen, dass sich Patientenprioritäten im Laufe der Zeit ändern könnten, zum anderen würden sie nicht systematisch in elektronischen Patientenakten (ePAs) dokumentiert. Befragung der Angehörigen Bei SCRIPT, deren Daten die Forschenden erneut auswerteten, handelt es sich um eine prospektive Beobachtungsstudie der Northwestern University (USA) an maschinell beatmeten Patienten einer internistischen Intensivstation für Erwachsene. Die Betroffenen litten entweder an einer schweren ambulant erworbenen Pneumonie oder an einer nosokomialen beziehungsweise beatmungsassoziierten Pneumonie. Bei Aufnahme in die Studie bat man die bevollmächtigten Patientenvertreter, die Behandlungsprioritäten der Betroffenen einzustufen: Wünschte sich der Patient eine Maximierung des Überlebens, selbst wenn dies unangenehme Therapien oder Eingriffe erforderte? Oder war ihm eine Maximierung seines Wohlbefindens und seiner Lebensqualität lieber, auch wenn sich durch den Verzicht auf Maßnahmen das Leben verkürzte? Oder bevorzugte der Patienten einen Mittelweg – mit dem Wunsch, so lange wie möglich zu leben, aber sich im Einzelfall gegen zu unangenehme Therapien zu entscheiden? Informationen zu durchgeführten Behandlungen, demografischen Angaben und Behandlungs-Outcomes entnahmen die Autoren den ePAs. Zur statistischen Auswertung kamen Chi-Quadrat-Tests, Kruskal-Wallis-Tests sowie lineare und ordinale Regressionsmodelle zum Einsatz. Ähnliche Behandlung unabhängig von Prioritäten Von 393 für die Auswertung infrage kommenden Patienten machten nur gut die Hälfte (55,2 %; n=217) der bevollmächtigten Vertreter Angaben zu den Patientenprioritäten. Am häufigsten wurde der Mittelweg genannt (n=105; 48,4 %), gefolgt von „Maximierung des Überlebens“ (n=75; 34,6 %). Die Lebensqualität stand nur bei 17,1 Prozent (n=37) an erster Stelle. Unabhängig von den angegebenen Prioritäten erhielten die Patienten in der Studie jedoch ähnlich invasive und lebensverlängernde Behandlungen. Auch die Krankenhaussterblichkeit unterschied sich zwischen den Gruppen kaum (Maximierung des Komforts: 35,1 %; Mittelweg: 34,3 %; Maximierung des Überlebens: 28,0 %; p=0,619) – ebenso wenig wie die Häufigkeit von Tracheotomien, palliativmedizinischen Konsilen und, bei verstorbenen Patienten, der Einsatz lebenserhaltender Maßnahmen in der Sterbephase. In einem für Alter, ethnische Zugehörigkeit und den Charlson-Komorbiditäts-Index adjustierten linearen Regressionsmodell war die Priorität „größtmögliche Lebensqualität“ allerdings mit einer kürzeren Krankenhausverweildauer assoziiert (β=-0,43; 95 %-KI -0,78 bis -0,09; p<0,014). (ac/BIERMANN)
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