Behandlungserwartung in der Therapie nutzen: Erneute Förderung des SFB3. Juni 2024 Symbolfoto: ©ogichobanov/stock.adobe.com Ein von der Universität Duisburg-Essen koordinierter Sonderforschungsbereich (SFB) geht dem Einfluss der Erwartung auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen auf den Grund. Das Vorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erneut unterstützt – und zwar über vier Jahre mit insgesamt 15 Millionen Euro. Erwartungen von Patientinnen und Patienten haben einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf von Erkrankungen und die Wirksamkeit von Behandlungen. „Wir wollen unsere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung bringen, also Erwartungseffekte systematisch im klinischen Alltag nutzen“, erklärt Prof. Ulrike Bingel, Sprecherin des SFB 289 „Der Einfluss von Erwartung auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen“ (SFB/Transregio „Treatment Expectation“). Hierzu erforscht ein interdisziplinäres, überregionales Team von 26 exzellenten Forschenden aus den Bereichen Medizin, Psychologie und den Neurowissenschaften die psychologischen und neurobiologischen Mechanismen von Erwartungseffekten. Es handelt sich um einen Forschungsverbund der Universitäten Duisburg-Essen (UDE), Hamburg und Marburg. Schon jetzt sei der durch den SFB/TRR gewonnene Datenschatz weltweit einmalig, wie die UDE betont: Von über 2500 Teilnehmenden und Patienten in verschiedenen Studien konnten Bilder der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), psychometrische Daten und klinische Informationen erhoben werden. Diese Daten seien das Herzstück des Verbundes und würden den Weg für ein tiefgreifendes Verständnis der Mechanismen und die zukünftige personalisierte Nutzung von Erwartungseffekten ebnen, heißt es von der Universität. „Künftig werden wir uns insbesondere auf die dynamische Veränderung von Behandlungserwartungen fokussieren, diese komplexeren Szenarien untersuchen und die Modellsysteme über Schmerz und Depression hinaus auf andere physiologische Systeme wie das Immunsystem erweitern“, erläutert Bingel. „Wir schätzen uns glücklich, mit Prof. Christine Knaevelsrud von der Freien Universität Berlin eine absolute Expertin in diesem Bereich für unseren SFB gewonnen zu haben“, ergänzt Winfried Rief, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Marburg und stellvertretender Sprecher des Verbundes. „Uns ist es wichtig, die Öffentlichkeit und die wissenschaftliche Gemeinschaft über unsere Forschung zu informieren. Deshalb werden wir ein eigenständiges Projekt aufsetzen, das zwei Zielgruppen erreichen soll: Patient:innen und medizinisches Personal, vor allem angehende Ärztinnen und Ärzte. Alle klinischen Studien haben das Ziel, Behandlungen zu verbessern. Dabei spielt die intensive Einbindung von und verstärkte Kooperation mit Patient:innen eine zentrale Rolle, um unsere Forschung für diejenigen, die sie am meisten betrifft, sinn- und wirkungsvoll zu gestalten“, betont Bingel.
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