Experimentelle Studie zu Rebound-Schmerzen: Keine Hinweise auf Hypersensitivität nach Nervenblockade

Rebound-Schmerzen sind ein bekanntes Phänomen nach einer peripheren Nervenblockade. (Symbolfoto: ©MQ-Illustrations/stock.adobe.com)

Rebound-Schmerzen sind ein bekanntes Phänomen nach einem chirurgischen Eingriff unter einer peripheren Nervenblockade. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie sprechen gegen die Vermutung, dass der Rebound-Schmerz auf eine Hypersensitivität durch die Nervenblockade selbst zurückzuführen ist.

von Dr. Aileen Hochhäuser

Als Rebound-Schmerz wird im Allgemeinen das übermäßige Schmerzempfinden nach Abklingen der Wirkung einer Lokalanästhesie bezeichnet, welches deutlich über den normalen Wundschmerz nach einer Operation hinausgeht. Die berichtete Häufigkeit reicht in der Literatur je nach Definition und untersuchter Population bis zu etwa 50 Prozent. Da bislang keine einheitliche Definition existiert, sind diese Zahlen jedoch mit Vorsicht zu genießen. Auch ist die zugrundeliegende Pathophysiologie bislang nicht eindeutig geklärt, was Empfehlungen zur Prophylaxe erschwert.

Keine Hinweise auf eine Sensibilisierung durch die Nervenblockade

Unter Leitung des Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School in Boston liefert eine Gruppe von Wissenschaftlern nun ein Puzzlestück zum Verständnis der Rebound-Schmerzen. Bei 40 gesunden Freiwilligen nahmen sie jeweils an einem Arm eine axilläre Plexusblockade vor. Quantitative sensorische Tests vor, während und nach dem Nervenblock ergaben im Vergleich zum nicht betäubten Arm keine objektiv messbare Hypersensitivität infolge der Blockade selbst.

„Unsere Ergebnisse liefern keine Hinweise auf eine erhöhte Sensibilisierung – einen Hauptfaktor für akute und chronische Schmerzen –, was darauf hindeutet, dass Rebound-Schmerzen eher das natürliche Wiederauftreten operativer Beschwerden sind, wenn die Wirkung der Blockade nachlässt, als eine Veränderung des Nervs nach der Blockade durch Lokalanästhetika“, resümiert Dr. Yun-Yun K. Chen. Chen ist Anästhesistin am Brigham and Women’s Hospital und Erstautorin der im Fachmagazin „Anaesthesiology“ publizierten Studie.

Quantitative sensorische Tests ohne relevante Unterschiede

An der experimentellen Studie nahmen 40 gesunde Probanden (60 % weiblich) im Alter von 19 bis 64 Jahren teil. Bei allen Probanden wurde eine einmalige axilläre Plexusblockade mit 15 cm³ 1,5-prozentigem Mepivacain vorgenommen. Dabei diente der kontralaterale Arm ohne Nervenblockade als Kontrolle. Die Forscher verglichen die Schmerzempfindlichkeit zwischen den Armen anhand einer Reihe quantitativer sensorischer Tests, die mechanische, Druck- und Hitzeschmerztests umfassten.

Primärer Endpunkt war die Hitzeschmerzschwelle 60 Minuten nach Abklingen des motorischen Blocks. Erfasst wurde die Temperatur, bei der die Probanden erstmals einen Schmerz von 1 auf einer numerischen Ratingskala von 0 bis 10 angaben. Im Durchschnitt betrug die Hitzeschmerzschwelle am Arm mit Nervenblockade 40,8±2,2 °C und im Kontrollarm 41,2±2,6 °C. Der Unterschied war nicht signifikant (p=0,160).

Sekundäre Endpunkte waren weitere Modalitäten, die zu diesem Zeitpunkt sowie bis zu drei Stunden nach Abklingen des motorischen Blocks verglichen wurden. Doch auch hier kam es lediglich zu geringfügigen Unterschieden zwischen den Armen.

Insgesamt zeigten die Ergebnisse der Schmerztests „keine Anzeichen einer signifikanten Sensibilisierung“, wie die Forscher resümieren – einschließlich von Parametern, die auf eine zentrale Sensibilisierung hindeuten würden. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da die zentrale Sensibilisierung als entscheidender Schritt bei der Entstehung chronischer Schmerzen gilt. Einschränkend geben die Studienautoren zu bedenken, dass es sich um eine experimentelle Studie mit gesunden Probanden handelt, die sich keiner Operation unterzogen hatten und daher nicht die zu erwartenden Schmerz- und Heilungsreaktionen nach einem chirurgischen Eingriff erlebten.

Wundschmerz statt Effekt der Regionalanästhesie?

Dennoch ziehen sie ein positives Fazit: „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Phänomen der Rebound-Schmerzen eher durch die operativen Schmerzen verursacht wird, die auftreten, sobald die Wirkung der Blockade nachlässt“, erklären Chen und Kollegen. „Unsere Studie bestätigt, dass Nervenblockaden zur Schmerzbekämpfung nach Operationen sicher und wirksam sind“, betont Chen in einer Mitteilung der American Society of Anesthesiologists.

Zur Vorbeugung oder Abmilderung von Rebound-Schmerzen heben die Autoren die Rolle einer multimodalen Anästhesie hervor, die auf verschiedene Schmerzbahnen abzielt. Ferner sei es wichtig, im Rahmen der Patientenaufklärung „realistische Erwartungen“ hinsichtlich der postoperativen Schmerzbekämpfung zu wecken sowie das Abklingen der Nervenblockade zu antizipieren, um die Schmerzmedikation zeitlich entsprechend anzupassen.

In einem begleitenden Kommentar weist Dr. Benedict Alter, University of Pittsburgh, auf den entscheidenden Unterschied zwischen Nozizeption und dem komplexen und individuellen Schmerzempfinden hin. Alter hebt die „entscheidenden und fortlaufenden“ Bemühungen zur Verringerung von Rebound-Schmerzen nach Operationen hervor. Er kommt zu dem Schluss: „Ein besseres Verständnis unkontrollierter Schmerzen nach dem Abklingen einer Nervenblockade wird das postoperative Schmerzmanagement und die Behandlungsergebnisse nach Operationen verbessern.“