VSOU 2019: Altersbedingte Brüche – Kooperation von Unfallchirurgen und Geriatern führt zu besserem Patienten-Outcome2. Mai 2019 Von entscheidender Bedeutung im Alter: Bewegung als Prävention und Reha nach traumatischer Verletzung (Foto: : Robert Kneschke, Fotolia.com). Während in mehreren Industrieländern in den letzten zehn Jahren die altersspezifischen Frakturraten sanken, triftt dies für Deutschland nicht zu. Da für die Heilungserfolge nach Brüchen in erster Linie nicht nur das biologische Alter, sondern auch der Grad der Gebrechlichkeit des Patienten eine Rolle spielt, könnten aufeinander abgestimmte Versorgungsprozesse und eine fachübergreifende Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Bereiche die Erfolge deutlich erhöhen, betonen Experten auf dem VSOU-Kongress. Kongresspräsident Prof. Christian Heiß bestätigt dies. Er leitet die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Gießen, welches als eines von 80 Standorten als Alterstraumazentrum in Deutschland zertifiziert ist. Voraussetzung dafür sei die Gewährleistung einer fachübergreifenden Behandlung, u.a. in Zusammenarbeit mit Geriatern. “Dadurch verbessern sich deutlich die Behandlungserfolge nach altersbedingten Brüchen.” In seiner klinischen Tätigkeit stellte Heiß fest, dass die Zahl der 70- bis 90-Jährigen, die frakturbedingt operiert werden müssen, deutlich zugenommen hat. Am häufigsten komme es zum Oberschenkelhalsbruch, gefolgt von Becken-, Hand- und Sprunggelenkfrakturen. „Ein Oberschenkelhalsbruch ist ein einschneidendes, oftmals alles veränderndes Ereignis im Leben eines Menschen ab einem gewissen Alter“, weiß Heiß. Die Knochendichte und das physiologische Gangmuster bei alten Menschen verändern sich. Bei Frauen früher (ab ca. 60), als bei Männern (ab ca. 70). „Definitiv haben sich – gerade in den Alterstraumazentren – die Chancen für ältere Menschen signifikant verbessert, nach einem Bruch wieder mobil und selbstständig zu sein“, sagt Heiß, „Jedoch im speziellen Fall des Oberschenkelhalsbruches ist die Sterbensrate im ersten Jahr immer noch hoch. Es kommt hier auf vorliegende Grunderkrankungen sowie auf die allgemeine körperliche Verfassung des Patienten an.“ Studien belegten aber, dass die Sterbensrate geringer ist bei der Versorgung in einem Krankenhaus mit interdisziplinärem Behandlungsteam. „Die Versorgung von altersbedingten Brüchen durch ein interdisziplinäres Team muss sich überall durchsetzen und schnellstmöglich flächendeckend zur Verfügung stehen. Nur dann können wir als Ärzte gerade unter dem Aspekt des demographischen Wandels das Beste für die Patienten leisten. In 20 Jahren wird sich tendenziell das Frakturaufkommen verdreifacht haben. Wir stehen hier also in der Pflicht“, fordert Heiß. Entscheidend in der Alterstraumatologie sind zudem Rehabilitation und Prävention. „Jeder Patient, dessen Gesamtzustand es erlaubt, sollte nach einer OP rehabilitative Maßnahmen ergreifen“, betont der Unfallchirurg. In der Reha oder Geriatrie finde ein Knochen- und Muskelaufbau statt und die Koordination werde trainiert, was zudem das Gehirn anrege. Wichtiger noch erscheine jedoch die Vorbeugung von Stürzen. Im Alter lassen laut Experten die Kraft und Koordination nach, die Orientierung ist schwerer, der Gang verändert sich und die Einnahme von Medikamenten beeinträchtigt zudem mitunter den Gleichgewichtssinn. Ein weiterer ernstzunehmender Risikofaktor sei die Osteoporose. Von dieser, wie auch von der Sturzhäufigkeit, seien Frauen öfters betroffen als Männer. „Ich kann nur jedem Menschen raten, frühzeitig eine Knochendichtemessung durchführen zu lassen, um eine Osteoporose zu diagnostizieren und dieser dann durch medikamentöse Behandlung sowie durch Sport und Ernährung entgegenzuwirken. Generell sei Aktivität eine der wichtigsten Präventionsfaktoren. Ein bis ins hohe Alter aktiver Mensch ist weniger anfällig für Brüche und falls doch eine Fraktur auftritt, dann sind die Heilungschancen bzw. das Outcome deutlich besser“, erklärt Heiß. Laut dem im letzten Jahr erschienenen „Weißbuch Alterstraumatologie“ werden in Deutschland derzeit mehr als 400.000 alterstraumatologische Frakturen pro Jahr stationär behandelt.
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