Berufsverband feiert 50-jähriges Bestehen2. September 2020 Foto: ©Tanja Bagusat – stock.adobe.com Seit 50 Jahren tritt der Berufsverband der Kinder- Jugendärzte für die beruflichen Belange seiner Mitglieder und das gesundheitliche Wohl von Kindern und Jugendlichen ein. Corona-bedingt fallen die geplanten Feierlichkeiten aus, BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach nutzte das Jubiläum jedoch für einen Ausblick auf zukünftige Aufgaben. „Kinderärzten – wie sie damals noch hießen – ging es lange Zeit so ähnlich wie den Kindern in unserem Land. Man nahm sie und ihre fachliche Kompetenz nicht ganz ernst. Als Berufsverband haben wir lange gebraucht, um die Besonderheiten der Kinder- und Jugendmedizin gegenüber den Krankenkassen und der Politik geltend zu machen, akzeptable Arbeitsbedingungen und faire Honorare zu erreichen. Dies ist uns im Laufe der Jahre gelungen. Wir haben zudem durch unzählige Weiterbildungen und Fortbildungen dafür gesorgt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen bestmöglich medizinisch versorgen, dass sich die Pädiatrie in Deutschland heute auf einem hohen Niveau bewegt”, resümierte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach, angesichts des 50-jährigen Jubiläums des BVKJ. “Pädiatrie hört nach unserem Verständnis aber an der Schwelle zu Praxen und Kliniken nicht auf. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte versteht sich als Lobbyist für Kinderrechte und setzt sich seit vielen Jahren vehement für Kinderbeauftragte und die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ein. Zu diesen Rechten zählen wir analog zur UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf ein sicheres, gewaltfreies Zuhause und auf adäquate Entwicklungsanregung und Bildung. Wir engagieren uns für gesunde Ernährung, Suchtprävention, Jugendmedienschutz, Verbesserung und die Weiterentwicklung des Vorsorgesystems”, sagte Fischbach weiter. Diese Aufgaben seien nur im Verbund mit Partnern zu lösen, mit den unterschiedlichen pädiatrischen Fachgesellschaften, aber auch mit „externen“ Partnern. Zu diesen zählten vor allem die Medien und die Politik. Hier verstehe sich der BVKJ als Mittler, als Anwalt der betroffenen Kinder und Jugendlichen und habe in den letzten Jahren viel erreicht, etwa beim Ausbau der außerhäuslichen Betreuung, bei Gesetzesvorhaben wie dem Nutriscore etc., ergänzte der BVKJ-Präsident. Ökonomisierung als Herausforderung für den BVKJ Als höchst problematische Entwicklung erlebe das Fach die derzeitigen Schließungen von Kinderkliniken und -fachabteilungen – trotz gleichbleibender beziehungsweise steigender Fallzahlen – aufgrund von Unterfinanzierung. “Die Corona-Pandemie bringt zur Zeit auch den Praxen hohe Verluste, vor allem junge Kolleginnen und Kollegen, die Kredite bedienen müssen, machen sich Sorgen um ihr berufliches Überleben; interessierte junge Mediziner schrecken mehr denn je vor der Niederlassung zurück”, erklärte Fischbach. Wenn aber Kliniken und Praxen schließen müssten und der pädiatrische Nachwuchs ausbleibe, sei die flächendeckende medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch Pädiater gefährdet. “Hier wird der BVKJ in den nächsten Wochen verstärkt das Gespräch mit der Politik suchen und noch energischer als bisher nach Lösungen suchen”, versicherte der BVKJ-Präsident. Nachwuchs fördern Der BVKJ setze sich für mehr Medizinstudienplätze sowie bessere und auch praxisbezogenere Weiterbildungsmöglichkeiten ein, um den Vorrang des Kindeswohls, wie er in der UN-Kinderrechtskonvention seit 1989 gesetzlich festgeschrieben ist, zu realisieren und dazu beizutragen, dass sich jedes Kind in Deutschland seinen Anlagen gemäß entwickeln und gesund aufwachsen kann. Die fortschreitende Digitalisierung in der Medizin sei wichtig, dürfe aber nicht die Zeit für die eigentliche Behandlung der Patienten rauben, mahnte Fischbach. Das Gleiche gelte für die Bürokratie. “Wir fordern daher mehr Wertschätzung und eine bessere Honorierung für ‘sprechende Medizin’ – so wie sie auch der Koalitionsvertrag vorsieht und bisher nicht umgesetzt hat”, sagte Fischbach. “Die Chancen, die in dem einzigartigen und prägenden Zeitfenster der frühen Jahre jedes Menschen liegen, lassen sich nur effektiv und nachhaltig nutzen, wenn eine das soziale Umfeld einbeziehende hochqualifizierte medizinische Versorgung gewährleistet ist. Dies wiederum kann nur durch eine Weiterentwicklung des bestehenden Systems aus ambulanter und stationärer Pädiatrie gelingen. Der BVKJ wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten gemeinsam mit seinen Partnern hier engagieren. Sich selbst wird er dabei auch verstärkt weiterentwickeln, jünger und weiblicher werden”, versprach der BVKJ-Präsident.
Mehr erfahren zu: "30 Millionen für Eltern-Kind-Zentrum in Rostock" 30 Millionen für Eltern-Kind-Zentrum in Rostock Lange wurde über die geplante Eltern-Kinder-Klinik in Rostock debattiert. Nun wurde der erste Förderbescheid überreicht. Aus dem alten Kinderhaus soll das neue Eltern-Kind-Zentrum Rostock (ELKI) werden.
Mehr erfahren zu: "DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer" DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer Schleswig-Holstein kündigte Pläne für eine bundesweite Zuckersteuer an. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) begrüßt die Initiative.
Mehr erfahren zu: "Viele Kinder mit Grippe im Krankenhaus" Viele Kinder mit Grippe im Krankenhaus Der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zufolge haben die meisten Kinder, die zurzeit wegen einer akuten Atemwegsinfektion ins Krankenhaus kommen, eine Grippe.