Beruhigungsmittel in der Schwangerschaft nicht mit psychiatrischen Störungen bei Kindern assoziiert

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Eine südkoreanische Studie, die im Fachjournal „BMJ“ veröffentlicht wurde, fand kein erhöhtes Risiko für psychiatrische oder neurologische Entwicklungsstörungen wie ADHS und Autismus bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Beruhigungsmittel (Benzodiazepine oder Z-Hypnotika) einnahmen.

Benzodiazepine und Z-Hypnotika werden zur Linderung von Angstzuständen und Schlaflosigkeit eingesetzt, die zu den häufigsten Beschwerden in der Schwangerschaft zählen.

Frühere Studien untersuchten die kurzfristige Sicherheit der Einnahme von Benzodiazepinen und Z-Hypnotika in der Schwangerschaft, doch die Evidenz zu ihren Auswirkungen auf die psychiatrische und neurologische Entwicklung von Kindern blieb weiterhin gering.

Um diese Wissenslücke zu schließen, nutzten Forscher für ihre Studie die nationale Gesundheitsdatenbank Südkoreas, um fast 3,8 Millionen Kinder zu erfassen, die zwischen 2010 und 2022 geboren wurden. Schwangerschaften, in denen Mütter Benzodiazepine oder Z-Hypnotika einnahmen, wurden mit Schwangerschaften ohne diese Exposition sowie mit Frauen verglichen, die diese Medikamente vor, aber nicht während der Schwangerschaft eingenommen hatten.

Zwölf spezifische neurologische Entwicklungsstörungen und allgemeine psychiatrische Erkrankungen wurden untersucht, darunter Substanzgebrauchsstörungen, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, geistige Behinderung, Autismus, ADHS und Verhaltensstörungen. Faktoren wie das Alter der Mutter, ihr Einkommen, bestehende Vorerkrankungen und die Einnahme anderer Medikamente wurden ebenfalls berücksichtigt.

Keine erhöhte Rate psychischer Erkrankungen bei exponierten Kindern

Von den 3.809.949 Kindern waren 94.482 (2,5 %) während der Schwangerschaft Benzodiazepinen oder Z-Hypnotika ausgesetzt, 3.715.467 waren nicht exponiert und 147.307 wurden von Müttern geboren, die diese Substanzen in der Vergangenheit konsumiert hatten.

Im Beobachtungszeitraum von bis zu 14 Jahren traten insgesamt 10.060, 311.997 bzw. 15.645 Ereignisse in den Gruppen der exponierten, nicht exponierten bzw. ehemaligen Konsumenten auf. Insgesamt war die Rate psychiatrischer Störungen bei exponierten Kindern mit 19,2 Prozent etwas höher als bei nicht exponierten Kindern (13,8 %) und der Gruppe der ehemaligen Konsumenten (16,5 %).

Diese Zusammenhänge waren jedoch nicht mehr signifikant, nachdem die Forschenden mithilfe einer Geschwisteranalyse die Arzneimittelwirkungen von gemeinsamen familiären, genetischen und Umweltfaktoren getrennt hatten. Es zeigte sich kein erhöhtes Risiko für einzelne psychiatrische Störungen.

Weitere Analysen bestätigten im Allgemeinen die Hauptergebnisse, obwohl einige Schätzwerte, wie beispielsweise die Exposition in der frühen und späten Schwangerschaft sowie die längere Einnahmedauer von Z-Hypnotika, in bestimmten Gruppen weiterhin leicht erhöht waren.

Limitationen der Studie

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können keine Kausalzusammenhänge hergestellt werden. Die Forschenden räumen ein, dass eine Verschreibung nicht immer die tatsächliche Einnahme widerspiegelt und der Beobachtungszeitraum möglicherweise nicht ausreicht, um Spätmanifestationen wie Schizophrenie oder Persönlichkeitsstörungen zu erfassen. Darüber hinaus war diese Studie nicht darauf ausgelegt, die allgemeine Sicherheit dieser Medikamente zu beurteilen, sondern spezifische psychiatrische Folgen bei Kindern zu untersuchen.

Die Verwendung einer großen, national repräsentativen Datenbank und strenge Methoden zur Vermeidung von Störfaktoren legen jedoch nahe, dass die Ergebnisse einer kritischen Prüfung standhalten. Die Autoren erklären daher, dass diese Studie „keine substanziellen Belege dafür liefert, dass die pränatale Exposition gegenüber Benzodiazepinen oder Z-Hypnotika das Risiko psychiatrischer Störungen bei Kindern erhöht“.

Obwohl diese Ergebnisse beruhigend auf die neuropsychiatrische Sicherheit wirken, ist weitere Forschung erforderlich, um die in einigen Analysen beobachteten geringfügigen Erhöhungen zu klären und die Diskussionen über eine Sedierungstherapie in der Schwangerschaft zu unterstützen, fügen sie hinzu.

In einem begleitenden Kommentar stimmen die Forscher zu, dass diese Ergebnisse beruhigend sind, dies aber nicht bedeutet, dass Sedativa unbedacht verschrieben werden sollten. Ärzte sollten auf Hinweise auf Langzeitanwendung und Exposition im späten Stadium der Schwangerschaft achten und gleichzeitig die Risiken einer unbehandelten psychiatrischen Erkrankung der Mutter abwägen, schreiben sie. Sie schließen jedoch, dass diese Studie „ein überzeugendes Beispiel dafür liefert, wie Beobachtungsstudien zuverlässige Schätzungen zur pränatalen Arzneimittelsicherheit liefern können“.

(lj/BIERMANN)

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