Bestimmung eines ultraniedrigen Risikos per 70-Gen-Signatur: Übertherapie bei frühem Brustkrebs wahrscheinlich vermeidbar30. Mai 2022 AMSTERDAM (Biermann) – Patientinnen mit Brustkrebs, der für 70 Gene eine Signatur aufweist, die mit einem ultraniedrigen Risiko verbunden ist, haben in historischen Kohorten, einschließlich in randomisierten Studien, ein hervorragendes Überleben gezeigt. Die Untergruppe wurde daher nun charakterisiert, um eine Überbehandlung zu vermeiden. Die Doktorandin Josephine Lopes Cardozo vom Netherlands Cancer Institute (Niederlande) und ihre internationalen Kollegen haben im Zuge ihrer Studie die Ergebnisse von Patientinnen mit ultraniedrigem Risiko in der bisher größten Studienkohorte ausgewertet. Die Patientinnen hatten demnach die beste Prognose und unterschieden sich von Patientinnen mit niedrigem Risiko. Das brustkrebsspezifische Überleben (BCSS) betrug nach 8 Jahren >99 % und die Rate des fernmetastasenfreien Intervalls (DMFI) lag bei 97 %. Die Autoren mutmaßen daher, dass sich diese Patientinnen für eine Deeskalation der Behandlung eignen könnten. Bei 6693 Patientinnen, die in die randomisierte Phase-III-MINDACT-Studie aufgenommen wurden, ergab die genetische Profilerstellung (MammaPrint®) für 1000 (15 %) von ihnen eine 70-Gen-Signatur mit ultraniedrigem Risiko. Die Wissenschaftler bewerteten für ihre Studie das DMFI und BCSS der Patientinnen, die sie aufgrund ihrer 70-Gen-Signaturen nach hohem, niedrigem oder ultraniedrigem Risiko stratifizierten, indem sie Kaplan-Meier- und Cox-Regressionsanalysen durchführten. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 8,7 Jahre. Von den Patientinnen mit ultraniedrigem Risiko (N=1000) waren 67 % >50 Jahre alt, 81 % hatten Tumore ≤2 cm, 80 % waren N-, 96 % hatten Tumoren des Grades 1 oder 2 und 99 % waren ER+. Von den Patientinnen erhielten 84 % eine adjuvante systemische Therapie (69 % ET, 14 % ET plus Chemotherapie, 1 % andere) und 16 % keine. Das 8-Jahres-DMFI für Patientinnen mit ultraniedrigem Risiko betrug 97,0 % (95 %-KI 95,8–98,1) und war damit 2,5 % höher als für Patientinnen mit Niedrigrisikotumoren (N=3295; 94,5 % [95 %-KI 93,6–95,3]). Die HR betrug für ultraniedriges vs. niedriges Risiko nach Anpassung für klinisch-pathologische und Behandlungsmerkmale für das DMFI 0,65 (95 %-KI 0,45–0,94). Bei ultraniedrigem Risiko ergab sich zudem ein 8-Jahres-BCSS von 99,6 % (95 %-KI 99,1–100). (sh) Autoren: Lopes Cardozo JMN et al. Korrespondenz: Prof. Laura van ‘t Veer; [email protected] Studie: Outcome of Patients With an Ultralow-Risk 70-Gene Signature in the MINDACT Trial Quelle: J Clin Oncol 2022;40(12):1335–1345. Web: doi.org/10.1200/JCO.21.02019
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