Bildung hat keinen Einfluss auf die Alterung des Gehirns15. Juli 2021 Illustration: © Visual Generation – stock.adobe.com Entgegen der landläufigen Meinung zeigt eine neue Studie des EU-Konsortiums „Lifebrain“, dass mehr Bildung die Alterung des Gehirns nicht verlangsamt. Menschliche Gehirne schrumpfen im Laufe des Erwachsenenalters. Die bisher vorherrschende Meinung in der Wissenschaft war, dass ein höherer Bildungsabschluss die Schrumpfung verlangsamt oder sogar aufhält. Allerdings war die Befundlage bislang nicht aussagekräftig, da die meisten Arbeiten zu diesem Thema nicht auf Verlaufsstudien basierten, bei denen dieselben Probanden über Jahre hinweg mehrfach untersucht werden. Eine Studie des EU-Konsortiums „Lifebrain“, in dem Forschende aus acht Ländern zusammenarbeiten, setzte nun hier an. Auf der Grundlage mehrerer groß angelegter Verlaufsstudien aus verschiedenen europäischen Ländern wurde untersucht, wie sich die Gehirne von Erwachsenen im Verlauf des Lebens verändern und ob Bildung dabei eine Rolle spielt. Mit Bildung meinten die Wissenschaftler die Anzahl der Jahre, die die untersuchten Studienteilnehmenden in der Schule und direkt anschließend in weiterführenden Bildungseinrichtungen verbrachten. Die Ergebnisse zeigten zwar einen positiven Zusammenhang zwischen dem Volumen einiger Bereiche des Gehirns und dem Ausmaß an Bildung. Jedoch nahm bei Erwachsenen, die höhere Bildungsabschlüsse erreicht hatten, das Hirnvolumen genauso mit dem Alter ab wie bei Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass höhere Bildung die Gehirnalterung nicht verlangsamt“, sagt Lars Nyberg von der Universität Umeå in Schweden, Erstautor der Studie und Mitglied des Lifebrain-Konsortiums. „Zu bemerken ist auch, dass wir dieselbe Fragestellung an zwei verschiedenen Datensätzen, Lifebrain und UK-Biobank, bearbeitet haben, und dabei zu übereinstimmenden Ergebnissen gekommen sind“, ergänzt Nyberg. „Das gibt unseren Ergebnissen zusätzliches Gewicht“. Die Forscher maßen die Hirnalterung, indem sie das Volumen der Großhirnrinde und des Hippocampus bei mehr als 2000 Studienteilnehmenden mithilfe der strukturellen Magnetresonanztomographie (MRT) erfassten. Das Schrumpfen dieser beiden Bereiche des Gehirns ist Teil der normalen Alterung. Um die Veränderungen zu erfassen, wurden die Gehirne der Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu elf Jahren bis zu dreimal hintereinander untersucht. Das Alter der Teilnehmenden reichte von 29 bis 91 Jahren. „Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Bildung unwichtig ist“, betont Prof. Ulman Lindenberger, Direktor des Forschungsbereichs Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. „Bildung ist mit vielen Vorteilen im Leben verbunden. Aber irgendwann fangen die Gehirne aller Erwachsenen an zu schrumpfen, und die Geschwindigkeit dieser Schrumpfung wurde nicht davon beeinflusst, wie viele Jahre man in der Schule verbracht hat“, resümiert Lindenberger. Originalpublikation: Nyberg L et al. Educational attainment does not influence brain aging. PNAS 2021;118(18):e2101644118.
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