Bindehautinfektion durch SARS-CoV-2 unwahrscheinlich29. Mai 2020 Immunhistochemische Aufnahmen zeigen vorhandene Proteine in Gewebeproben mithilfe von Antikörpern. Die Probe der Bindehautzellen (l.) zeigt keine relevanten Mengen an ACE-2-Protein, während bei der Probe des Nierengewebes (r.) Antikörper an das vorhandene ACE-2-Protein binden. Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt bestimmte Proteine auf der Oberfläche menschlicher Zellen als Türöffner, um in die Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Vereinzelt wurde auch über Patienten mit Entzündungen der Bindehaut des Auges bei COVID-19-Erkrankung berichtet. Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Freiburg zeigt nun in einer Studie, dass Infektionen der Bindehaut durch SARS-CoV-2 unwahrscheinlich sind, gibt jedoch keine Entwarnung bei den medizinischen Schutzvorkehrungen. „Nach unserer Forschung ist es unwahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 eine Bindehautinfektion auslösen kann“, sagt Prof. Günther Schlunck, Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Bisherige Studien legen nah, dass SARS-CoV-2 mehrere Organe infizieren kann. Türöffner-Proteine wie der Rezeptor ACE-2 und das Enzym TMPRSS2, über die das Coronavirus in menschliche Zellen eindringen kann, wurden unter anderem bereits in der Leber, im Magen sowie in den Atemwegen infizierter Menschen nachgewiesen. Prof. Schlunck, Prof. Clemens Lange und weitere Wissenschaftler der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg haben nun untersucht, ob diese Proteine auf Bindehautzellen vorhanden sind. „Momentan herrscht noch viel Unsicherheit, wie das neuartige Coronavirus Menschen infiziert. Hier wollten wir zur Klärung beitragen“, sagt Lange, Erstautor der Studie, deren Ergebnisse Die Ergebnisse wurden am 6. Mai 2020 in der Fachzeitschrift “Journal of Medical Virology” veröffentlicht wurden. Hierfür analysierten die Forscher Gewebeproben der Bindehaut von 46 Patienten, die nicht an COVID-19 erkrankt waren. Mit einer RNA-Sequenzierung prüften die Wissenschaftler, ob Vorläufermoleküle (mRNA), die der Herstellung der Türöffner-Proteine dienen, in den Gewebeproben vorhanden waren. Ergänzend wurden durch immunhistochemische Färbungen in den Proben vorhandene Proteine mithilfe von markierten Antikörpern sichtbar gemacht. In keiner der Proben wurden relevante Mengen von ACE-2 oder TMPRSS2 festgestellt. Dies, so die Forscher, macht eine Infektion der Bindehaut durch SARS-CoV-2 über eine Bindung an ACE-2 sehr unwahrscheinlich. „Es ist jedoch möglich, dass Viren in den Tränenfilm geraten und über die ableitenden Tränenwege und die Nasenschleimhaut in die oberen Atemwege gelangen, wo sie eine Infektion auslösen können“, sagt Schlunck. Obwohl eine Infektion der Bindehaut mit SARS-CoV-2-Viren unwahrscheinlich ist, sind umfassende Hygiene- und Schutzmaßnahmen weiterhin angebracht. „Ärzte und Ärztinnen mit engem Kontakt zu COVID-19-Erkrankten sollten trotzdem darauf achten, Mund, Nase und gegebenenfalls auch die Augen wirksam zu schützen“, sagt Lange. Original-Titel der Studie: Expression of the COVID‐19 receptor ACE2 in the human conjunctivaDOI: https://doi.org/10.1002/jmv.25981Link zur Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jmv.25981
Mehr erfahren zu: "Hitzige Debatten zum Spargesetz beim Gesundheitskongress des Westens" Hitzige Debatten zum Spargesetz beim Gesundheitskongress des Westens Der diesjährige Gesundheitskongress des Westens am 7. und 8. Mai in Köln kam genau zur richtigen Zeit: Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz ist vom Kabinett beschlossen, aber noch nicht in Stein gemeißelt. Die […]
Mehr erfahren zu: " „Mies behandelt“: BGH zu Diskriminierung im Gesundheitswesen" „Mies behandelt“: BGH zu Diskriminierung im Gesundheitswesen Eine blinde Patientin kämpft in Karlsruhe für rechtliche Handhabe gegen eine aus ihrer Sicht diskriminierende Ablehnung in einer Rehaklinik. Warum das Urteil auch über ihren Fall hinaus große Auswirkungen haben […]
Mehr erfahren zu: "Migräneprophylaxe: Hinweise auf reduziertes Glaukomrisiko unter CGRP-Inhibitoren" Migräneprophylaxe: Hinweise auf reduziertes Glaukomrisiko unter CGRP-Inhibitoren Zwei Fliegen mit einer Klappe: Weniger Migräne und ein geringeres Glaukomrisiko? Neue Studienerkenntnisse deuten an, dass dies unter einer Migräneprophylaxe mit CGRP-Inhibitoren der Fall sein könnte.