Migräneprophylaxe: Hinweise auf reduziertes Glaukomrisiko unter CGRP-Inhibitoren8. Mai 2026 Laut einer aktuellen Kohortenstudie könnten CGRP-Inhibitoren in der Migräneprophylaxe das Risiko für ein Glaukom senken. (Symbolfoto: ©Анна Ковальчук/stock.adobe.com) Zwei Fliegen mit einer Klappe: Weniger Migräne und ein geringeres Glaukomrisiko? Neue Studienerkenntnisse deuten an, dass dies unter einer Migräneprophylaxe mit CGRP-Inhibitoren der Fall sein könnte. Die Ergebnisse der multinationalen Kohortenstudie erschienen im Fachmagazin „Neurology“. Die verantwortlichen Forscher verglichen 36.822 Personen, die Calcitonin-Gen-Related-Peptide(CGRP)-Inhibitoren zur Migräneprophylaxe anwendeten, mit der gleichen Anzahl von Personen, die andere Arten von präventiven Migränemedikamenten erhielten. Im Ergebnis zeigte sich, dass CGRP-Inhibitoren mit einem verringerten Glaukomrisiko in Verbindung stehen. Ob dieser Effekt direkt durch die CGRP-Hemmung zustande kommt oder indirekt auf Mechanismen zurückzuführen ist, bleibt jedoch unklar. Bekannter Zusammenhang zwischen Migräne und Glaukom „Das Glaukom ist eine der Hauptursachen für Erblindung, und es gibt Hinweise darauf, dass Migräne mit einem erhöhten Glaukomrisiko verbunden ist, da beide Erkrankungen die Fähigkeit der Blutgefäße im Gehirn beeinträchtigen, den Blutfluss als Reaktion auf Reize zu verändern“, erläutert Studienautor Dr. Chien-Hsiang Weng von der Brown University (USA). „Da CGRP-Hemmer dazu beitragen, die Kontraktion der Blutgefäße und Entzündungen im Nervensystem zu regulieren, besteht die Hoffnung, dass diese Medikamente die Augengesundheit bei Menschen mit einem Glaukomrisiko verbessern könnten.“ 25 Prozent niedrigere Glaukomrate unter CGRP-Inhibitoren Die Forschenden identifizierten in einer Gesundheitsdatenbank Personen, denen Medikamente zur Migräneprophylaxe mit mindestens einem Folgerezept neu verschrieben wurden. Diese teilten sie in zwei Gruppen ein. Patienten in der CGRP-Inhibitor-Gruppe waren mit Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab, Atogepant oder Rimegepant behandelt worden. Jene in der Nicht-CGRP-Inhibitor-Gruppe hatten Valproat, Topiramat, Flunarizin, Candesartan, Lisinopril, Metoprolol, Propranolol, Nadolol, Amitriptylin oder Venlafaxin zur Migräneprophylaxe erhalten. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 3 Jahren entwickelten 153 Personen (0,42%) in der CGRP-Inhibitor-Gruppe ein Glaukom, verglichen mit 223 Personen (0,61%) in der Nicht-CGRP-Inhibitor-Gruppe. Die Forscher bereinigten diese Ergebnisse um Faktoren, die das Glaukomrisiko beeinflussen könnten, beispielsweise Alter, Migränehäufigkeit und Bluthochdruck in der Vorgeschichte. Im Ergebnis war die Anwendung von CGRP-Inhibitoren mit einem um 25 Prozent geringeren Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms assoziiert als die anderen Migränemedikamente. Vorteil nur bei monoklonalen Antikörpern beobachtet In einer weiteren Analyse stellten die Forscher fest, dass das verringerte Glaukomrisiko nur bei CGRP-Inhibitoren mit monoklonalen Antikörpern auftrat. Dabei handelte es sich um Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab. Bei CGRP-Rezeptorantagonisten, den sogenannten Gepanten, wurde kein verringertes Risiko festgestellt. Dies betraf Atogepant und Rimegepant. Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass die Forschenden die Familienanamnese in Bezug auf Glaukom oder andere Informationen zum Glaukomrisiko, die die Ergebnisse hätten beeinflussen können, nicht bewerten konnten. Außerdem heben die Studienautoren hervor, dass die Studie nicht beweist, dass CGRP-Inhibitoren das verringerte Glaukomrisiko direkt verursachen. Die Studie zeigt lediglich einen Zusammenhang auf. „Es sind weitere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen, aber die Erkenntnisse könnten uns helfen, sowohl Migräne als auch Glaukom besser zu verstehen“, so das Fazit von Weng. (ah/BIERMANN) Das könnte Sie auch interessieren: Fachgesellschaften aktualisieren Leitlinie zur Migränetherapie Migräneprophylaxe: Vergleichbare Wirksamkeit von Eptinezumab und Botox Akupunktur zur Migräne-Prophylaxe: Belegter Nutzen nur für engen Anwendungsbereich
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