Zentrales Nervensystem spielt Schlüsselrolle bei diabetesbedingten Schmerzen7. Mai 2026 Stechen, Brennen und Kribbeln in den Füßen sind häufige Symptome der diabetischen peripheren Neuropathie. (Symbolfoto: ©ZAY WIN HTAI/stock.adobe.com) Schmerz bei diabetischer Neuropathie entsteht nicht nur in geschädigten peripheren Nerven. Eine aktuelle Übersichtsarbeit verdeutlicht, dass zentrale Mechanismen eine relevante Rolle spielen – und gibt Hinweise auf neue Ansatzpunkte für bessere Therapien. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Diabetes entwickeln eine diabetische periphere Neuropathie. In etwa einem Drittel der Fälle führen periphere Nervenschäden zu schmerzhaften Empfindungen wie Brennen, Kribbeln oder stechenden Schmerzen in den Füßen. Die Schmerzen verschlimmern sich oft nachts, stören den Schlaf und beeinträchtigen letztendlich die Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen. Die bisherigen Behandlungsoptionen sind begrenzt. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen könnte die Entwicklung neuer therapeutischer Maßnahmen begünstigen. In einem aktuellen Review-Artikel verdeutlichen Wissenschaftler aus Australien, dass Veränderungen im zentralen Nervensystem eine relevante Ursache für Schmerzen bei Menschen mit diabetischer peripherer Neuropathie darstellen. Künftige Behandlungsansätze könnten sich daher auf die Wiederherstellung der schmerzblockierenden Systeme des Gehirns konzentrieren, resümieren die Verfasser des Reviews um Dr. Di Ye von der School of Psychology der Murdoch University. Schmerzverstärkung im zentralen Nervensystem In einer früheren narrativen Übersicht identifizierten die Wissenschaftler oxidativen Stress und zentrale Sensibilisierung als zentrale Mechanismen, die Hyperglykämie mit Nervenschäden und Schmerzen in Verbindung bringen. Der nun publizierte Review bietet eine aktualisierte Zusammenfassung der Evidenz in diesem Bereich. Dazu erweiterten Ye und Kollegen ihre Pubmed-Suche um die Begriffe „metabolisches Syndrom“ und „Schmerzmodulation“. Sie inkludierten Studien, die zwischen September 2021 und Februar 2026 veröffentlicht wurden. „Die aktuellen Ergebnisse untermauern frühere Schlussfolgerungen, wonach Veränderungen im Zentralnervensystem und zentrale Sensibilisierung herausragende Merkmale der schmerzhaften diabetische periphere Neuropathie sind“, schreiben sie in ihrer Publikation im „Journal of Diabetes“. „Unsere Forschung zeigt, dass die Schmerzen, die Menschen empfinden, nicht nur durch geschädigte Nerven in den Füßen verursacht werden, sondern dass auch das Gehirn und das Rückenmark eine große Rolle spielen können“, sagt Ye. Er erläutert: „Bei gesunden Menschen sendet das Gehirn Signale über das Rückenmark, um die vom Körper kommenden Schmerzsignale zu dämpfen, aber bei Menschen mit Diabetes und Nervenschmerzen ist dieses Dämpfungssystem weniger wirksam, sodass die Schmerzsignale verstärkt statt abgeschwächt werden.“ Neue Therapieansätze: Fokus auf Schmerzhemmung und Stoffwechselgesundheit Neue Erkenntnisse zeigen zudem, dass Übergewicht oder Adipositas und die damit verbundenen chronischen Entzündungen zu chronischen Schmerzen bei Diabetes beitragen können. Peter Drummond, Mitautor der Studie und Professor für Psychologie an der Murdoch University, sagt, die Ergebnisse hätten erfreulicherweise Einblicke in mögliche nächste Schritte gegeben, um die mit Diabetes verbundenen Schmerzen zu lindern. „Zukünftige Behandlungen könnten darauf abzielen, die schmerzblockierenden Systeme des Gehirns wiederherzustellen und Entzündungen im Nervensystem zu reduzieren, wobei der Blick über den Blutzucker hinaus auf die allgemeine Stoffwechselgesundheit gerichtet wird“, so Drummond. „Weitere Untersuchungen könnten klären, ob eine gestörte Schmerzmodulation als Frühindikator für eine schmerzhafte diabetische periphere Neuropathie dienen kann, was es uns möglicherweise auch ermöglicht, früher einzugreifen und den Betroffenen zu helfen.“ (ah/BIERMANN) Das könnte Sie auch interessieren: Möglicher Therapieansatz für Nervenschäden bei Diabetes entdeckt Nervenschäden bei Typ-2-Diabetes entstehen oft schon vor der Diagnose
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