Anfallsbezogene Biomarker des plötzlichen unerwarteten Todes bei fokaler Epilepsie2. Dezember 2025 Eine aktuelle Studie begab sich auf die Suche nach neuen Biomarkern für plötzlichen unerwarteten Tod bei fokaler Epilepsie (Bild: © Andrey Popov/stock.adobe.com) Eine prospektive multizentrische Fall-Kontroll-Studie untersuchte Biomarker des plötzlichen unerwarteten Todes bei Epilepsie (SUDEP) bei Erwachsenen mit medikamentenresistenter fokaler Epilepsie. Hintergrund und Ziele Es besteht Bedarf an neuen Biomarkern zur Einschätzung des individuellen Risikos für einen plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie (SUDEP). Ziel dieser Studie war die Identifikation solcher Marker, insbesondere durch die Untersuchung bisher wenig analysierter Anfallsmerkmale, darunter periiktuale periphere Sauerstoffsättigung (SpO₂) und Lokalisation des Anfallsbeginns. Methoden Das Forschungsteam um Erstautor Prof. Philippe Ryvlin vom Universitätsklinikum Lausanne (Schweiz) führte eine eingebettete Fall-Kontroll-Studie zu SUDEP innerhalb einer prospektiven nationalen Kohorte durch. In die Studie eingeschlossen wurden Erwachsene mit medikamentenresistenter fokaler Epilepsie, die in 16 französischen Epilepsie-Monitoring-Einheiten stationär anfallsüberwacht wurden. Erfasst wurden klinische Daten, prächirurgische Diagnostik sowie Rohdaten aus Video-EEG, EKG und SpO₂ bis zum Ende der Rekrutierungsphase. Zur Identifikation von Todesfällen erfolgte jährlich eine Abfrage des französischen Personenstandsregisters. SUDEP-Fälle wurden anhand von Krankenakten und Interviews zu den Todesumständen klassifiziert. Jeder SUDEP-Fall wurde anhand des Studienzentrums und des Einschlussdatums mit vier Kontrollfällen gematcht. SUDEP-Risikofaktoren wurden mithilfe einer LASSO-penalisierten konditionalen logistischen Regression identifiziert. Ergebnisse Vom 18. Mai 2010 bis zum 23. August 2015 wurden insgesamt 1074 Teilnehmende rekrutiert und ihr Vitalstatus bis Ende 2018 verfolgt, was insgesamt 6828 Patientenjahre Nachbeobachtung ergab. 42 Teilnehmende verstarben während der Nachbeobachtung, darunter 18 Fälle von gesichertem oder wahrscheinlichem SUDEP. Dies entspricht einer SUDEP-Rate von 2,64 pro 1000 Patientenjahre (95 %-KI 1,36–3,92). Vier Faktoren waren signifikant mit einem erhöhten SUDEP-Risiko assoziiert: eine extratemporale epileptogene Zone (Odds Ratio [OR] 37,8; 95 %-KI 3,21–446,2; p = 0,0039), ein BMI von 30 oder höher (OR 26,0; 95 %-KI 2,0–339,6; p = 0,013), männliches Geschlecht (OR 12,6; 95 %-KI 1,5–106,8; p = 0,0201) sowie überwiegend nächtliche Anfälle (OR 6,0; 95 %-KI 1,2–28,7; p = 0,026). Nicht signififkant assoziiert waren hingegen eine periiktale Sauerstoffsättigung (SpO₂) von unter 80 % während fokaler Anfälle, die Häufigkeit fokal-bilateral tonisch-klonischer Anfälle, die Herzfrequenzvariabilität, das Alter bei Epilepsiebeginn, die Anzahl der Antiepileptika und eine Depressionsanamnese nicht signifikant mit SUDEP assoziiert. Diskussion Extratemporale Epilepsien mit Beteiligung der perisylvischen Region oder des Frontallappens scheinen mit einem erhöhten SUDEP-Risiko verbunden zu sein. Diese Ergebnisse sollten in größeren Kohorten bestätigt werden. Zudem unterstreichen sie die Notwendigkeit, die Diagnose und die chirurgische Behandlung extratemporaler Epilepsien zu verbessern, was zu einer verbesserten Risikostratifizierung und Prävention von SUDEP beitragen könnte. (lj/BIERMANN) Außerdem interessant zu dem Thema: Epilepsie: Anfälle mit innovativen Therapien kontrollieren
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