Biomarker sagen Behinderungsprogression bei MS voraus30. September 2024 Mithilfe von Blutproben hoffen Wissenschaftler, den Krankheitsverlauf bei MS künftig besser vorhersagen zu können. (Foto: © James Thew – stock.adobe.com) Die Serumspiegel von Neurofilament-Leichtkette (sNfL) und glialem fibrillären sauren Protein (sGFAP) können bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) eine Behinderungsprogression voraussagen. Dies zeigt eine Studie spanischer und italienischer Wissenschaftler, die auf dem diesjährigen ECTRIMS vorgestellt wurde. In dieser multizentrischen Beobachtungsstudie, die in 13 Krankenhäusern in Spanien und Italien durchgeführt wurde, zeigten Dr. Enric Monreal und sein Team, dass erhöhte Serumwerte der Neurofilament-Leichtkette (sNfL) zu Beginn der MS sowohl eine schubassoziierte Verschlechterung (RAW) als auch eine von der Schubaktivität unabhängige Progression (PIRA) vorhersagen können. Darüber hinaus korrelierte der Serumspiegel des glialen fibrillären sauren Proteins (sGFAP) – ein von Astrozyten stammendes Protein, das in den Blutkreislauf gelangt, wenn das zentrale Nervensystem (ZNS) verletzt oder entzündet ist – bei Patienten mit niedrigen sNfL-Werten mit PIRA . In der Studie wurden Blutproben von 725 MS-Patienten analysiert, die innerhalb von zwölf Monaten nach Manifestation der Erkrankung gesammelt wurden. Mithilfe der SIMOA-Technik (Single Molecule Array) bewerteten die Forscher den prognostischen Wert der sNfL- und sGFAP-Spiegel zur Vorhersage von RAW und PIRA. Dabei zeigte sich, dass höhere sNfL-Werte, die auf eine akute Entzündung im ZNS bei MS hinweisen, mit einem um 45 Prozent erhöhten RAW-Risiko und einem um 43 Prozent erhöhten PIRA-Risiko verbunden waren. Patienten mit hohen sNfL-Werten sprachen häufig nicht gut auf krankheitsmodifizierende Standardbehandlungen (DMTs) an, zeigten aber einen signifikanten Nutzen von hochwirksamen DMTs (HE-DMTs) wie Natalizumab, Alemtuzumab, Ocrelizumab, Rituximab und Ofatumumab. Im Gegensatz dazu hatten Patienten mit hohen sGFAP-Werten – ein Indikator für eine stärker lokalisierte, von Mikroglia im ZNS ausgelöste Entzündung – und niedrigen sNfL-Werten ein um 86 Prozent erhöhtes Risiko für PIRA. Diese Gruppe sprach nicht auf die aktuellen DMTs an. Interessanterweise schränkten hohe sNfL-Werte das Potenzial von sGFAP zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs ein, obwohl bekannt ist, dass sGFAP mit dem Fortschreiten der Erkrankung in Zusammenhang steht. Insbesondere waren die sGFAP-Werte nur bei Patienten mit niedrigen sNfL-Werten prädiktiv für PIRA. „Die Identifizierung von sNfL und sGFAP als prädiktive Biomarker ermöglicht es uns, die Behandlungsstrategien für MS-Patienten effektiver zu gestalten“, erklärte Monreal, Wissenschaftler am Universitätsklinikum Ramón y Cajal, Sapnien, und Erstautor der Studie. „Patienten mit niedrigen Werten beider Biomarker hatten eine gute Prognose und konnten mit injizierbaren oder oralen DMTs behandelt werden. Hohe sNfL-Werte weisen jedoch auf die Notwendigkeit von HE-DMTs hin, um eine Progression der Behinderung zu verhindern, während Patienten mit hohen sGFAP-Werten und niedrigen sNfL-Werten möglicherweise neue therapeutische Ansätze benötigen. Diese unterschiedlichen Signalwege bei MS haben erhebliche therapeutische Auswirkungen, da die derzeitigen DMTs in erster Linie auf das periphere adaptive Immunsystem abzielen, ohne die ZNS-Immunität zu beeinflussen. Daher ist die Identifizierung von Patienten mit höheren peripheren Entzündungswerten von entscheidender Bedeutung, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern und Behinderung zu verhindern.“ Die Messung der sNfL- und sGFAP-Spiegel zu Beginn der Erkrankung ermögliche Einblicke in die Progressionswege der MS, die es den Ärzten ermöglichen, die optimalen Patienten für spezifische DMTs zu identifizieren. Damit könnten Behinderungen verhindert und gleichzeitig unnötige behandlungsbedingte Risiken für Patienten mit geringerem Risiko vermieden werden.
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