Demenzrisiko ist schon in jungen Jahren sichtbar5. Juni 2026 Die Risikofaktoren für Demenz verändern sich mit der Lebensspanne. Jüngere Erwachsene wiesen in der Studie häufiger verhaltens- und psychosoziale Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome auf. (Foto: © adobe.stock.com – generiert mit KI) Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zeigt, dass ein etablierter Demenzrisiko-Index bereits bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren mit Unterschieden in der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängt. Bisher galt der Index vor allem für die Risikoabschätzung im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Für die aktuelle Studie nutzte das Forschungsteam Daten aus der deutschlandweiten bevölkerungsbasierten Gesundheitsstudie NAKO mit knapp 150.000 Teilnehmern im Alter von 20 bis 75 Jahren. Für jede Person wurde auf Basis gesundheitlicher und lebensstilbezogener Faktoren – etwa Rauchen, körperliche Aktivität, Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein LIBRA(Lifestyle for Brain Health)-Score berechnet. Der LIBRA-Index gilt als ein etabliertes wissenschaftliches Instrument zur Abschätzung des Demenzrisikos. Die Ergebnisse sind eindeutig: Höhere LIBRA-Scores, also ein höheres Demenzrisiko, gingen in allen Altersgruppen mit einer schlechteren geistigen Leistungsfähigkeit einher. Die Ergebnisse sind in „Alzheimer’s & Dementia“ veröffentlicht worden. Anschließend analysierten die Forschenden die Zusammenhänge zwischen den Risikowerten und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Besonders auffällig in der aktuellen Studie: Jüngere Erwachsene wiesen häufiger verhaltens- und psychosoziale Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome auf. Bei älteren Menschen dominierten kardiovaskuläre Risiken wie Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung und erhöhte Cholesterinwerte. „Es wird deutlich, dass sich die Art der Risikofaktoren für Demenz über die Lebensspanne verändert. Die Risikoreduktion sollte nicht erst mit 40 oder 60 Jahren beginnen, sondern schon im jungen Erwachsenenalter ansetzen“, betont Prof. Steffi G. Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP). „Wenn wir Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung oder psychische Gesundheit früh in den Blick nehmen, können wir vermutlich viel für die Gehirngesundheit im Alter tun.“ Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status sind besonders gefährdet Die Studie zeigt außerdem deutliche soziale Unterschiede: Personen mit niedrigerem sozioökonomischem Status hatten insgesamt ungünstigere LIBRA-Scores. Auch zwischen Frauen und Männern gab es Unterschiede: Im Durchschnitt wiesen Männer höhere modifizierbare Demenzrisikofaktoren (LIBRA-Werte) als Frauen auf. Negative Zusammenhänge zwischen LIBRA und kognitiver Leistung waren besonders bei Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status ausgeprägt. Entsprechend deuten die Ergebnisse darauf hin, dass bestimmte Gruppen im Lebensverlauf mehrfach benachteiligt sein können. Wissenschaftler Felix Wittmann: „Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Demenzrisiko nicht nur mit individuellen Faktoren zusammenhängt. Wenn wir soziale Ungleichheiten nicht stärker in den Blick nehmen, laufen wir als Gesellschaft Gefahr, dass die besonders gefährdeten Gruppen von wichtiger Risikoreduktion am wenigsten profitieren.“ Wissenschaftlich schließt die Studie eine Lücke: Der LIBRA-Index ist bislang nur für Menschen ab 40 Jahren gut untersucht. Dass er auch bei 20- bis 39-Jährigen aussagekräftig ist, zeigt den Forschenden zufolge, dass etablierte Demenzrisiko-Modelle auf jüngere Altersgruppen übertragbar sind und die Forschung stärker den gesamten Lebensverlauf in den Blick nehmen sollte.
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