Bis 2040 doppelt so viele Prostatakrebs-Fälle erwartet – Kommission macht Vorschläge15. April 2024 Die Lancet-Kommission fordert weltweit bessere Aufklärung über Prostatakrebs. Foto: Peakstock – stock.adobe.com Die Zahl der Prostatakrebsfälle weltweit wird sich bis 2040 wahrscheinlich verdoppeln. Damit verbunden ist ein Anstieg der Todesfälle um voraussichtlich 85%. Dies hat die Prostatakrebs-Kommission des Fachjournals „The Lancet“ errechnet. Die Experten nennen als Gründe dafür die zunehmende Lebenserwartung und veränderte Altersstrukturen in den Gesellschaften. Sie raten zu einem Bündel von Maßnahmen, um dieser Herausforderung zu begegnen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr von 1,4 Millionen im Jahr 2020 auf 2,9 Millionen im Jahr 2040 steigen wird“, schreiben die Autoren um Nicholas D. James vom Institute of Cancer Research in London (Großbrtiannien) in der frei verfügbaren Online-Vorab-Publikation Ihres Artikels. Sie betonen, dass dieser Anstieg nicht allein durch Änderungen des Lebensstils oder Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit verhindert werden könne. Daher fordern sie, dass Regierungen schon jetzt Strategien vorbereiten, um mit dem Anstieg zurechtzukommen: „Die Bewältigung dieses Anstiegs der Fälle erfordert dringende und radikale Interventionen.“ Da der Anstieg von Prostatakrebs wahrscheinlich mit einem Anstieg anderer Erkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen einhergeht, sollten sich Früherkennungsprogramme nach Überzeugung der Autoren nicht nur auf Prostatakrebs, sondern auf die Gesundheit von Männern im weiteren Sinne konzentrieren. James und Kollegen bezeichnen die weltweite Krankheitslast bereits jetzt als erheblich, es stünden jedoch Optionen zur Verbesserung der Versorgung zu moderaten Kosten zur Verfügung. Eine frühzeitige Diagnose verbessere die Prognose sowie die Ergebnisse und senke die gesellschaftlichen und individuellen Kosten. Allerdings seien späte Diagnosen weit verbreitet und in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) sogar die Norm. Während die altersbereinigte Mortalität durch Prostatakrebs in Ländern mit hohem Einkommen sinke, steige sie in LMICs, stellen die Autoren fest. “Wir empfehlen Änderungen am Diagnosepfad, die sofort umgesetzt werden können” Für besonders wichtig hält die Lancet-Kommission die Aufklärung von Gesundheitsfachkräften und der allgemeinen Bevölkerung, insbesondere in LMICs, auch über Smartphones und soziale Netzwerke. Konkrete Änderungen am Diagnoseweg könnten nach Ansicht der Autoren sofort umgesetzt werden. Frühdiagnosesysteme könnten nach ihrer Einschätzung von der wachsenden Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz profitieren. Die Kombination von PSA-Tests und MRT könnte das Prostatakrebs-Screening genauer machen und Überdiagnostik bzw. -therapie vermeiden. Bei Männern, bei denen eine fortgeschrittene Erkrankung diagnostiziert wurde, könnte der optimale Einsatz verfügbarer Technologien, angepasst an die verfügbaren Ressourcen, zu besseren Ergebnissen führen. Die Lancet-Autoren heben hervor, dass ethnische Unterschiede in der Prävalenz von Prostatakrebs besser erforscht und berücksichtigt werden müssten. Zwar sei bekannt, dass die Inzidenz bei Männern afrikanischer Herkunft etwa doppelt so hoch wie bei Männern europäischer Herkunft sei, dennoch hätten sich die meisten Untersuchungen zu Prostatakrebs bisher überproportional auf Männer europäischer Herkunft konzentriert. „Ohne dringende Maßnahmen werden diese Trends dazu führen, dass die Zahl der Todesfälle durch Prostatakrebs weltweit rapide ansteigt“, warnen sie. Doch wenn die vorgeschlagenen Interventionen umgesetzt würden, würde sich der Fallmix von fortgeschrittenen zu früheren Krankheitsstadien verschieben, hoffen James und Kollegen. „Eine frühere Diagnose würde einen Wechsel von palliativen zu kurativen Therapien auf der Grundlage von Chirurgie und Strahlentherapie nach sich ziehen.“ (ms)
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